Rinder-Mensch-Begegnung der seltsamen Art |
05. Februar 2004
Heute Nacht hatte ich so starke Allergie, dass ich nicht richtig schlafen konnte. Ich habe hier in Neuseeland ziemlich Probleme. Hat aber scheinbar nichts mit Pollen, sondern mit Hausstaub und Milben zu tun, denn ich habe es nur in unseren Motelzimmern und dort fast immer nur im Bett. Zu Hause kann man wenigstens die Bettwaesche regelmaessig kochen, hier kann man fast nichts dagegen tun.
Deshalb war ich heute den ganzen Tag auch etwas grummelig. Die Wettervorhersage fuer heute war so schlecht und die fuer morgen so gut, dass wir uns entschieden, heute den Abstecher zu den Waitomo-Hoehlen zu machen, und morgen dann den Tongariro-Crossing-Track in Angriff zu nehmen. Die Fahrt zu den Hoehlen zog sich, als sich die Strasse zwischen gruenen Huegeln einer gefaltet aussehenden Landschaft hindurchschlaengelte. Die Landschaft sah so aus wie ein Stueck zerknuelltes und dann wieder glatt gestrichenes Papier.
Bei den Hoehlen gerieten wir in einen massiven Touristenauftrieb. Die Hoehlen sind halt einfach zu beruehmt. Am beruehmtesten ist die Gluehwuermchenhoehle, die natuerlich auch wir uns anschauen wollten. Die Hoehele selbst ist eigentlich nicht besonders spektakulaer. Spektakulaer sind dagegen die Gluehwuermchen, die dort optimale Bedingungen vorfinden und deshalb ein einer Kammer eine Milchstrasse aus Sternen abbilden.
Nach einem Kaffee machten wir uns dann auf den Weg zum Tongariro-Nationalpark. Das ist ein Gebiet mit drei zum Teil vor nicht allzu langer Zeit aktiven Vulkanen. Der Tongariro-Crossing-Track wartet hier auf uns. Nur damit man weiss, was wir uns damit vorgenommen haben. Der Track ist 17 Kilometer lang, ueberwindet mindestens 1000 Hoehenmeter (insgesamt mehr, weil es mehrfach bergauf und bergab geht) und wir werden wahrscheinlich mehr als 8 Stunden brauchen. Dabei besteigen wir einen 2300 Meter hohen Vulkan, gehen ueber ehemalige Krater und an thermisch aktiven Quellen vorbei. Auf der gesamten Strecke gibt es weder Wasser noch zu Essen, das heisst, man muss alles selbst hochtragen. Das wird eindeutig die Kroenung des aktiven Teils unseres Neuseelandaufenthalts. Ich hoffe, wir ueberleben es, um der Nachwelt davon zu berichten.
Schon der Abend beschehrte uns eine schoenen Sonnenuntergang (mal wieder) und man konnte Schnee auf dem 2700 Meter hohen Mt. Ruapehu sehen. Auf einer Weide grasten schwarze Rinder, die neugierig zum Zaun getrabt kamen als wir naeher kamen. Nach kurzer Zeit stand uns eine ganze Horde Rinder erwartungsvoll gegenueber, als warteten sie darauf, dass ich mit dem Taktstock klopfen und das Zeichen zum Beginn geben wuerde. Sie musterten uns so eindringlich, dass wir nach einer Weile ganz froh waren, einen Zaun zwischen uns zu haben. Nein, wir hatten keine Heuballen unter dem Arm und nein, wir balancierten keinen vollen Futtertrog auf unseren Koepfen. Keine Ahnung, was die an uns so interessant fanden. Nach einer Weile verloren schliesslich einzelne das Interesse und wir trollten uns schliesslich auch wieder. Soviel zur Rinder-Mensch-Begegnung der seltsamen Art.