Die ultramoderne Stadt |
24. Februar 2004
Singapur erweist sich immer mehr als sehr interessanter Abstecher. Gestern Abend goennten wir uns ein Taxi zum Hotel. Das war billiger als andernorts der Shuttlebus. Der Fahrer redete die ganze Zeit und zeigte uns im Vorbeifahren etliche Sehenswuerigkeiten der Stadt. Dabei redete er wie ein Wasserfall und wir waren uns manchmal nicht ganz sicher, ob es nicht ab und zu auch chinesisch statt englisch war. Unsere Muedigkeit trug dazu bei, dass wir nur Wortfetzen aufschnappen konnten. Nichtsdestotrotz nickten wir eifrig und verstanden uns praechtig.
Wir hatten uns im Internet das Viersternehotel "The Gallery" ausgesucht, das auf den Fotos sehr interessant aussah. Die Rezeption wirkte wie eine ultramoderne Bar in einer marmorglaenzenden Eingangshalle eines Buerohochhauses und wenn uns nicht jemand die Richtung gewiesen haette, haetten wir sie nicht so schnell gefunden. Ueberall kuehle, indirekte Neonbeleuchtung, in der man immer aussieht wie ein Alien und viel Glas. Interessant. Wie wir feststellen sollten, haben sich die kuenstlerischen Designer bei der Einrichtung des Hotels so richtig ausgetobt. Teilweise sieht es hier aus, wie im Museum fuer Moderne Kunst. Neben den Aufzugstueren haengen sandgefuellte Blecheimer von der Decke. Erst als ich Zigarettenkippen darin sah, wusste ich, wozu sie gedacht waren. Auf unserem Stockwerk angekommen, wies uns ein Schild mit Zimmernummern zwar noch die Richtung, an den Zimmertueren selbst waren jedoch keine Nummern angebracht. Hilflos irrten wir den langen Gang entlang, und versuchten durch Abzaehle oder Ausprobieren unser Zimmer zu finden. Gerettet hat uns schliesslich der Hotelpage, der unser Gepaeck brachte. Er wies auf die in die Holzdielen vor den Zimmertueren eingebrannten Nummern. Wir kamen uns ziemlich dumm vor.
Vom Zimmer selbst waren wir etwas enttaeuscht und sind immer noch nicht voll davon ueberzeugt, dass es sich um ein "Superior"-Zimmer handelt. Eine vorsichtige Nachfrage bestaetigte uns das aber und so muessen wir es wohl glauben. Das Hotel ist so mit Technik vollgestopft, dass man so ziemlich alles von einer Konsole am Kopfende des Bettes aus bedienen kann. Wir spielten eine Weile mit den vielen Knoepfen und stellten fest, dass man sogar daran gedacht hatte, das Licht im Bad langsam hochzudimmen, statt einfach nur anzuschalten. Damit man nicht geblendet wird, erklaert uns die Hotelmappe geduldig. Unter den Nachttischen sind auf Fusshoehe Lichter angebracht, die auf Bewegung reagieren. Beeindruckend. Etwas ernuechtert waren wir aber dann, als sich die Garderobenbeleuchtung partout nicht ausschalten lassen wollte. Sie sollte auch auf Bewegung reagieren, aber sollte etwa das Garderobenlicht jedesmal angehen, wenn wir uns mal im Bett umdrehten? Wir riefen wieder bei der Rezeption an und nach einer geraumen Weile (es war schon 23:00 Uhr und fuer uns eigentlich 2:00 Uhr) kam ein Elektriker im Blaumann mit einer Aluleiter und machte sich brummend ans Werk, waerend wir auf dem Bett sassen und es nicht fassen konnten. Ein beherztes Klopfen mit dem Schraubenzieher auf eines der Relais der Schalttafel, die sich unter der Decke hinter einer Klappe befand und der Schalttafel fuer ganze Wohnblocks Ehre gemacht haette, beseitigte schliesslich das Problem. Man konnte tatsaechlich das Licht einfach nur abschalten, wie es sich gehoert. Der Elektriker zog brummend ab und wir legten uns, erleichertet, dass wir die Nacht nicht bei Neonlicht verbringen mussten, endlich schlafen.
