1. Tag

Wenn Du die Augen schließt, hörst Du noch das beständige Dröhnen der Flugzeugdüsen und spürst die Unruhe in der Magengegend bei dem Gedanken daran, was Dich am Ziel in einer fremden Welt erwarten wird.

So, nun sind wir also endlich unterwegs. Nach mehr als einer Stunde Verspätung fliegen wir jetzt also wieder mal über den Wolken und fühlen uns grenzenlos frei. Naja, so frei nun auch wieder nicht, wenn man die höchstens 50 cm zum Vordersitz betrachtet. Die Wartezeit hat hungrig gemacht, aber da kommen die Stewardessen auch schon mit den Wägelchen. Interessant ist das lila Design der Sitzbezüge und des Teppichs. Es hat gleich so was Exotisches...

Da wir über zwei Stunden Aufenthalt in Bangkok haben, sollte uns die Verspätung nicht weiter kümmern.

Auch interessant, oder besser gruselig, waren einige der Figuren, die mit uns am Gate auf das Einsteigen gewartet haben. Viele mit offensichtlich gekauften Frauen und einer war total besoffen. Der kotzt jetzt entweder seinem Nebenmann den gerade bestellten Whiskey auf die Hose oder ist gleich ins Koma gefallen, um erst in Bangkok wieder aufzuwachen. Kirsten hat auch gleich wieder etliche Kinderschänder ausgemacht.

Eben habe ich meine erste Pepsi-Dose mit asiatischen Schriftzeichen überreicht bekommen. Wie aufregend!

Das Packen gestern Abend ging glatt über die Bühne. Natürlich war der Rucksack am Ende doch wieder schwerer als gehofft, aber dennoch leichter als je zuvor. Wir haben nicht einmal Jacken mit. Wozu auch? Aber es ist schon ein komisches Gefühl, ohne richtige Jacke zu verreisen. Ich kann förmlich die Stimme meiner Mutter hören, wie sie sagt "Kind, zieh Dir was Warmes an". Auch sitzten wir nicht wie sonst mit den dicken Wanderschuhen im Flieger. So Dinger kann man bei der Hitze dort wahrscheinlich gar nicht tragen.

Kaum drei Stunden unterwegs und schon wird die Zeit lang. Auch weil es jetzt draußen dunkel wird. Durch eine Nacht fliegen wir hindurch. Gerade läuft so ein völlig bescheuerter Film mit Keanu Reeves. Irgendwas über einen Trainer, der eine Jugendmannschaft in irgend so einem blöden Sport zum Happy-End-Sieg führt. Braucht kein Mensch. Im Gang stehend unterhalten sich nette Menschen lautstark, während andere schlafen wollen. Ein ganz normaler Flug also. Irgendwann wenn wir im Lotto gewonnen haben, werden wir erste Klasse fliegen und uns so richtig schlafen legen. Man kommt sich schon wie ein Huhn in einer Legebatterie vor. Aber zum Glück habe ich ja mein Rechnerchen und kann alles niederschreiben. Das macht es ein klein bisschen weniger schlimm. Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich wirklich jeden Tag Lust haben werde, etwas zu schreiben. Es soll ja auch nicht zur lästigen Pflichtübung werden. Aber es soll schon so eine Art Reisebericht entstehen, den man gerne mal wieder liest. Vielleicht ist das aber auch nur einfach eine Schnapsidee.

Wieso verdränge ich nur immer wieder, dass Langstreckenflüge die reinste Quälerei sind? Irgendwie muss das mit dem Urlaub, der sich dann anschließt, zusammenhängen. Da man während des Flugs nichts erlebt, bleibt auch nichts in der Erinnerung hängen. Deshalb an dieser Stelle ein für alle Mal: Ich bin saumüde, habe keine Minute richtig geschlafen, mein Nacken schmerzt, meine Füsse sind zu dicken Klumpen geworden, ich habe Kopfschmerzen, meine Augen brennen, mein Gesicht juckt und wegen der trockenen Luft sind meine Nasenschleimhäute ausgetrocknet. Na? Reicht das? Aber auch das wird mich nicht vor weiteren Langstreckenflügen abhalten.

Ui, jetzt kommt doch glatt noch ein Frühstück - nachts um 1:12, na toll!