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Wasserfaelle

13. Januar 2004

Nach einem Tag Pause war heute wieder Wandern angesagt. Zuerst sind wir in die Visitors-Information gegangen, um uns ueber die verschiedenen Moeglichkeiten zu informieren. Wir entschieden uns fuer den 3-4-stuendigen Rob-Roy-Track, dessen Beschreibung am vielversprechendsten klang. Leider mussten wir dazu ziemlich weit bis in den Mt. Aspiring-Nationalpark fahren.

Die ersten 20 Kilometer fuehrten am See entlang. Die Strasse kurvte um die verzweigten Arme des Sees herum, dass uns fast schwindlig wurde. An einer Stelle kamen wir an einem total ueberfuellten Campingplatz vorbei. Der lag zwar direkt am Seeufer, aber die Zelte standen so dicht, dass es eher nach einem Fluechtlingslager aussah. Statt dem Nachbar in den Garten, schaut man hier dem Nachbar direkt ins Zelt. Wir gratulierten uns wieder einmal zu der Entscheidung, das Zelt zurueckzulassen.

Die restlichen 30 Kilometer waren Schotterstrasse und zogen sich ziemlich. Allerdings fuehrte die Strasse mitten in ein weites Bergtal hinein, immer an einem Fluss entlang und belohnte unsere Geduld. Nachdem wir einige kleinere Baeche durchfahren und es geschafft hatten, keine der Kuehe zu ueberfahren, die auf einem Teil der Strecke an der Strasse antlangpilgerten, erreichten wir endlich den Parkplatz. Der Himmel war bewoelkt, aber wir hatten gehoert, dass es im Laufe des Tages aufklaren sollte.

Dort war schon einiges los, aber wir liessen uns diesmal nicht stoeren. Der Weg fuehrte zunaechst ueber sanft ansteigende Wiesen. Dann ging es ueber eine schwankende Haengebruecke und in den Wald hinein. Im Wald fuehrte der Pfad dann einen steilen Hang hinauf und in ein enges Seitental hinein. Bald schon konnten wir weit oben weisse Scheefelder am Ende des Tals leuchten sehen. Wir waren einigermassen fit und so erreichten wir nach 1 1/2 Stunden das Ende des Weges. Und da blieb einem dann die Spucke weg.

Auf dem letzten Stueck hatte sich der Pfad ueber die Baumgrenze geschwungen und der Blick oeffnete sich auf ein schier atemberaubendes Panorama. Ein schiefergrauer Gebirgszug schloss das Tal ab. Im unteren Bereich war der Fels noch mit allerlei Gruenzeug bewachsen. Weiter oben war es dann nur noch nackter Fels, noch weiter oben (Ja, man konnte sich den Hals verrenken.) leuchteten uns krumpelige Gletscher und weisse Schneefelder entgegen und ganz oben (Den Kopf jetzt bitte ganz in den Nacken legen.) schneeweisse Gipfel in blauem Himmel. Ahhh, Wahnsinn! Aber halt, es kommt noch etwas. Als besonderes Bonbon schoss ueber eine Felskante linker Hand ein Wasserstrahl, der anschliessend kerzengerade mindestens 100 Meter nach unten taumelte, und am Ende nur noch als Gischt am Fuss der Felswand auftraf. Das liess ein misstrauisch werden. Sollte das Ganze doch nur eine Filmkulisse sein? Aber nein, so viele Wasserfaelle kann kein Computer simulieren. Unter den Gletschern schoss das Wasser nur so hervor. Ganze Abschnitte des Felsens darunter reflektierten feucht das Sonnenlicht. Das Wasser sammelte sich zu wild tosenden Faellen, verzeigte sich dann wieder, um neue Wasserfaelle zu formen. Man konnte sie wirklich nicht zaehlen. Dann ploetzlich ein Krachen und wir sehen gerade noch wie ein Teil eines ueberhaengenden Gletschers abbricht und auf die Felsen darunter knallt. Wir hatten uns sowieso schon gewundert, wie das ganze Eis an den steilen Felsen haelt. Es haelt eben nicht, sondern bricht immer mal ab. Zu Schnee zermahlen geht eine kleine Lawine ab, die aber bald gestoppt wird. Sicher war es ein Riesenstueck, aber bei dem Massstab hier schrumpft es zu einem Lawinchen.

Auf den Felsen um uns herum hatten es sich viele Wanderer niedergelassen. Zwischen den Leuten huepften freche Keas, eine Papageienart, herum. Ihr Gefieder war ganz gruen, offenbarte aber rote Farbflecken, wenn sie flogen. Wir fuetterten sie nicht, aber die Voegel waren offensichtlich Menschen gewoehnt und liessen sich kaum verscheuchen.

Schweren Herzens machten wir uns nach einer ganzen Weile auf den Rueckweg. Der Nacken tat einem weh nach so viel Nach-oben-starren.

Auf der Rueckfahrt schien uns der Fluss dann so verlockend, dass wir anhielten und die Fuesse ins Wasser streckten. Die Sonne brannte mittlerweile unertraeglich und wir hatten die Klimaanlage im Auto angeworfen. Das Wasser war so kalt, dass einem die Fuesse wehtaten. Kirsten, die Wasserfestere von uns beiden, traute sich dann sogar ganz kurz ganz ins Wasser! Damit hatte ich eine Wette verloren, denn dass sie so wasserfest ist, haette ich dann doch nicht gedacht.

Zurueck in Wanaka mussten wir uns erstmal etwas kochen. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Ausruhen. das hatten wir uns auch verdient. Der Januar wir tatsaechlich zum Monat des Wanderns erklaert. Aber es waere auch einfach dumm, wenn man das bei dieser Natur hier nicht ausnutzen wuerde.