Der Marsch zur Vogelkolonie |
03. Februar 2004
Das Warten hat sich gelohnt. Heute Morgen wurden wir mit strahlend blauem Himmel dafuer belohnt. Wir hatten uns den Wecker auf 7:00 Uhr gestellt und sind dann schon um 8:00 Uhr aufgebrochen. Eine halbe Stunde spaeter gingen wir los.
Der "Weg" war eigentlich kein Weg, sondern es ging etwa 10 Kilometer unterhalb steiler Klippen auf einem Strand entlang. Zum Glueck war der Sand fest, so dass man gut gehen konnte. Unser Ziel war das Cape Kidnappers, an dem sich mehrere Kolonien von sogenannten Gannets befinden sollten. Gannets sind eine Art ueberdimensionale Moewen, nicht so gross wie ein Albatros, aber ziemlich gross.
Bei Sonnenschein sah zwar alles schoener aus, aber das Wandern erwies sich als aeusserst schweisstreibend. Nach einer Weile haette man am liebsten alle Klamotten von sich geworfen. Aber das war nicht ratsam, denn in kurzer Zeit haette man eine Verbrennung beliebigen Grades gehabt. Die Sonne kam schraeg von vorne und drueckte einem foermlich auf die Brust. Wahnsinn.
Nach drei Vierteln der Strecke erreichten wir die erste Gannet-Kolonie. Die Voegel hatten es sich auf mehreren hohen Felsbrocken gemuetlich gemacht, die irgendwan einmal von den Klippen abgebrochen sein mussten. Es war schon erstaunlich, wie nahe man an sie herangehen konnte. Genauso erstaunlich war der ausserordentlich strenge Geruch. Der Februar scheint die Zeit zu sein, in der die Gannets ihren Junge aufziehen und so sah man haufenweise tapsige und plueschig-zerzauste Riesenkueken.
Am Ende ging es noch einen steilen Pfad auf ein Plateu auf der Klippe hoch. Dort befand sich dann eine noch groessere Kolonie dieser Voegel. Statt in der Steilwand nisten diese Voegel auf der Klippe auf ebenem Boden. Scheinbar haben sie keine Feinde und wenn man sieht, wie sie starten und landen, dann weiss man, dass es besser so ist. Es sah schon ulkig aus, wie viel Muehe diese grossen Voegel hatten, sich in die Luft zu erheben. Manche starteten wie Paraglider von der Klippenkante aus. Das Landen ist scheinbar noch schwieriger. Wir konnten einige Male sehen, wie sie sich fast ueberschlugen und ein Vogel knallte so hart mit dem Kopf auf, dass er ihn betaeubt schuetteln musste, bevor er wieder auf die Beine kam. Seltsam bei Tieren eine solche Unbeholfenheit zu sehen. In der Luft dagegen sind die Gannets ebenso begnadete Segler wie die Albatrosse.
Der Rueckweg erwies sich dann als dehnbar wie Gummi. Am Ende stolperte ich nur noch den Auto entgegen und war voellig am Ende, als wir es endlich erreichten. Kirsten war zwar etwas fitter, aber ihr taten auch alle Knochen weh. Fast 5 Stunden relativ zuegigen Marschierens hinterlaesst eben doch seine Spuren. Vielleicht sollten wir uns das mit dem 7-stuendigen Tongariro-Crossing nochmal ueberlegen.
Nachdem wir uns in einem Cafe genug erholt hatten (Endlich gab es am Ende des Weges mal ein Cafe, das ist nicht halb so selbstverstaendlich wie man meint. Oft ist da nichts, wo bei uns eine ordentliche Wirtschaft waere. Hat hier irgendwie keine Tradition.), fuhren wir noch 150 Kilometer nach Taupo am gleichnamigen und groessten See Neuseelands.