8. Tag

Wenn Du genau hinhörst, hörst Du noch die Melodie der Vaults-Eisverkäufer, die die Straße vor Deinem Hotelzimmer in endlosen Kehren auf und ab fahren. Und wieder stellst Du Dir vor wie es sein muß, ein Eisverkäufer in Hanoi zu sein und jeden Tag tausendfach diese schrecklich einprägsame Tonfolge hören zu müssen die einen bis in den Schlaf verfolgt…

Wir stehen früh auf, was aber kein Problem ist, denn wir erwachen noch vor dem Wecker. Nachdem man sich in der Hotellobby getroffen hat, werden wir zu Frühstück in ein Cafe verfrachtet. Wir sind wieder zu zehnt. Die beiden Alten sind auch dabei, weil sie auch einen Tag länger geblieben sind. Außerdem ist noch eine ätzend arrogante britische Kuh dabei, die wir beide spontan hassen, zwei Ehepaare aus England oder USA und ein blasser Deutscher. Die Engländer verstehen sich natürlich wieder gleich prächtig und das Gequatsche geht von vorne los. Wir halten uns zurück und man toleriert es. Gott sei Dank.

Dann geht's zurück auf's Boot. Es ist wieder einmal ein relativ dunstiger Tag, aber nach kurzer Zeit schon beginnt die Sonne vom Himmel zu brennen und man tut gut daran, sich unter das Sonnendeck zurückzuziehen. Die anderen quacken in einem durch. Sind die eigentlich zu Labern hier, oder um sich die Landschaft anzuschauen? Die britische Kuh, es ist kaum zu fassen, blättert in einem britischen Käseblatt mit Klatschgeschichten und hat für die atemberaubende Kulisse keinen Blick. Damit sie auch nichts hört, hat sie sich einen Discman angestellt.

Das Meer geht in der Ferne fast unmerklich in den Himmel über. Alles gleist weiß, so viel Wasser ist in der Luft. Ich stelle mich ganz vorne hin, so lange es die Sonne zulässt und will die Fahrt so richtig genießen, ohne mich von dem Gequatsche ablenken zu lassen. Der Guide ist mir ebenfalls unsympathisch. Ganz anders als der erste Guide versucht er total cool und super-locker zu sein. Ich kann ihn nicht leiden.

Bei der Ankunft in Ha Long kehren wir wieder im selben Lokal ein. Danach gehen wir raus und Kirsten kauft mutig eine fast ananasgroße rosa gefärbte Frucht, von der grüne, dreieckige Lappen abstehen. Sieht absolut lustig aus. Wir fragen im Bus herum, ob jemand weiß, was das ist und einer erklärt uns, dass es eine Drachenfrucht ist. Wir sind mächtig stolz auf unseren Fang.

Auf der Fahrt durch die Reisfelder beobachten wir immer wieder Leute, die einen trichterförmigen Behälter, der zwischen zwei Seilen hängt, hin- und herschwenken und damit Wasser vom Kanal in das Feld schöpfen. Ein sehr elegantes Verfahren.

In Hanoi eingetroffen löst sich die Gruppe schnell auf. Wir telefonieren kurz und das Prince 2 Hotel hat noch ein Zimmer frei. Da es nicht allzu weit ist, beschließen wir nach dem vielen Sitzen hinzulaufen.

Das Hotel heißt jetzt Van Minh und das Zimmer kostet 18 Dollar. Das ist fast genau die Hälfte unseres ersten Hotels und absolut ok. Wir bekommen ein Zimmer im ersten Stock mit einem Balkon auf die Straße hinaus. Dort sind wir mitten in der Altstadt gelandet und freuen uns.

Es kommt uns so vor, als sei unsere Toleranzschwelle schon höher gestiegen und wir sind längst nicht mehr so genervt von dem Trubel. Wie wir hierhergelaufen sind, war fast schon professionell.

Wir fragen den Portier, ob er uns eine Zugfahrkarte besorgen kann und er erzählt uns, dass es nur die Kategorien "Soft Seat" und "Hard Sleeper" gibt. Wir sind etwas verwundert, denn die Australier haben uns davon erzählt, dass sie mit dem "Soft Sleeper" nach Lao Cai gefahren sind. Wir beschließen, selbst an den Bahnhof zu gehen.

Als wir den Soft Seat näher beschrieben haben wollen unterläuft uns mal wieder ein Fauxpas. Ich frage, ob die Sitze wie in einem Flugzeug sind und der Portier antwortet: "I never was on a plane". Wir schlucken kurz, wünschen uns, so etwas nie gefragt zu haben und verabschieden uns. Wieder einmal hat man nicht richtig nachgedacht. Wie soll sich der Durchschnittsvietnamese auch einen Flug leisten. Wir Idioten!

In der Nacht merken wir aber, dass wir uns etwas zu viel zugemutet haben. Ohne Ohrstöpsel wären wir verloren. Besonders schlimm ist das nervtötende Gedudel der Eisverkäufer. Alle haben die gleiche Melodie und sind somit gleich zu erkennen, was zwar sehr geschickt ist, aber uns einen nicht enden wollenden Ohrwurm beschert.