Goldene Straende |
26. Januar 2004
Moteuka ist eine richtige Hippie-Kommune. Uns ist ja schon vorher aufgefallen, dass die Neuseelaender genau wie die Australier gerne barfuss rumlaufen. Und zwar nicht nur am Strand sondern auch auf der Strasse, im Supermarkt oder im Cafe, was manchmal nicht so richtig appetitlich ist. Aber meine Fuesse sind es ja nicht, von denen ich dann abends den kohlschwarzen Strassenstaub abkratzen muss. Hier jedenfalls ist das verstaerkt zu sehen. Dazu traegt die Frau knitterige Roecke und gebatikte Bluse und der Mann T-Shirts mit grossen Loechern. Und wenn dann alle richtig frei sind, besteigen wir die Zeitmaschine und lassen uns zurueck in die 60er versetzten und tanzen nackt auf dem Woodstock-Konzert. Sorry, aber wir koennen das alles nicht so ganz ernst nehmen. Was dieses Getue allerdings mit sich bringt, sind viele kleine Laeden mit Kunsthandwerk und nette Cafes mit gesunden Sachen.
Wir sind heute Morgen 20 km bis an die Grenze des Abel-Tasman-Nationalparks gefahren. Dort soltel, so haben wir gelesen, besonders der Coastal-Track empfehlenswert sein. Also bestiegen wir mit 8 anderen Leuten eine Wassertaxi und liessen uns die Kueste entlangschippern. Das Wassertaxi erwies sich als eine Art Schnellboot und kam auf einem Traktoranhaenger auf den Parkplatz vor dem Kartenkiosk gefahren. Alle stiegen in das Boot, stuelpten sich Schwimmwesten ueber und los ging es zum Strand. Witziges Gefuehl, in einem Boot ueber die Strasse zu fahren. Der Traktor fuhr dann einfach ins seichte Wasser hinein, drehte, stiess noch ein paar Meter zurueck und schon hatte das Boot Wasser unter dem Kiel.
Wir machten einen kleinen Abstecher zum Split-Apple-Rock, einem runden Felsen, der in der Mitte auseinandergebrochen war und wirklich wie ein gespaltener Apfel aussah. Dann ging es in einem Wahnsinnstempo an der Kueste entlang. Die Kueste wird hier von hellgrauen Granitgestein gebildet, das sich huegelig ins Landesinnere fortsetzt. Die Felsen sind mit einer dichten, tropisch anmutenden Vegatation bedeckt. Zwischen den Ausbuchtungen befinden sich immer wieder kleinen Buchten mit Straenden. Der Sand, und das ist etwas ganz besonderes hier, hat eine wunderbar goldene Faerbung.
Die Sonne schien immer nur kurz durch Wolkenluecken oder duenne Wolkenschleier. Das tat zwar den Farben Abbruch, aber wir waren heilfroh darum, denn wenn die Sonne schien, brannte sie unertraeglich. Auch so schon herrschte ein unheimlich schwueles Klima. So wurden wir nicht nur durch die Vegetation, sondern auch von den Temperaturen an Hawaii erinnert. Was ist das nur fuer ein Land, das einen mal an Schottland, mal an Alaska und dann wieder an Hawaii erinnert?
Schon nach kurzer Zeit wurden wir an einem der goldenen Straende abgeladen. Da kein Steg da war, zogen wir Schuhe und Struempfe aus und wateten ans Ufer. Von dort aus liefen wir dann 3 1/2 Stunden an der Kueste entlang zurueck. Der Weg fuehrte auf langen Strecken eben am Hang entlang und wir kamen gut voran. Immer wieder boten sich schoene Ausblicke ueber die Kueste, kristallgruenes Wasser, die goldenen Straende und vorgelagerte Inseln. Auf etwa halber Strecke machten wir an einem goldenen Strand Halt und bestueckten unsere mitgenommenen Broetchen mit allerlei leckeren Sachen. Wir sind inzwischen professionelle Sandwich-Beleger. Kirsten, die Wasserfestere von uns beiden, traute sich sogar ins Wasser. Mir war's mal wieder zu kalt, die Fuesse reichten.
Zurueck am Ausgangspunkt waren wir wegen des Klimas dann reichlich geschafft. Abends sind wir noch nach Kaiteriteri gefahren, einer kleinen, schnuckeligen Feriensiedlung etwas noerdlich von hier mit einem wunderschoenen Strand in einer malerischen Bucht. Dort machten wir unseren beliebten abendlichen Strandspaziergang und stellten mal wieder fest, dass es drei Dinge gibt: der Wind, der Sand und das Wasser. Das sind so Erkenntnisse, die einem nach mehr als 9 Monaten Weltreise kommen... :-)