Gekaemmte Waelder |
27. Januar 2004
Als wir heute Morgen losfuhren nieselte es heftig. In Nelson, der zweitgroessten Stadt auf der Suedinsel, angekommen, bummelten wir ausgiebig durch die Haupteinkaufsstrasse, schausten mal wieder Sushi und schluerften einen exquisiten Kaffee in einem Cafe.
Die Fahrt ging entlang der aeusserst verwinkelten Kueste weiter. Diese Gegend aus sich weit ins Landesinnere ziehenden Fjorde nennt sich Marlborough Sound. Eigentlich ist das ganz aehnlich wie unten in Fjordland, aber es gibt keine Berge, nur gruene Huegel. Der laengste dieser Fjorde ist 42 Kilometer lang, hat aber eine Kuestenlinie, die ueber 380 Kilometer lang ist. Das gibt einen ungefaehren Eindruck, wie sich die Strasse daran entlangschlaengeln musste. Es war so ziemlich die kurvigste Strasse, die wir je gefahren sind. Zusaetzlich ging es staendig steil bergab und bergauf.
Unterwegs fielen uns wieder die gekaemmten Waelder an den Haengen ins Auge. Hier werden Waelder von der Holzindustrie richtiggehend angebaut. Im Unterschied zu frueher laesst man keine kahlen Haenge zurueck, sonder forstet sie sorgsam wieder auf. Das mag zwar erstmal positiv klingen, wenn man aber dann die Waelder sieht, deren Baeume in regelmaessigen Reihen sich an den Haengen entlangziehen, dann sieht das einfach nur schrecklich kuenstlich aus. Es sieht aus, als sei jemand mit einem riesigen Kamm durch den Wald gefahren. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass sich in diesen klinisch reinen Monowaeldern Tiere besonders wohlfuehlen.
Ein andere Sache amuesiert uns immer wieder. Die Neuseelaender haben eine generelle Geschwindigkeitsbegrenzung von 100 km/h. Ausserhalb von Ortschaften wird diese Beschraenkung nur bei Strassenarbeiten unterschritten. Vor den schlimmsten Kurven stehen zwar Schilder mit Richtgeschwindigkeiten, die man tunlichst beachten sollte, aber ist die Strasse auch noch so kurvig, es sind immer 100 Stundenkilometer erlaubt. Und das wird nach Baustellen und Ortschaften auch ausgeschildert. Dieses Verfahren fuehrt aber immer wieder zu dem kuriosen Anblick, dass ein Schild mit der Aufschrift 100 direkt vor einer Kurve steht, die man nicht mal mit 60 durchfahren kann. Neuseelaendische Logik...
Und noch etwas: Die Strassen sind hier ja oft kurvig. Wenn wir aber nach heftigster Kurbelei ein Schild stehe sehen, das besagt, die naechsten 5 Kilometer seien kurvig, dann muessen wir nur noch lachen.
Die Wolkendecke riss zwischendurch immer mal wieder etwas auf, aber wirr waren froh, wenn die Sonne wieder verschwand, denn sie brannte einem das Fell weg und das Auto verwandelte sich in eine Sauna.
Schliesslich erreichten wir Picton, eine kleine Ortschaft am Ende des Queen-Charlotte-Sound, von der aus die Faehre nach Wellington auf der Nordinsel fahren wird. Picton erinnert uns wieder sehr stark an Alaska. Wie hier die Wolken in den gruenen Huegeln haengen, koennte es genausogut Sitka sein. Im Unterschied zu Alaska kann man hier aber einfach einen Wanderweg durch den Wald anlegen und muss nicht vor Baeren Angst haben. Wirklich, zwischendurch habe ich mich gefragt, warum wir hier soviel mehr wandern wie in Kanada oder Alaska. Die Antwort ist: Es gibt tatsaechlich viel mehr Wanderwege und einer der Gruende sind sicher die Baeren, durch deren Revier man nicht einfach so trampeln sollte. Wie schoen, dass Neuseeland davon verschont ist.
Der Abendspaziergang artete dann auch wieder in eine kleine Wanderung aus. Wir stiegen einen Huegel hoch, von dem wir den Hafen von Picton und den Fjord weit ueberblicken konnten. Uebermorgen werden wir gegen Abend hier rausfahren, und wenn das Wetter mitspielt, wird das die beste Tageszeit sein, an der man so etwas machen kann.