11. Tag

Wir wachen einigermaßen ausgeschlafen auf und kaufen bei einer vorbeikommenden Frau Kaffee und Tee, der natürlich nicht im Preis inbegriffen ist. Die Wasserweck schmecken aber ganz gut.

Schließlich stoppt der Zug. Wir sind da. Mit einer Horde von Menschen schieben wir uns aus dem Zug auf das Bahnhofsgebäude zu. Gleich sprechen uns Einheimische an und wollen uns einen Minibus nach Bac Ha für 30 Dollar andrehen. Wir lehnen empört ab. Dann bietet uns einer einen für 25 Dollar an, und verspricht, noch mehr Passagiere zu suchen. Wir stimmen zu. Nach einer Weile bringt er eine Irin und einen Amerikaner an, die auch nach Bac Ha wollen. Die Irin ist ziemlich prollig, aber eigentlich ganz sympathisch. Der Amerikaner, mit dem sie offensichtlich zusammen unterwegs ist, hält sich zurück.

Leider haben wir es mit Super Savern zu tun und die 25 Dollar für den Minibus sind ihnen zu viel. Die Situation wird etwas stressig, denn wir sind offensichtlich die einzigen Passagiere nach Bac Ha und in der Position verhandelt sich schlecht. Irgendwo soll es noch einen Public Bus geben, aber natürlich sagt uns keiner, wo und wann der abfährt.

Als die Einheimischen verstanden haben, dass wir den Minibus nicht nehmen werden, kommt der Public Bus angefahren. Das Ding ist eine Art Mischung zwischen Bus, Panzer und Unimog. Der Busfahrer will 50.000 Dong. Ich bin inzwischen so weit, dass ich alles zahlen würde, aber die eiserne Irin handelt ihn noch auf 45.000 Dong herunter, also drei Dollar. Mit dem ganzen Gezacker haben wir jetzt also pro Person 4 Dollar gespart. Na toll! Ich bin etwas angenervt.

Die Fahrt stellt sich aber schließlich als interessanter heraus, als sie es im Minibus je hätte sein können. Wir sind jetzt echt mit den Einheimischen unterwegs, wenn auch immer noch zu einem vielfach höheren Preis.

Da der Bus auch als Lastwagen dient, werden unterwegs immer wieder Sachen eingeladen und irgendwo verstaut. Ständig hält der Bus und wird umgeräumt, um für noch eine Kiste Platz zu schaffen. Ein Kühlschrank findet schließlich auch noch Platz. Wir nehmen es mit Humor, auch wenn wir noch einmal drei Stunden für die 68 km nach Bac Ha brauchen. Die Straße schraubt sich dabei in Schlangenlinien in die Höhe und ist so uneben, dass es uns manchmal gehörig durchschüttelt. Einige Steigungen können nur im ersten Gang genommen werden. Und so krauchen wir Bac Ha entgegen. Trotzdem wird die Fahrt keine Sekunde langweilig.

In Bac Ha sollen 70.000 Menschen wohnen und wir erwarten so etwas wie eine kleine Stadt, aber kommen in etwas wie ein größeres Dorf. In der Mitte wird schwer gearbeitet, um eine Art Plaza zu bauen. Viele Gebäude sehen funkelnagelneu aus. Hier sprießt offensichtlich ein neues Tourismuspflänzchen, das spürt man, aber es ist noch nicht sehr groß.

Da wir beide einen Lonely Planet als Reiseführer haben, entscheiden wir uns natürlich mit den andern beiden für dasselbe Hotel. Das Hotel Sao Maio kommt nach ein paar Metern mit den Rucksäcken in Sicht und sieht witzig aus. Es scheint auf den ersten Blick ganz aus Holz zu bestehen und ist vier Stockwerke hoch. Jedes Stockwerk wird von einer Veranda umlaufen, von der die Türen in die Zimmer abgehen. Im Hof vor dem Hotel stolziert ein Truthahn auf und ab und einige Katzen und Hunde lungern herum. Neben dem Hotel sind nur kleine Bauernhäuser mit ihren Gärten voll Pflaumenbäumen. Wir sind richtig auf dem Land.

Von der Veranda aus blickt man über Gebirgszüge, die allerdings nicht aus Felsen bestehen, sondern eher grüne, kegelförmige Hügel sind. Uns fällt auf, dass die Hänge fast bis zu Gipfel aus kultivierten Flächen bestehen. Wo es zu steil ist, hat man den Hang einfach terrassiert und kann ihn so trotzdem nutzen. Allerdings kann man sich das wohl nicht beschwerlich genug vorstellen.

Wir legen uns erstmal etwas hin. Die Irin und der Amerikaner heuern gleich einen Guide an, der ihnen die Gegend und die Leute zeigen soll. Wir haben zwei Übernachtungen geplant und nehmen uns das für den nächsten Tag vor. Den restlichen Tag verbringen wir damit, zweimal durch Bac Ha zu schlendern. Wir sind hier so fremd wie bisher noch nirgendwo sonst. Die Leute schauen einen neugierig an, manche grüßen. Kinder lachen einen an oder rufen "Hello". Das alles ist überhaupt nicht aufdringlich so wie in Hanoi, sondern nur Ausdruck sympathischer Neugierde. Wir fühlen uns keine Sekunde unwohl.

Weil wir kein Restaurant finden, das einen vertrauenswürdigen Eindruck macht, beschließen wir, im Hotel zu essen. Später tauchen noch die beiden Super Saver auf und berichten begeistert von ihrer Tour und den Menschen, die sie getroffen haben. Wir gehen nach diesem anstrengenden Tag und 1 1/2 Tiger Beer früh schlafen.