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Der Fluechtlings-Treck

06. Februar 2004

Der Tag unseres grossen Marschs begann mit Warten auf den Shuttle-Bus. Der hatte dann 20 Minuten Verspaetung und war so voll, dass die letzten Passagiere stehen mussten. Nach einer halben Stunde und einer Fahrt ueber eine holprigen Schotterstrasse waren wir dann endlich am Anfang des Tracks, nur um zu erfahren, dass der letzte Bus schon eine halbe Stunde frueher als wir dachten die Rueckfahrt vom Track-Ende antritt. So war uns also insgesamt eine ganze Stunde gestohlen worden. Um unseren Aerger ueber diese mangelhafte Organisation zu verstehen, muss man wissen, dass schon der Track alleine etwa 6-7 Stunden lang ist. Nimmt man die Zeiten, die in unserem Reisefuehrer angegeben waren, ernst, braucht man locker eine Stunde laenger, wenn man nicht hundertprozentig fit ist. Wir wollten nicht so vermessen sein, das von uns anzunehmen. Darueberhinaus sollte es etwa 3 Stunden dauern, den Gipfel des 2700 Meter hohen Vulkans Mt.Ngauruhoe zu besteigen. Neben der Tatsache, dass wir diesen Namen nie werden korrekt aussprechen koennen, war es damit absolut unmoeglich, diesen Abstecher zu machen. Wie sich herausstellen sollte, war das aber dann gar nicht so tragisch.

Am Parkplatz, der den Anfang des Tracks markierte, herrschte Hochbetieb. Unzaehlige Shuttlebusse wie unserer luden Wanderer aller Nationen aus, die dann in Form einer Karawane loszogen - und wir mitten drin. Der erste Teil war dann relativ flach, der Weg aber schon ziemlich schmal und wir mussten mehrfach, darum bitten vorbei gelassen zu werden, wenn wieder einmal ein paar langsamere Wanderer taub fuer die Schritte in ihrem Ruecken waren. Teilweise kamen wir uns vor wie auf einem Fluechtlingstreck. Die dicken Rucksaecke, die jeder trug, weil alles Wasser und Essen mitgenommen werden musste, verstaerkten diesen Eindruck noch.

Eigentlich hatten wir angenommen, dass sich irgendwann auf der Strecke das "Feld" der Wanderer auseinanderziehen wuerde. Aber diese Hoffnung blieb unerfuellt. Wir waren (bis auf einmal viel spaeter fuer 30 Sekunden) nie ausser Sichtweite anderer Leute.

Nach dem flachen Teil erfolgte ein sehr steiler Aufstieg zu einem Sattel, der so manchen ins Schwitzen brachte. Wir keuchten auch, waren aber relativ fit. Auf dem Sattel angekommen, befanden wir uns mitten in einer Wolke. Die Sichtweite beschraenkte sich auf 100 Meter und ein eiskalter Wind blies durch das Bergtal. An dieser fruehen Stelle und ohne die restliche Strecke abschaetzen zu koennen, mussten wir uns nun entscheiden, ob wir den Mt.Ngauruhoe besteigen wollten oder nicht. Wir entschieden uns dagegen. Was sollten wir auch anderes tun. Am Trackende sollte es nicht einmal ein Telefon geben, mit dem man einen Transport haette organisieren koennen. Das Wetter machte uns die Entscheidung aber leichter. Nichts ist frustrierender als ein Gipfel im Nebel. Wie sich herausstellen sollte, blieb der Vulkan auch den restlichen Tag in Wolken. Wir hatten also nicht wirklich etwas verpasst.

Vom Sattel aus ging es ebenerdig durch einen ehemaligen Krater und dann wieder steil hinauf auf den Red Crater. Warum der so heisst, konnten wir oben nachvollziehen, denn dort konnte man die roten Kraterwaende bewundern. Zum Glueck kam die Sonne auch immer mal wieder heraus und schaltete die Farben an.

Vom Red Crater, dem hoechsten Punkt des Tracks auf etwa 1900 Meter fuehrte der Weg steil hinab zu den tuerkis-gruen funkelnden Emerald Lakes. Der Trampelpfad bestand aus tiefem schwarzen Vulkankies und eigentlich musste man nur mit kleinen Schritten und indem man immer die Fersen in den Kies grub den Pfad hinunterspringen. Dabei rutschte man quasi kontrolliert den Hang hinunter. Leider verdarben einem die Fusskranken der Karawane ein wenig den Spass, weil die versuchten mit ihren hochprofessionellen Wanderstoecken ohne zu rutschen abzusteigen, was fast unmoeglich war. Auch an dem Emerald-Lakes strahlte die Sonne und der Blick in die Ebene, auf die Seen und den Red Crater erwiesen sich als der Hoehepunkt des Tracks.

Danach begann der lange Abstieg, der erst ueber schwarze Felsen, dann ueber alpine Vegetation und am Ende schliesslich durch einen tropischen Farnwald ins Tal fuehrte. Am Ende des Tracks angelangt, bot sich etwa das gleiche Bild wie am Anfang. Diesmal aber sassen oder lagen die mueden Wanderer ueberall im Gras oder auf dem Schotter des Parkplatz. Manche sahen dabei aus, als seinen sie einfach dort liegengeblieben, wo sie umgekippt waren. Wir hatten insgesamt 7 Stunden gebraucht und lagen damit sehr gut in der Zeit. Wir hatten uns reichlich Zeit gelassen und mehrere Pausen gemacht. Schliesslich wollten wir ja auch wandern und nicht rennen. Die Besteigung des Vulkans haetten wir allerdings zeitlich tatsaechlich nicht geschafft. Konditionell gesehen, waere es sicher auch sehr hart geworden, denn wir waren am Ende dann doch ganz schoen geschafft.

Ein wunderschoener Wanderweg mit spektakulaeren Ausblicken, aber man kann wirklich nicht empfehlen, ihn in der Hochsaison zu gehen. Ueber kurz oder lang wird die Nationalpark-Organisation den Zugang beschraenken muessen. Die Menschenmassen nehmen einem doch sehr viel von dem einmaligen Naturerlebnis.