7. Tag

Wenn Du zurückdenkst, musst Du noch immer lächeln über die genaue vietnamesische Kopie der mitteleuropäischen Strandkultur und staunen über die nicht kopierbare Abendstimmung in der Bucht vor Cat Ba.

Diesen Tag haben wir uns "freigenommen". Am Morgen informiert uns der Guide der nachfolgenden Tour, dass wir am nächsten Morgen mitkommen müssen, weil die Gruppe danach zu groß ist. Schade, wir wären auch noch eine Nacht länger geblieben. Auch wenn im dritten Bett in unserem Zimmer, das wir nicht benutzen, heute Nacht etwas verdächtig knackte. Wir wollen beide nicht so genau wissen, was das war.

Wir beschließen den Tag am Meer zu verbringen und wandern die Promenade entlang Richtung den Stränden Cat Ba 1 und Cat Ba 2. Dazu müssen wir einen Hügel überqueren und bevor der Strand in Sichtweite kommt, 7000 Dong Eintritt zahlen. Man lernt hier also langsam dazu.

Vom ersten Strand, der schon sehr schön ist, zieht sich ein Steg an der Klippe entlang um die nächste Landzunge zu Cat Ba 2. Der Steg ist eine gewagte Konstruktion und schwebt teilweise mindestens 10 Meter über dem Wasser. Da dieser Strand noch schöner sein soll, gehen wir weiter. Die Einrichtungen am Strand sind dann überraschend professionell. So etwas wie zwei Tavernen stehen unter Palmen und bieten Essen und Getränke an. Es gibt Liegestühle und Sonnenschirme. Alles sieht so aus, als hätten sich die Organisatoren genau angeschaut, wie es an den Stränden der westlichen Welt aussieht und das dann so gut es geht kopiert. Wir müssen dann sogar etwas für Liegestuhl und Sonnenschirm zahlen.

Außer uns sind nur wenige Leute am Strand. Fast nur Westler, auf jeden Fall nur Touristen. Der Vietnamese an sich kann sicherlich überhaupt nicht nachvollziehen, wie man, wie wir, da am Strand herumliegen kann. Und wenn er es tut, dann nur, weil die Westler es tun und somit irgendwas dran sein muss, dass er zwar nicht versteht, aber nachmacht, um modern zu erscheinen. Klingt arrogant, ist aber leider wirklich so. Man sieht oft Jugendliche, die versuchen, sich so zu geben, wie die Helden, die sie in amerikanischen Filmen gesehen haben. Aber nichts ist den Vietnamesen fremder als polteriges Machogehabe. Wenn man es doch sieht, ist es garantiert kopiert. Ich glaube, die werden hier irgendwann ein massives gesellschaftliches Problem bekommen, wenn die Kluft zwischen Tradition und Moderne größer wird und gleichzeitig durch den Tourismus immer mehr Geld und Anschauungsmaterial ins Land schwemmt.

Nachdem ich eine Mango massakriert habe, bekomme ich stechende Kopfschmerzen. Erst glaube ich, es könnte an dem Boot liegen, das mit laut knatterndem Motor irgendwas aus der Taverne abpumpt. Aber das ist es nicht. Ich trinke Wasser bis zum Umfallen und nach einer Weile wird es wieder besser. Das Wasser ist badewannenwarm und erfrischt kaum. Nachdem es erst etwas bedeckt ist, kommt immer mehr die Sonne raus. Obwohl man sagen muss, dass sie nie so brennend und klar vom Himmel brennt wie woanders. Hier ist es einfach immer feucht und dunstig. Trotzdem brennt die Sonne natürlich alles weg, da kann auch der Schleier nichts helfen und man muss tierisch aufpassen. Natürlich verbrennen wir uns trotzdem etwas die Haut.

Das Boot stellt schließlich endlich den Motor ab und die Stille explodiert förmlich um uns herum. Wenn der Motor wieder anspringt, werde ich schreiend zum Boot schwimmen und das Ding kurz und klein schlagen müssen. Ich bin überzeugt davon, dass den Vietnamesen der Lärm überhaupt nicht bewusst ist. Vielleicht sind die ja auch alle einfach taub?

Unser Tag am Meer klingt aus mit dem Spaziergang zurück zum Ort. Auf dem Steg kommen uns immer wieder Gruppen junger Männer entgegen, die manchmal zu schüchtern sind, manchmal sich aber dann doch trauen, zu grüßen und uns immer neugierig mustern. Unten schippern zwei Boote Getränkekisten von einem zum anderen Strand und die Insassen winken uns.

Als wir über den Hügel kommen und auf den Ort schauen können, geht die Sonne unter. Das Wasser im Hafen ist ein einziger Spiegel, auf dem sich die Fischerboote als Schatten abzeichnen. Es ist kitschig schön.

Wir trauen uns, bei einer Straßenhändlerin eine Kokosnuss zu ordern. Sie schlägt die Nuss so auf, dass zwei Strohhalme durch eine kleine Öffnung gesteckt werden können und wir schlürfen den Saft. Dann schlägt sie die Nuss in der Mitte durch und wir knabbern das Fruchtfleisch. Köstlich!

Ich mache noch ein paar schaurig schöne Sonnenuntergangsbilder mit Palmwedel im Vordergrund – ich kann es mir einfach nicht verkneifen. Abends gehen wir wieder bei "unserer" Köchin essen, die sich freut, dass wir wiedergekommen sind.