Heute Morgen erwachten wir relativ frueh, versuchten aber so lange wie moeglich zu Doesen, um die Zeitumstellung schnell auf die Reihe zu bekommen. Das Fruehstueck nahmen wir in dem natuerlich ausserordentlich modern gestalteten Restaurant des Hotels ein. Unser Tisch bestand aus einer Glasplatte, die zwischen von der Decke haengenden und am Boden befestigten Drahtseilen befestigt war. Zum Fruehstueck gab es zum Glueck die Sachen, die man bei einer solchen Gelegeheit erwartet.
Nach dem Fruehstueck machten wir uns auf zu einer Entdeckungsreise durch die Stadt. Da unser Hotel nicht weit vom Stadtkern entfernt ist, konnten wir laufen. Die Hitze war zwar anfangs noch ertraeglich, aber die Feuchtigkeit brachte uns trotzdem zum Keuchen. Wir liefen am Fluss entlang, an dem sich eine Promenade mit Geschaeften und Cafes entlangzog. Nach kurzer Zeit kam eine Brueck in Sicht, die so bunt angemalt war, als entstamme sie der Phantasie von Hundertwasser. Danach ging es durch einen Park, in dem wir die fremde Vegetation bewunderten. Uns fiel auf, wie ruhig die Stadt am fruehen Vormittag wirkte. Der Verkehr war fuer eine Stadt dieser Groesse geradezu marginal.
Eines faellt sofort auf: Singapur ist aeusserst sauber. Fast schon zu sauber. Vom etwas hoeher gelegenen Park blickten wir auf die Wolkenkratzer der Stadt, die sich in Downtown draengen. Wir stiegen vom Huegel herunter und kamen bald zu dem Hotel Singapurs, dem "Raffles Hotel". Das Hotel nimmt einen ganzen Strassenblock ein und ist ganz im Kolonialstil gehalten. Wir konnten uns an den weissen Fassaden, Veranden, Arcaden und palmenbestandenen Atrien gar nicht sattsehen. Also ich brauche echt nicht viel Luxus, aber dieses Hotel hat eindeutig Stil. Schade nur, dass man es sich absolut nicht leisten kann.
Danach pilgerten wir durch verschiedene Shoppingkomplexe, aus denen Singapur mindestens zur Haelfte zu bestehen scheint. Der Wechsel zwischen klimatisierter Kuehle und steigender Mittagshitze machte uns immer mehr zu schaffen. Am Fluss entlang ging es schliesslich mit unserer Beute (3 T-Shirts fuer 10 Euro fuer mich und Schuhe fuer 20 Euro fuer Kirsten) am Fluss entlang zurueck zum Hotel. Die Sonne brannte mittlerweile so bitterlich, dass ich mir eines der neu erstandenen T-Shirts auf den Kopf legte. Ich hatte eine so heissen Kopf, dass sich das Shirt fast wie eine Eispackung anfuehlte. Der Fluss ist wirklich wunderschoen angelegt. Kleine bunte Haeuser ziehen sich vor dem Hintergrund der Wolkenkratzer, die hier fast eine undurchdringliche Mauer bilden, am Ufer entlang. Ueberall Cafes und Restaurantes uns immer wieder sorgfaeltig restaurierte, verspielte und schneeweisse Gebaeude aus Kolonialzeiten. Wir sind richtig beeindruckt von dieser Stadt. Die Leute machen einen ziemlich entspannten Eindruck, was vielleicht an der Hitze liegt und ausserordentlich positiv faellt das Fehlen Proleten aller Art auf. Asiaten scheinen mir einfach hoeflicher und zurueckhaltender zu sein. Und ausserdem sind sie nicht so fett wie wir Westler. Ansonsten ist diese Stadt westlicher wie der Westen, ultramodern, technikbegeistert und todschick, manchmal bis zur Kuenstlichkeit.
Zurueck im Hotel stuermten wir gleich zum Pool. Der ist natuerlich auch etwas ganz Besonderes und liegt auf dem Flachdach eines Gebaeudeteils. Der Pool ist mit blauen Kacheln ausgelegt und befindet sich direkt am Rand des Daches. Da seine Seitenwaende zum Teil aus Glas bestehen, hat man den Eindruck, ueber die Kante hinausschwimmen zu koennen. Nichts fuer Hoehenangstgeplagte. Ich blieb den Glaswaenden einfach etwas fern.