17. Tag

Da wir ohne Klimaanlage kaum schlafen können und ich entweder von der trockenen Luft und/oder von der milbenhaltigen Bettwäsche fast ständig Allergie bekomme, gehen wir an diesem Vormittag zu einer Art Apotheke und ich lasse mir ein Nasenspray empfehlen. Da nur unverständliche Dinge auf der Verpackung stehen, müssen wir der Verkäuferin vertrauen. Wie sich herausstellt, wirkt das Spray bei mir überhaupt nicht, was aber daran liegen mag, dass meine Nasenschleimhäute dagegen einfach resistent sind.

Nach einem Mittagsschläfchen, lassen wir uns von einem Cyclofahrer zum Hoa Sua bringen, dem Restaurant, in dem die Straßenkinder eine sinnvolle Ausbildung bekommen. Wir sind etwas verwirrt, als uns unser Fahrer davor absetzt, weil kein verständliches Schild auf das Restaurant hinweist. Nur ein Schild in vietnamesischer Schrift prangt über dem Eingang zu Hof. Hätten wir's nicht besser gewusst, wären wir sicher vorbeigegangen, ohne von einem Restaurant etwas zu ahnen. Wir gehen darunter hindurch in den Hof und entdecken überrascht ein äußerst geschmackvoll eingerichtetes Gartenlokal. Überall wuseln Jungen und Mädchen im Teenageralter in weißen T-Shirts mit Aufdruck und Schürzen herum. Wir sind außer einer 5-köpfigen Familie die einzigen Gäste und es wird deutlich, dass sich die Teenager fast darin überschlagen, und möglichst korrekt zu bedienen. Ihre übertriebene Korrektheit ist mir fast etwas unangenehm, aber so bekommen sie das sicher hier beigebracht. Wir bestellen eine vietnamesische Spezialität, Fleisch in Reiswickeln, und einen Salat, eigentlich zwei Vorspeisen. Beides ist liebevoll zubereitet und ausgesprochen köstlich. Danach gehen wir gleich zum Dessert über und ich bekomme einen sensationell guten Bananenpfannenkuchen mit Vanille-Rum. Köstlich! Es gibt keine angenehmere Art, etwas Gutes zu tun. Wir kommen uns dekadent vor, sind aber trotzdem mit uns zufrieden.

Danach laufen wir zurück und geraten wieder in einen Kaufflash. Ich kaufe zwei Tim und Struppi-Cover in Lack. Eines ist so groß, dass ich mir Sorgen mache, es nicht transportieren zu können. Gut dass ich jetzt so einen riesigen Rucksack habe! Dann geht es Schlag auf Schlag. Wir kaufen insgesamt 6 Basthüte! Die Frau macht das Geschäft ihres Lebens, und wir haben alle Spaß dabei. Mit großer Tüte ausgerüstet geben wir natürlich ein gutes Ziel ab. Genauso gut könnten wir uns ein Schild "Wir kaufen ALLES" umhängen. Sogar eine Hutverkäuferin läuft uns hinterher und will uns noch mehr Hüte verkaufen nach dem Motto "Wer sechs Hüte kauft, der kauft auch noch einen siebten." Eine T-Shirt Verkäuferin lässt sich einfach nicht abschütteln und geht mit dem Preis für ihr T-Shirt immer tiefer. Da ich tatsächlich ein rotes T-Shirt mit gelbem Stern kaufen will, stimme ich bei 2 Dollar endlich zu. Da sie keines in Größe M dabei hat, bittet sie uns stehenzubleiben und zu warten. Als "Pfand" stellt sie ihre Tüte mit T-Shirts neben uns ab. Wir warten und sind inzwischen wieder amüsiert von diesem Chaos. Die Hutverkäuferin kommt wieder und - hat unverhofft Erfolg. Kirsten kauft tatsächlich noch einen 7. Hut, einen etwas kleineren Kinderhut. Damit haben wir wohl ungewollt das Gesetz der sieben Hüte etabliert und kein Tourist wird in Zukunft unter sieben Hüten die Altstadt verlassen. Sie werden uns alle hassen!

Nach einer Weile kommt die T-Shirt-Frau mit dem roten T-Shirt winkend auf einem Motorrad angefahren und meint atemlos, dass wir jetzt 5000 Dong mehr zahlen müssten, weil sie dem Fahrer so viel hätte geben müssen. Aber darüber muss sie schon selbst lachen und sie ist auch mit den 30000 mehr als gut bedient. Vollbepackt mit unserer "Beute" kehren wir so schnell wie möglich ins Hotel zurück. Abends gehen wir dann nochmal los und Kirsten gibt in zwei Geschäften Kleider bzw. Hosen in Auftrag. In einem dritten Geschäft kauft sie eine komplette Montur aus Kleid, Schuhen und Taschen. Wir handeln wie die Teufel, sind aber ganz sicher, dass die immer noch ein sehr gutes Geschäft machen. Danach beschließen wir diesen anstrengenden Tag mit einem guten Essen im Little Hanoi.