Wir stehen wie immer früh auf und frühstücken in unserem Hotel. Dann machen wir uns auf den Weg zum Cat Cat Wasserfall. Es ist regnerisch und das trübt unsere Stimmung etwas. Der Weg führt zuerst ins Tal hinunter. Wir müssen an einer Schranke 5000 Dong zahlen und knirschen wieder mit den Zähnen. Unterwegs fängt es ein paarmal an zu tropfen, aber es hält sich in Grenzen, was gut ist, denn wir haben keinen Regenschirm dabei. Ganz im Gegensatz zu den Einheimischen, die lustig aussehen in ihrer Tracht mit einem Korb auf den Rücken und dem obligatorischen Schirm darin. Offensichtlich werden die nicht gerne nass.
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Das Klima ist hier übrigens äußerst angenehm. Abends kühlt es sogar etwas ab und man macht nachmittags etwas, was man sonst nirgends tut: Man sonnt sich! Mit den dünnen Pullovern liegen wir allerdings genau richtig, denn die Kühle hält sich in Grenzen und auf unserem Weg zum Wasserfall kommen wir schnell wieder ins Schwitzen.
Der Weg führt wie gesagt erst ins Tal herunter, dann über eine gewagte Hängekonstruktion, die wohl eine Brücke darstellen soll und wahrscheinlich aus derselben Zeit stammt, wie die Fußgänger- und Eisenbahnbrücke in Hanoi. Man darf gar nicht darüber nachdenken, ob sich tatsächlich irgendjemand kompetente Gedanken darüber gemacht hat, ob dieses Ding wirklich noch stabil ist. Der Weg ist zum Teil rutschig und wegen des Regens auch schlammig, aber es wird gerade eine Art Autobahn für Fußgänger gebaut, die aus mehreren Schichten zusammenbetonierter Steine besteht. Da die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind, liegt ab und zu ein Haufen der Steine mitten im Weg und ist nur schwer zu umgehen. Wieder einmal fragen wir uns, ob da jemand nachgedacht hat, ehe er die Steine abgeladen hat? Sicher nicht. Es ist wie mit dem Verkehr in Hanoi: Man fährt und läuft sich gegenseitig gnadenlos in den Weg und erwartet, dass der andere schon ausweichen wird. Da uns die Steine ganz bestimmt nicht ausweichen werden, weichen wir über weitere rutschige Abhänge aus und erreichen schließlich, obwohl wir vorher fast aufgegeben hätten, den Cat Cat Wasserfall.
Das ist dann ein äußerst nettes Plätzchen, an dem zwei Flüsse zusammenfließen und überall Wasser plätschert und an einer Stelle sogar tost. In einem kleinen Unterstand, der als Schattenspender hochwillkommen ist, weil die Sonne inzwischen wieder vom Himmel brennt, sitzt ein Hmong-Mann mit ein paar Getränken und bietet uns freundlich zurückhaltend einen Platz an. Wir setzen uns ihm gegenüber auf eine Bank und schauen schweigend dem Wasser beim Fließen zu. Ich packe ein paar Bananen aus, die wir gestern billig auf dem Markt erstanden haben. Eine Banane bekommt der Hmong-Mann, der sie etwas verwirrt entgegennimmt, sich bedankt und sie gleich verspeist. Kirsten vermutet, dass er in Wirklichkeit vielleicht Bananen hasst und die jetzt nur aus Höflichkeit herunterwürgt. Plötzlich wechselt der Mann die Seite und setzt sich neben mich. Meine Uhr hat es ihm angetan. Sie hat schon des Öfteren Aufsehen erregt und sieht ja auch ziemlich spacig aus. Ganz aufgeregt zeigt er darauf und zeigt dann seine und macht ein Zeichen für Zeiger, was wohl heißen soll "Meine Uhr hat Zeiger, Deine nicht." Außerdem stellt er sie dann nach meiner Uhr und versucht sie aufzuziehen. Aber sie ist kaputt und rührt sich nicht. Naja, wenigstens kurze Zeit zeigt sie jetzt ja die richtige Uhrzeit an. Der nächste Tourist und die nächste genau gehende interessante Uhr kommt bestimmt bald. Und überhaupt, was bedeutet schon Zeit. All das scheint das in sich ruhende Wesen des Mannes auszudrücken, als er sich wieder mit uns schweigend das Fließen des Wassers anschaut. So schauen und lauschen wir noch eine Weile zusammen, dann verabschieden wir uns und brechen wieder auf.
Der Rückweg bringt uns zum Keuchen, aber die dreistündige Wanderung war genau das Richtige für den Vormittag. In Sapa angekommen erinnern wir uns an die gute Noodlesoup von gestern, kehren aber woanders ein. Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte. Wir bekommen ein kleines Schälchen mit grüner Suppe, die zwar nicht schlecht schmeckt, aber nur etwas für den hohlen Zahn ist. Wir gehen sofort danach ins Fansipan-Restaurant und essen noch eine Noodlesoup. Die Bedienungstante fasst Gläser tatsächlich mit ihren dreckigen kleinen Händen auch innen an (wir bestellen heute nichts zu trinken). Danach fühlen wir uns erheblich besser.
Wir machen ein Mittagsschläfchen und brechen dann am späten Nachmittag zum Telegrafenmast auf. Zähneknirschend zahlen wir 30.000 Dong und steigen auf.
Der ganze Bereich zwischen dem Felsen, auf dem der Telegrafenmast steht und weiteren Hügeln ist in einen Park verwandelt worden. Jetzt wird uns auch klar, warum der Eintritt so hoch ist. Eigentlich haben sie das ganz schön gemacht mit verschlungenen Wegen, die die Hügel hoch und runter führen und mehreren Orchideengärten.
Auf dem Telegrafen-Hügel sind wir dann überraschenderweise ganz allein und bleiben es auch bis zum Schluss. Die Aussicht ist atemberaubend.
Immer wieder steigen Wolken aus dem Tal und versuchen Sapa zu verschlingen, dann lösen sie sich aber wieder auf.
Die gegenüberliegende Bergkette mit dem Fansipan ist wie immer in Wolken gehüllt. Zu allem Überfluss taucht dann sogar noch ein Regenbogen auf.
Das glaubt uns keiner. Jeder wird denken, ich hätte das Foto manipuliert. Ich tobe mich fotomäßig aus.
Zufrieden beenden wir den Tag im Mimosa Family Restaurant.