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Wolkenzauberei

22. Januar 2004

Der Morgen empfing uns mit strahlendem Sonnenschein. Genaugenommen war keine einzige Wolke am Himmel. Beste Bedingungen also, unsere Fahrt an die Westkueste fortzusetzen. Wir fuhren an Wanaka vorbei und immer am Lake Hawea entlang. Als wir uns der Bergkette naeherten, die Westkueste vom Rest der Insel abschirmt, kamen immer wieder schneebedeckte Berge in Sicht. Schliesslich ueberquerten wir den Haast Pass und fuhren immer bergab bis an das Meer. Die Berge enden kurz davor voellig abrupt und gehen in eine schmale Ebene ueber. Auf der weiteren Fahrt Richtung Norden hatten wir dann einige schoene Ausblicke ueber die Kueste.

In der Ortschaft Fox Glacier in der Naehe des gleichnamigen Glaciers, hatten wir dann wieder das Problem bei der Unterkunftssuche. Alle preiswerten Optionen waren natuerlich schon weg und so mussten wir ein relativ teures Zimmer nehmen. Deshalb werden wir auch nur eine Nacht hier bleiben.

Das Wetter zeigte sich zwar weiterhin von seiner sonnigsten Seite, in den Bergen hingen jedoch hartnaeckige Wolken. Wir entschlossen uns trotzdem, gleich zum Gletscher zu laufen. Hier ist es schon sensationell, wenn es mal nicht regnet, da sollten einen die paar Wolken nicht stoeren. Ansonsten schien ja die Sonne.

Der Gletscher tauchte dann auf halber Hoehe den Berg hinauf aus den Wolken auf und schwang sich elegant ein einges Tal herunter. Wir haben jetzt ja nun schon einige Gletscher gesehen und waren nicht ganz so beeindruckt. Man kam auch nicht ganz so nahe an das Eis ran. Wir machten noch einen zweiten kleinen Spaziergang ueber eine Haengebruecke auf die andere Talseite und da hatten wir dann ploetzlich einen Blick auf eine ueber dem Gletscher liegenden Schneespitze. Die Wolken waren offensichtlich doch nicht so undurchdringlich wie sie schienen.

Danach machten wir uns erstmal etwas zu Essen. Bratkartoffel. Lecker! Da die Wolken offensichtlich in Aufloesung begriffen waren, fuhren wir zum Lake Matheson. Der See soll beruehmt dafuer sein, dass sich die Berge besonders am Morgen darin spiegeln. Schon vom Parkplatz aus brachen wir in entzueckte Laute aus, denn die Wolken hatten sich tatsaechlich verzogen und legten eine wunderschoene Kette weisser Gipfel frei. Wir konnten wieder den 3700 Meter hohen Mt.Cook bewundern, diesmal von der anderen Seite aus. Auf dem Weg um den See kamen wir dann an mehreren Spots vorbei, die das Fotografenherz erfreuen. Zwar spiegelte der See nicht besonders, weil die Oberflaeche zu unruhig war, aber auch so war das Panorama einfach umwerfend.

Beim letzten Aussichtspunkt waren die Berge wieder zugezogen und als wir wieder am Parkplatz angekommen waren, war nichts mehr von ihnen auszumachen. Wir fuhren trotzdem noch etwas weiter zu einem anderen Lookout, von dem aus man auch den Gletscher sehen sollte. Auf der Fahrt dorthin, begannen sich die Wolken wieder aufzuloesen. Es war wie verhext. Wenn man hinschaute, bewegte sich fast nichts und trotzdem aenderte sich das Bild in Minutenschnelle. Als wir dort ankamen, waren die Wolken verschwunden, als haette es sie nie gegeben, und wir hatten nochmal das gesamte Panorama vor uns. Wir konnten unser Glueck kaum fassen. Solche Tage sind hier wirklich extrem selten, und dass die Wolken immer dann wegzogen, wenn es uns besonders gut passte, grenzte an Zauberei.