Fehlende Worte |
16. Januar 2004
Das Fruehstueck war wieder ausgezeichnet. Wahrscheinlich war es nett gedacht, dass es nur einen grossen Fruehstueckstisch gab und wir haetten uns mit anderen Gaesten dort verbruedern sollen im Stil von Wir-sind-alle-eine-grosse-Familie, aber dazu hatten wir heute Morgen wirklich keine Lust. Bei aller Hochachtung vor englischer Small-Talk-Kunst, beim Fruehstueck sind wir dafuer einfach viel zu unlocker.
Unser Ziel heute war Te Anau am Rande des Fjordland-Nationalparks. Die Fahrt dorthin war, man muss schon sagen gewohnt, abwechslungsreich. Kurz vor Te Anau konnte man die Berge von Fjordland sehen, in denen dunkle Wolken hingen. Aber das schreckte uns nicht, denn das ist in Fjordland mehr als normal, denn dort regnet es auf der Westseite der Berge so viel wie sonst fast nirgendwo auf der Welt.
Te Anau liegt an einem gleichnamigen See (Welche Stadt Neuseelands liegt eigentlich nicht an einem See?), der sich schmal von Nord nach Sued erstreckt. Auf der anderen Seite des Wassers ragen die oben angesprochenen Gebirgskette auf, in die der See lange Fjorde schneidet, wie das Meer auf der anderen Seite auch. Wir fanden ueberrschend schnell eine Unterkunft. Dann versuchten wir uns in der Visitors-Information darueber schlau zu werden, wann wir zu dem beruehmten Milford-Sound fahren sollten und was wir dort machen sollten. Die gefuehrten Kajak-Touren waren leider fuer morgen schon alle ausgebucht. Morgen sollte das Wetter schoen sein. Uebermorgen waere wahrscheinlich noch Platz gewesen, aber die Wettervorhersage war furchtbar schlecht. Was tun? Wir entschieden uns fuer die zweitbeste Moeglichkeit den Fjord zu erkunden: Eine Rundfahrt mit einem Ausflugsschiff. Dabei faellt zwar die unmittelbare Naehe weg, die man beim Kajak fahren hat, dafuer bekommt man aber wesentlich mehr vom Fjord zu sehen. So wie es aussieht werden wir bis raus auf das offene Meer fahren.
Weil es noch frueh am Tag war, entschlossen wir uns, schon einmal in Richtung Milford-Sound zu fahren, der ist 120 Kilometer von Te Anau entfernt. Die ganze Strecke wollten wir zwar nicht zuruecklegen, waren am Ende aber bei fast 2/3 angelangt. An dieser Stelle fuehrte ein Wanderweg zum Key Summit. Die erste Haelfte legten wir auf dem beruehmten Routeburn Track zurueck. Hier gibt es eine ganze Reihe von Tracks, die mehrere Tage quer durch die Wildniss von Huette zu Huette fuehren. Sie sind so beruehmt und so beliebt, dass man eine Art Buchungssystem eingefuehrt hat. Eine Reservierung zu bekommen, soll gar nicht so einfach sein. Das gilt wahrscheinlich fuer dieses Jahr ganz besonders. Einerseits schuetzt man so die Natur vor dem wandertechnischen Overkill, andererseits muss man am Tag seiner Reservierung losgehen, wie schlecht das Wetter auch sei. Ich stelle mir das nicht so toll vor, aber vielleicht sind die Tracks wirklich so exorbitant schoen, dass man dafuer Einiges in Kauf nimmt. Immer wieder kamen uns Wander mit dicken Rucksaecken entgegen, und die sahen eigentlich ganz gluecklich aus. Etwas weiter oben, konnten wir das auch ohne grosse Schwierigkeiten nachvollziehen.
Der untere Teil des Wegen fuehrte durch Regenwald. Die Baeume waren dick mit Moos bewachsen und der Hang neben dem Wanderweg war ebenfalls bemoost und so aus, als haette jemand eine gruenen Teppich ausgerollt. Nach einer Stunde waren wir ueber der Baumgrenze und die Vegetation wurde alpin. Dort taten sich dann Blicke auf, die uns wieder einmal ueberwaeltigten. Wir haben jetzt wirklich viel gesehen, aber das war der Hammer. Ueberall um uns herum spitze Gipfel teilweise schneebedeckt und teilweise in Wolken, ein langestrecktes Tal mit einer Berkette, die in blauer Ferne im Dunst verschwimmt, ein riesiger Bergsee gegenueber in einem Talkessel, und so weiter und so fort. Immer wenn man denkt, es koenne nicht noch schoener werden, haut einen so ein Naturschauspiel um. Mir fehlen die Worte...