Stadt der schlechten Haarschnitte |
20. Januar 2004
Nach dem Fruehstueck machten wir es uns erstmal mit unseren Buechern auf der Couch bequem, denn es regnete in Stroemen. Als nach einer Weile kein Ende abzusehen waren, fuhren wir dann doch in die Innenstadt, um uns Dunedin mal anzusehen. Wenn ein Deutscher von Dunedin spricht, versteht ihn hier kein Mensch. Der Name wird naemlich Danieden ausgesprochen mit der Betonung auf dem "ie".
Danieden wird mir als die Stadt in Erinnerung bleiben, in der mir die unfreundlichste Friseurin aller Zeiten den schlechtesten Haarschnitt meines Lebens verpasst hat. Wirklich, es war unfassbar, wie schlecht gelaunt diese Frau war. Ich finde ja sowieso Aussagen wie "Die Neuseelaender/Australier/Kanadier/Marsianer/... sind ja sooooo nett!" voellig nichtssagend. Natuerlich gibt es nette Neuseelaender und wir haben auch schon viele getroffen. Selbst in Deutschland gibt es Verkaeufer, die freundlich und hilfsbereit sind (Doch, wirklich!). Aber es gibt auch total muffige Typen wie ueberall auf der Welt. Das einzig postitive an den Haarschnitt war, dass es schnell vorueber war - schweigend, nach einem vergeblichen Kommunikationsversuch von meiner Seite. Vielleicht kann man es ja mit etwas Gel wieder richten. Wir sind ja auch nicht hier, um gut auszusehen. Der Lonely Planet entschuldigt sich in seiner neuesten Ausgabe auch fuer eine Aussage ueber Invercargill. Da hatten sie naemlich geschrieben, die Stadt sei ganz furchtbar und die Leute liefen alle mit schlechten Haarschnitten herum. Vielleicht sind die Friseure ja jetzt alle nach Dunedin umgezogen, denn wenn man sich so umschaute...
Dunedin ist ansonste ganz nett mit vielen alten Gebaeuden und einem interessant aufgebautem Stadtzentrum, das in Form zweier verschachtelter Achtecke aufgebaut ist, dem Octagon.
Als das Wetter am Nachmittag etwas besser wurde, fuhren wir auf die Otago-Halbinsel hinaus. Eine Strasse fuehrte direkt am Wasser durch niedliche Siedlungen bis zu einem Leuchtturm. Dort war allerdings die Klippe abgesperrt und um die dort bruetenden Albatrosse zu sehen, sollte man eine Tour mitmachen. Wir konnten diese riesigen Voegel aber auch aus der Ferne durch die Luft gleiten sehen. Sehr eindrucksvoll.
Dann fuhren wir auf die andere Seite der Halbinsel und machten noch einen kleinen Spaziergang zu zwei interessanten Kuestenformationen an den dortigen Klippen. Die Halbinsel ist total huegelig und so fuhren wir auf Schotterstrasse gewagte Steigungen hinauf und bedrohliche Gefaelle hinab. Zu den Klippen ging es durch einen dunklen Wald, durch den der Weg wie ein Tunnel fuehrte. Zu beiden Seiten standen knorrige Baeume. Sollte "Der kleine Hobbit" auch noch verfilm werden, kann der Regisseur schon mal diesen Wald als Duesterwald notieren. Danach wanderten wir ueber saftig gruene Wiesen, auf denen Schafe grasten. Wir versuchten zwar sie nicht zu erschrecken, aber Schafe sind ja so dumm. Manchmal hoerte uns eines nicht kommen und sprang dann wie wild davon, wenn sie uns endlich bemerkten. Die Sonne stand schon ziemlich tief und das Licht, ah dieses Licht, war einfach wunderbar. Auch diesen Landstrich kann man 1:1 nach Schottland versetzen. Gruene Huegel ueberall und eine wild kurvende Kuestenlinie mit unzaehligen Buchten und Inlets. Das Meer gleiste in Richtung der Sonne und liess von der Kueste nur noch einen Schattenriss erkennen. Absolut herrlich.