Wir wachen wieder einmal sehr früh auf. Da es abends nichts zu tun gibt und im Fernseher nur unverständliches Zeug läuft, gehen wir immer früh schlafen. Nach der Tour gestern waren wir ja auch müde genug. Der Minibus ist für 11:00 Uhr bestellt und soll uns nach Sapa fahren. Da wir die einzigen Kunden sind, ist der Preis entsprechend hoch: 30 Dollar. Was hier herrscht ist nicht Kommunismus, sondern das reine Gesetz von Angebot und Nachfrage. Wir fügen uns widerstrebend. Bevor wir abfahren, drängt uns so ein schmieriger Verkäufertyp noch die Karte eines Hotels in Sapa in die Hand, das einem "good friend" gehört. Da es direkt neben dem liegt, in das wir eigentlich wollen, nicke ich freundlich und nehme die Karte. Dieses Verhalten soll jedoch noch ungeahnte Folgen haben.
Die Fahrt in dem klapprigen Minibus ist lang und nicht halb so interessant wie mit dem Public Bus. Außer dem Fahrer ist noch eine Tussie dabei, die dauernd quatscht. Als ich mal pinkeln muss, verstehen sie noch nicht einmal so viel Englisch, dass ihnen die Worte "stop" und "toilet" etwas sagen würden. Mal ganz davon abgesehen, dass auch so ziemlich klar sein müsste, was ich für ein Problem habe. Der kleine Sprachführer im Reiseführer rettet uns schließlich.
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In Sapa kommt es dann zu Eklat. Als wir vor dem Queen Hotel anhalten, steht schon jemand vom Hotel bereit. Wir grüßen freundlich und geben dann zu erkennen, dass wir aber gern in das Auberge-Hotel gehen möchten. Damit bringen wir, ohne es zu wissen, den ganzen internen Handel der Leute durcheinander. Als die Auberge-Leute dann ganz verwirrt fragen, wo denn unser Fahrer sei, beginnen wir zu verstehen, dass hier die Touristen als Devisenbringer zwischen den Minibusfahrern und den Hotels verschachert werden. Vermutlich bestand ein Deal mit dem Queen-Hotel, aber nicht mit dem Auberge, und so entgeht den Minibusleuten jetzt die Provision. Ehrlich gesagt ist uns das ganz recht so und wir können uns einer gewissen Schadenfreude nicht erwehren.
Im Auberge-Hotel bekommen wir ein ganz nettes Zimmer, von dem aus der Ausblick auf die Berge sehr schön ist. Besonders freut uns, dass wir den Preis noch drei Dollar heruntergehandelt haben, denn langsam bekommen wir das Gefühl, hier abgezockt zu werden, und das gefällt uns absolut nicht.
Wir machen es uns auf der Veranda vor dem Eingang zu unserem Zimmer bequem und schauen uns erstmal um.
Das Hotel steht an einem steilen Abhang, der ins Tal und auf der anderen Seite wieder hinauf bis zum Gebirgskamm des höchsten Bergs Vietnams, dem Fansipan, führt. Er ist wie immer in Wolken gehüllt. Unterhalb des Hotels stehen weitere, die wohl einen noch besseren Ausblick bieten, aber bestimmt auch teurer sind. Ich mache gleich ein paar Fotos.
Als wir später auf die Straße gehen, machen wir erste Bekanntschaft mit der aggressiven Händlermentalität der Minderheiten. Überall sieht man vorwiegend Frauen in verschiedensten Trachten auf den Straßen und fast alle wollen etwas verkaufen. Taucht ein weißes Gesicht auf, beginnt sofort das "Hello"-Geschrei und nach anfänglichem Zurückgrüßen fällt es uns zunehmend schwer, locker zu bleiben. Manchmal bilden sich regelrechte Trauben um weiße Touristen. Man kommt sich wie Freiwild vor, das nur mit genügend Hartnäckigkeit erlegt werden will. Manchmal ist es nur lustig und wir und die Frauen lachen miteinander, manchmal ist es unglaublich lästig.
Dabei sind die Volksgruppen wirklich wunderschön ausstaffiert (jedes Volk hat eine andere Tracht vorzuweisen) und natürlich besonders die Kinder ziehen immer wieder Blicke auf sich. Aber natürlich haben auch die etwas zu verschachern und so geht das Ganze dann wieder von vorne los. Ich traue mich noch nicht, Fotos von ihnen zu machen, frage mich aber bald, ob so viel Rücksichtnahme angebracht ist, wo doch umgekehrt keinerlei Rücksicht erkennbar ist. Die Männer sind übrigens bei allen Gruppen äußerst zurückhaltend und stehen meistens in der Landschaft rum und wissen nicht genau, was sie mit ihren Armen tun sollen. Sie sind überaus schüchtern und lassen sich auch nicht fotografieren.
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Wir essen eine sehr leckere vegetable Noodle-Soup im etwas schmuddelig aussehenden Fansipan-Restaurant. Hier denken wir über die Gläser nach und wer sie vorher schon benutzt hat. Der Markt ist schon gut besucht, obwohl noch nicht Samstag ist. Er ist überraschend klein und teilweise überdacht. Ich hätte ihn mir ganz anders vorgestellt. Fast alle Waren werden auf dem Boden ausgebreitet. Zum Teil ist der ziemlich schlammig. Trotzdem sieht das Gemüse immer ausgenommen frisch aus, was daran liegen mag, dass die Frauen es mit Wasser besprühen. Es gibt so ziemlich alles, auch einen geräucherten Hundekopf, den aber nur Kirsten sieht. Ich habe mich bemüht, nicht allzu genau hinzuschauen. So richtig in die Fleischabteilung trauen wir uns an diesem Tag noch nicht.
Zum Sonnenuntergang wollen wir dann auf dem Hügel, auf dem der Telegrafenmast steht. Aber es kostet 15.000 Dong Eintritt und wir ärgern uns zum wiederholten Mal über die zunehmende Abzockerei und gehen nicht hoch. Stattdessen machen wir einen Spaziergang in die andere Richtung, die aber keinen so schönen Ausblick bietet.
Als wir wieder im Hotel sind, sehen wir, wie die Wolken aus dem Tal nach oben steigen und kurze Zeit den ganzen Ort verschlucken. Merkwürdig sieht das aus, auch unheimlich und faszinierend.
Abends gehen wir eine sündhaft teure, aber sehr gute Pizza essen, weil wir mal etwas anders als asiatisches Essen brauchen.