Diese Nacht schlafe ich dann nicht so gut wie bei der Hinfahrt, weil ich Allergie bekomme. Außerdem fährt der Zug um 20:30 Uhr los und wir kommen in Hanoi um 5:00 Uhr an.
Als wir aus dem Zug aussteigen, stürzen sich die Taxizwischenhändler auf uns. Blöderweise folgen wir einem, aber lassen uns auf keinen Preis ein, weil wir wissen, dass die Taxis Taxameter haben und der Preis immer viel niedriger ist als der, den sie zuerst fordern. Schließlich fährt der Kerl einen Riesenumweg, was wir aber merken, weil wir uns inzwischen besser in Hanoi auskennen und ihm das auch sagen. Keine Reaktion. Wir fügen uns, denn man will ja auch heil ankommen, und zahlen am Ende einen einigermaßen realen Preis. Trotzdem ist diese Erfahrung wieder negativ und drückt die Stimmung.
Hanoi ist um diese Uhrzeit noch ein verschlafenes Nest. Fast alle Läden sind geschlossen, auch das Hotel, aber als uns die Jungs von der Rezeption vor der Tür stehen sehen, machen sie, wenn auch völlig verschlafen, auf.
Da das Zimmer natürlich noch nicht fertig ist, machen wir uns auf einen Weg um den Hoa Kiem See. Dort überrascht uns eine ausgelassene Frühsport-Bewegung. Überall stehen Leute und machen Tai Chi oder spielen Badminton. Ganze Seniorengruppen sind auf den Beinen und machen zusammen Gymnastik. Der Verkehr ist noch ganz harmlos, und das zeigt, wie schön es hier ohne den Terror des Hupens und Drängelns sein kann. Außerdem sieht der See und alles darum herum in der Morgensonne so frisch aus. Wieder entdecken wir also eine Facette mehr von Hanoi.
Nach unserer Runde ist das Hotelzimmer immer noch nicht fertig. Wir können trotzdem kurz rein, um uns frisch zu machen, und gehen dann wieder zu dem Café, in dem es die köstlichen Schokocroissants und den außerordentlich guten Kaffee gibt. Dort schlagen wir uns erstmal den Bauch voll. Als wir wieder zum Hotel kommen, ist das Zimmer endlich fertig und wir ratzen eine Runde, was auch bitter nötig ist. Allerdings ist das etwas schwierig, weil nebenan gearbeitet wird und es ständig irgendwo klopft und hämmert. Das Zimmer geht zwar nach hinten raus, aber in Hanoi gibt es wohl keine Ruhe. Wenn keiner klopft, kreischen irgendwelche wildgewordenen Amerikaner oder Franzosen in Horden im Treppenhaus herum.
Nachdem wir uns leidlich erholt haben, beschließen wir, uns mit einem Klebreiseis bei Fanny's zu belohnen. Das Eis schmeckt dann etwas seltsam und irgendwie dachten wir, da sei auch Reis drin, aber das ist nicht der Fall. Wahrscheinlich reine Chemie.
Wir setzen uns an den See und ich mache den Fehler und lasse mir von einem Postkartenjungen ein Buch von Graham Greene "Der stille Amerikaner" zeigen, kaufe es aber nicht. Am Ende nennt er mich einen "bad man" und bezichtigt mich, die Plastikfolie aufgerissen zu haben, obwohl er das getan hat, wohl in der Annahme, dass ich schon kaufen würde. Danach fühle ich mich auch schlecht, aber auch ungerecht behandelt. Es ist und bleibt ein einziges Dilemma.
Wir gehen an der Ostseite des Hoa Kiem Sees zurück und beginnen damit zwanglos nach einem Rucksack für mich Ausschau zu halten. Am Ende kaufe ich ein 80 Liter-Monster mit zwei abnehmbaren Taschen und allem Furz und Feuerstein für schlappe 20 Dollar. Ich befürchte nur, dass er zu schwer ist. Wir werden sehen.
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Als wir am Abend wie immer im Little Hanoi essen, lesen wir im Reiseführer von zwei Restaurants, die Straßenkinder unterstützen. Eines davon bildet sogar richtige Köche aus. Wir beschließen, morgen dort unser schlechtes Gewissen etwas zu beruhigen.
Nach dem Essen schauen wir uns einen der vielen CD-Raubkopieläden an und kaufen spontan 10 CDs und eine rote CD-Tasche mit gelbem Stern. Die Verkäuferin ist nett und versucht sich in ein wenig Deutsch. Vermutlich werden wir festgenommen, wenn wir die Raubkopien zu Hause einführen wollen, aber was soll's. Endlich besitzen wir Barry Whites Greatest Hits.