Morgenfrische und eine Kletterpartie |
17. Januar 2004
Immer wenn man denkt, es koennte nicht mehr besser kommen...
Als wir heute um 7:00 Uhr vom Wecker geweckt wurden, herrschte strahlender Sonnenschein. Wir fuhren wieder Richtung Milford-Sound los. Der Himmel aenderte auch auf dem Weg nicht seine aeusserst blaue Farbe. Die Ausblicke auf schneebedeckte Berge und gruene Taeler sind einfach nicht mit Worten vermittelbar. Das Morgenlicht gab allem eine ungeheure Frische, so als sei es erst eben entstanden. Jemand hat diese Gegend als "Amazonas auf den Himalaya versetzt" beschrieben. Das ist zwar uebertrieben, aber enthaelt dennoch ein ungefaehres Bild dessen, was man hier sieht. Da wir genuegend Zeit bis zur Abfahrt unseres Schiffes hatten, konnten wir uns Zeit lassen und hielten oft an und staunten.
Ein bisschen nervig waren die anderen Autofahrer. Hier gurken Leute rum, die offensichtlich keinerlei Gefuehl fuer ihr Fahrzeug haben. Wir sind wahrlich keine Raser, aber hinter jemand herzufahren, der staendig auf der Bremse stehend mit 15 Stundenkilometern durch den 1,2 Kilometer langen Tunnel kurz vor dem Sound tuckert, ueberstrapazierte unsere Geduld dann doch ein wenig.
Wir kamen trotz der Zuckler ziemlich puenktlich im Milford Sound an und gingen zu unserem Schiff. Es war zwar neu, aber in einem Stil aelterer Modelle gehalten und hatte sogar zwei ausrollbare Segel. Unglaublicherweise war der Himmel immer noch strahlend blau. Das ist hier so ungewoehnlich, dass unser Reisefuehrer behauptet Milford sei ein Synonym fuer Regen. Ein Sechser im Lotto ist zwar unwahrscheinlicher, aber bestimmt nicht viel. Das Panorama des Milford Sound wird von dem spitzen Mitre Peak beherrscht und wir haben es auf so vielen Postkarten gesehen, dass es schon unwirklich wirkt. Der Peak selbst ist nur 1600 Meter hoch, aber das sind eben 1600 Meter vom Meeresspiegel, auf dem wir schipperten, und auf diese Weise wirken die Berge hier viel hoeher. In den Alpen bekommt man nicht unbedingt hoehere Felswaende zu sehen, weil die Ebene, auf der die Berge stehen schon ziemlich hoch ist. Ein anderer Grund ist das Klima, das einen 2000 Meter hohen Berg hier wie einen Achttausender im Himalaya aussehen laesst. Wo sonst haengen dicke Gletscher an solchen Bergen? Ok, in Alaska. Auch das ist ein Grund dafuer, dass wir uns hier so oft an Alaska erinnert fuehlen.
Der Ausflug durch den Fjord dauerte dann 2 1/2 Stunden. Wir fuhren raus bis auf die Tasman Sea zwischen Neuseeland und Australien. Dabei bekamen wir wieder mal die volle Packung: hohe Wasserfaelle, mal tosend, mal plaetschernd; steile Felsueberhaenge; Seerobben, faul auf den Felsen rumliegend; mehr schneebedeckte Berge und Gletscher; Delphine, einmal im Fjord mit den Kajakern Verstecken spielend, einmal auf dem offenen Meer im Kielwasser surfend und Salti schlagend (wirklich!); und vieles mehr. Ich knipste mir einen Wolf. Interessanterweise lassen sich mit meiner neuen Digi auch kurze Filmaufnahmen machen, was bei den Wasserfaellen ganz gut kommt.
Die Kamera und die Koepfe voll mit Bildern setzten wir uns nach der Ankunft erstmal eine Weile hin und nahmen das Panorama in uns auf. Dann fuhren wir ein Stueck zurueck und machten uns auf eine Wanderung zum Lake Marian, den wir gestern vom Key Summit aus in einem Bergkessel hatten liegen sehen. Bei der Wanderung ist uns dann ein Missgeschick passiert, ueber das wir jetzt noch die Koepfe schuetteln: Wir haben auf halber Strecke einen Abzweig verpasst und uns total verstiegen. Das Zeichen war so offensichtlich angebracht, dass wir es hinterher kaum fassen konnten. Als Entschuldigung laesst sich nur anbringen, dass wir erschoepft waren und darauf achten mussten, wohin wir die Fuesse setzten, weil der Pfad durchaus anspruchsvoll und teilweise matschig und rutschig war. Den Kopf gesenkt, kann einem so manche Markierung am Baum entgehen. Ausserdem vermissten wir nach einiger Zeit zwar diese Markierungen, sahen aber immer wieder Spuren anderer Wanderer, die sich offensichtlich nur ebenso verstiegen hatten wie wir. Der "Weg", der einem trockenen, steilen Bachlauf folgte artete zwar streckenweise in eine Kletterpartie aus, aber die schwierigen Stellen waren immer noch gerade so zu ueberwinden. Ausserdem hatte es weiter unten auf dem richtigen Pfad auch schon aehnliche Huerden gegeben. Nachdem wir eine dreiviertel Stunde diesem Bachlauf gefolgt waren, kamen wir zu einer Felsstufe, die uns in schwere Zweifel stuerzte. Eigentlich haetten wir sofort umkehren muessen. Dann aber fanden wir einen Weg um die Felsstufe herum und steigen noch ein wenig hoeher. Kirsten meinte nach kurzer Zeit, dass das alles nicht mit rechten Dingen zugehen koennte. Auch ich hatte das Gefuehl, dass wir schon viel zu hoch waeren, aber man konnte im dichten Wald nichts sehen. Ich stieg noch hundert Meter weiter, bis ich wieder vor einer Felsstufe stand und endgueltig aufgab. Beim Umdrehen loeste sich ein Felsbrocken und kollerte ein paar Meter. Kirsten dachte schon, ich sei abgestuerzt. Diese Schrecksekunde reichte uns dann ganz gewaltig. Frustriert, muede und mit viel Muehe stiegen wir wieder ab. Am verpassten Abzweig schuettelten wir nur die Koepfe und waren viel zu geschlaucht, um diesen Weg bis zum See zu folgen. Damit haben wir uns selbst um ein Picknick am Gebirgssee gebracht. Aber es war nun nicht mehr zu aendern.
Die Rueckfahrt war nach dieser Anstrengung sehr lang, aber wir waren froh, dieses Abenteuer heil ueberstanden zu haben.