18. Tag

Wir frühstücken heute sehr früh, schon um 6:30 Uhr, weil wir heute einen Tagesausflug nach Hoa Lu und Tam Coc, dem "Ha Long" auf dem Land machen werden. Die Tour haben wir direkt über das Hotel gebucht und sind gespannt darauf, wie das im Unterschied zur Tour nach Cat Ba laufen wird.

Das Frühstück besteht wie immer aus unsäglichem Nescafe und Bread-Butter-and-Jam. Das Brot wird von einem Hotelangestellten aufgetoastet, der dabei völlig schmerzfrei eine Zigarette qualmt, die er in den Mundwinkel geklemmt hat. Echt cool.

Pünktlich um 7:15 Uhr holt uns der Minibus ab und bringt uns zu einem Treffpunkt, von dem aus scheinbar alle Touren starten. Wir müssen nochmal umsteigen und dann lässt man uns fast eine halbe Stunde in unserem eigenen Saft schmoren, bis der Bus endlich richtig voll ist. Das ist dann schon mal der erste Unterschied zur Kangaroo-Tour. Kurz bevor Kirsten einen Kreislaufzusammenbruch erleidet, starten wir endlich und fahren 2 Stunden nach Tam Coc. Der Bus ist nicht klimatisiert und sogar bei meiner Größe stoße ich mit den Knien an der Lehne des vorderen Sitzes an.

In Hoa Lu besichtigen wir zwei völlig uninteressante Tempel und lassen den interessanten Tempel auf einem der Berge aus. Auf dem Hin- und Rückweg stürzen sich Mädchen und Frauen auf uns, die uns alles Mögliche verkaufen wollen.

Dann geht es weiter nach Tam Coc. Die Landschaft ähnelt tatsächlich der in der Ha Long-Bucht. Zwischen den Bergen fließt diesmal kein Wasser sondern befinden sich die Reisfelder, die allerdings ja auch meistens unter Wasser stehen, und mit Kanälen durchzogen sind.

Wir nehmen in einem recht netten Restaurant den Lunch ein und unterhalten uns ein wenig mit unseren Mitreisenden. Aber da keiner so rechte Lust zu haben scheint, kommt kein richtiges Gespräch zustande. Uns ist das ganz recht so.

Nach dem Essen werden wir immer zu zweit in ein kleines Ruderboot verfrachtet, das in unserem Fall von zwei älteren Frauen gesteuert wird (Schaffen die Männer hier nichts oder was?). Wir fahren auf einem der Kanäle durch die Reisfelder und zwischen den Felstürmen hindurch.

Die Sonne brennt vom Himmel und wir sind froh, dass wir unsere echt vietnamesischen Strohhüte mitgenommen haben.

Die Frauen sprechen nicht viel englisch und so beschränkt sich die Unterhaltung auf Handzeichen und viel Gekicher. An einem Damm müssen wir aussteigen und das Boot muss über eine Schwelle gehoben werden. Dabei entsteht das gewohnte Chaos, aber wir nehmen es gelassen.

Weiter geht es auf dem Kanal und ich mache viele Fotos. An drei Stellen fahren wir unter den Bergen hindurch. Die längste Höhle ist so lang, dass wir den Ausgang nicht sehen können, aber nicht so lang, dass es völlig dunkel werden würde. Angenehme Kühle herrscht dort.

Nach der letzten Höhle treffen sich alle Boote in einem großen Pulk und Verkäuferinnen mit allerlei Getränken und Süßigkeiten stürzen sich auf uns. Wir sind genervt, denn die Methode ist perfide. Als wir ablehnen, etwas für uns selbst zu kaufen, sollen wir etwas für unsere Steuerfrauen als Tip kaufen. Eine der beiden streckt mir dann noch ihre leeren Hände entgegen. Natürlich ist das ein abgekartetes Spiel, aber wer kann da schon hart bleiben? Wir kaufen zwei Dosen Süßzeug und irgendwas karamelartiges und zahlen einen völlig überhöhten Preis dafür. Die Stimmung wird wieder fröhlich ausgelassen. Möchte nicht wissen, mit welcher Miene unsere zwei Damen zurückgerudert wären, hätten wir nichts gekauft.

Die Landschaft macht unsere Frustration wieder wett. Nach halbem Weg zurück kriegen wir natürlich noch Decken und T-Shirts von unseren Damen angeboten, aber diesmal lehnen wir ab und bleiben hart. Kurz vor dem Anlegen, wollen sie dann noch Tip und ich bin fast versucht, ihnen gerade deswegen nichts mehr zu geben, aber um des lieben Friedens willen bekommen sie dann eben doch noch etwas. Allerdings bleibt ein schaler Nachgeschmack des Abgezockt-worden-seins zurück und die Freundlichkeit der Leute scheint einmal mehr erkauft und nicht echt.

Die Rückfahrt mit dem Bus ist mördermäßig. Wir schwitzen wie die Schweine und sind völlig fertig, als wir endlich ankommen.

Trotzdem bekommen wir, nachdem wir eine leidliche Pizza gegessen haben, noch einen Kaufflash und kaufen Reisschalen, Lampions und weitere Sachen, die wir als Geschenke mitnehmen wollen. Die Frau vom Souvenirladen macht mit uns das Geschäft ihres Lebens. Aber wir handeln sie ganz gut herunter. Als wir zu Hause ankommen, stellen wir fest, dass wir unseren Lampion vergessen haben. Kirsten geht nochmal los und holt ihn.