Diesen Tag verbringen wir damit, mehrmals auf den Markt zu gehen.
Nach einer Weile muss man dort aber immer wieder flüchten, weil sich die Einheimischen auf einen stürzen, als wäre man ein Goldesel, was man ja tatsächlich für sie ist.
Manchmal gelingt es, lachend abzulehnen. Kleine Dialoge "Where do you come from?", "How old are you?", "What is your name?" und "Is that your husband?" dienen nicht nur ausschließlich der verkaufsfördernden Kontaktaufnahme, sondern lassen echte Neugierde erkennen.
Am aggressivsten sind die älteren Frauen, die einen auch anfassen und einfach nicht aufgeben wollen und die Friseure, die mich ständig rasieren wollen und wirklich unangenehm werden. Am amüsantesten sind noch die Kinder.
Aber es sind ausschließlich Frauen, die uns etwas verkaufen wollen und sie sprechen ausschließlich Kirsten an. Vermutlich setzen sie voraus, dass bei uns die gleiche Aufgabenteilung herrscht wie bei ihnen.
Wir kaufen dann zwei wirklich schöne Kissenbezüge und befreien uns danach aus einer Traube von Leuten. Vor Taschendieben braucht man keine Angst zu haben. Noch nicht, sicher wird das auch irgendwann kommen. Unser Minibus zurück nach Lao Cai geht erst gegen 15:30 Uhr und wir schlagen die Zeit in Cafés tot.
![]()
Wir trinken in unserem Hotel noch einen Café und dabei kommt es wieder einmal zu einer dieser Szenen, die man gerne erzählt. Kirsten will Zucker in ihren Kaffee geben und hebt dazu den Deckel der Zuckerdose ab, die auf dem Tisch steht. Den Zucker fanden aber anscheinend auch eine Horde kleiner roter Ameisen sehr interessant, die sich darin tummeln. In der Annahme, dass es jemanden interessieren könnte, zeigt Kirsten die Zuckerdose einem Hotelangestellten, der daraufhin eine Zuckerdose von einem anderen Tisch nimmt, sie ihr hinstellt und die mit den Ameisen völlig beiläufig auf den Tisch stellt, von dem er eben die andere Dose genommen hat und nicht etwa aus dem Verkehr zieht, wie wir leichtsinnigerweise selbstverständlich angenommen hatten. Das zeigt mal wieder deutlich die Unterschiede im Verhältnis zu Hygiene und Schmutz. Der hat sich wahrscheinlich gedacht, ok, da sind Ameisen drin, die gehen da auch wieder raus. Wo ist also das Problem? Man stelle sich so etwas in einem deutschen Restaurant vor!
Schließlich ist es soweit und wir Touristen werden mit einem unergründlichen Verfahren auf die Busse aufgeteilt. Wenigstens kostet es diesmal nur 25.000 Dong, es herrscht eben Angebot und Nachfrage und das Angebot ist hier in Sapa gerade größer als die Nachfrage, so einfach ist das. Reiner Kapitalismus wieder in diesem ach so kommunistischen Land... Wir brauchen für die 38 km bis Lao Cai fast zwei Stunden, weil unterwegs immer wieder an Baustellen angehalten werden muss. Die Fahrt ist ein wahrer Höllentrip und ich bin froh, diesmal ausnahmsweise nicht pinkeln zu müssen.
In Lao Cai am Bahnhof angekommen werden wir gleichzeitig zu Shoeshine, Postkartenkauf und Besuch eines der "Restaurants" gedrängt. Wir gehen erstmal auf's Klo. Dann lassen wir uns von einem Mädchen zu einer der Garküchen, die den Bahnhofsvorplatz säumen, führen und nehmen auf Kinderstühlen an Kindertischen Platz. Hier ist sogar der Preis für die Getränke und Gerichte Verhandlungssache. Aber es schmeckt gut und wir trinken Lao Cai Bier, das original aus einer 1-Liter-Plastikflasche ausgeschenkt wird. Ich mache ein Foto, damit man uns das zu Hause auch wirklich glaubt. Wir denken nicht zu genau darüber nach, wie die Gläser aussehen, aus denen wir trinken und ob das Bier nach dem deutschen Reinheits...bestimmt nicht.
Dann begeben wir uns in den Warteraum und als die Türen geöffnet werden, müssen wir erst noch an einen Schalter und dort die Tickets abstempeln lassen. Es lebe die Bürokratie! Dann gehen wir zum Zug und folgen der Masse der Touristen. Ein Verantwortlicher sorgt für einen bemerkenswert organisierten Ablauf. Wir treffen einen Engländer und eine Schweizerin in unserem Abteil, die natürlich wieder ins Quatschen kommen, während wir die Bücher rausholen und früh schlafen gehen.