Wolkenschatten jagen |
09. Januar 2004
Oh, Du schoenes Neuseeland! Koennte es die/der werte Leser(in) hoeren, wuerden wir jetzt schon Lobeshymnen singen.
Dabei fing der Tag nicht gerade vielversprechend an. Die ganze Nacht durch hatte es gestuermt und geregnet. Ich musste mir irgendwann Stoepsel in die Ohren machen, weil man bei den Sturmboen staendig Angst haben musste, das Haus fliege gleich davon. An Schlaf war nur in einer sehr unruhigen Version zu denken. Am Morgen schliefen wir dann allerdings bis 9:00 Uhr, was fuer unsere Verhaeltnisse sehr lange ist, weil es nicht richtig hell wurde. Aus dem Fenster schauend stellten wir fest, dass es immer noch goss wie in Stroemen. Wolkenfetzen wehten durch das enge Tal. Dadurch sah der Regen irgendwie unecht aus. Wie im Film schien er voellig unregelmaessig zu fallen. Der kleine Bach nicht weit entfernt war zu einem reissenden Fluss angewachsen und aus den gegenueberliegenden Berghaengen schossen Wasserfaelle, wo gestern noch nichts gewesen war.
Wir hatten uns schon gestern ueberlegt, ob wir nicht umkehren und erst nach Sueden fahren sollten. Dem Wetterbericht zufolge, sollte es heute auf der Westseite einfach nur giessen wie aus Eimern. Dabei muss man wissen, dass das in Neuseeland nichts ungewoehnliches ist. Auf der Westseite der Suedinsel faellt im Schnitt etwa 20 mal mehr Regen als auf der Ostseite. Das Wetter kommt gewoehnlich ueber die Tasman Sea und wird von den Southern Alps, die sich von Nord nach Sued wie eine Barriere erstrecken, aufgehalten. Dort regnen die Wolken sich eben dann ab. Beim Fruehstueck erfuhren wir, dass der weitere Verlauf der Strasse auf die Westseite wegen Ueberschwemmungen gesperrt sei. Damit wurde uns diese Entscheidung abgenommen.
Auf der Rueckfahrt waren wir dann relativ schnell aus dem Schlimmsten heraus. Auf der Strasse hatten sich auch hier streckenweise kleine Seen gebildet und wir hielten bei der Durchfahrt die Luft an. Beeindruckend welche Wassermassen der Fluss jetzt ins Tal transportierte. Bruecken, die gestern noch zum Grossteil ueber trockene Flusbetten fuehrten waren jetzt gerade hoch genug. Die Sonne spielte mit den Wolken Verstecken und es nieselte mal staerker mal schwaecher. Die Wolken zogen sehr schnell, so dass ihre Schatten ueber die Berghaenge huschten und man den Eindruck hatte, die Berge selbst wuerden sich bewegen. Einige Male fuhren wir Wolkenschatten hinterher, die genauso schnell waren wie wir. Einmal haetten wir vor lauter Jagdeifer fast eine Kurve verpasst.
Wegen den tollen Ausblicken wurde uns die Rueckfahrt von etwa 85 Kilometern nicht eine Sekunde langweilig. In der Ebene angekommen, die sich bis Christchurch erstreckt, bogen wir nach Sueden ab und fuhren bei nun strahlend blauem Himmel durch lieblich gruene, mal flache, mal huegelige Landschaft, die Bergkette der Southern Alps immer zu unserer Rechten. In Geraldine machten wir Rast und goennten uns eine Suppe. In Fairie waeren wir fast geblieben, weil wir uns schon wieder bedrohlich schlechtem Wetter naeherten. Dann aber fuhren wir doch noch die letzten 40 Kilometer nach Lake Tekapo und das sollte sich lohnen.
Lake Tekapo ist eine kleine Siedlung an der Suedspitze des gleichnamigen Sees. Dieser See hat eine ganz betoerend tuerkise Farbe und ist auf allen Seiten von Bergen umgeben, auf denen teilweise Schneefelder zu sehen sind. Als wir ankamen draeuten diese Gipfel aber hinter duesteren Wolken und man sah nur ihre dunklen Umrisse. In Lake Tekapo schien jedoch die Sonne, wenn auch ein eisiger Wind wehte. Mit etwas Glueck fanden wir ein kleines Cottage mit Kochgelegenheit, und beschlossen gleich zwei Tage zu bleiben. Zwar koennen wir nicht direkt auf den See schauen, aber wir befinden uns in einem nett angelegten Garten eines groesseren Wohnhauses und koennen die Berge sehen.
Nachdem wir unser Auto ausgeraeumt hatten, machten wir uns gleich auf zu einem Rundweg, der schoene Ausblicke auf den See und die Berge versprach. Diese Landschaft ist so schoen, da kann man gar nichts anderes wollen als einfach mitten hinein loslaufen. Nach zwei Stunden kamen wir gluecklich und voll mit traumhaften Bildern (im Kopf und in der Kamera) zurueck. Es ist so schoen hier, dass es wehtut. Diese Gegend kommt einem fast unwirklich vor, so als sei es tatsaechlich nur eine Kulisse fuer einen Film. Schwer zu glauben, dass es das wirklich gibt und nicht nur im "Herr der Ringe". Aber soweit wir uns erinnern koennen, kam diese Landschaft im Film gar nicht vor. Aber wenn ein See eine Rolle gespielt haette, dann haette der Regisseur sicher diesen Platz ausgewaehlt.