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Professionelle Picknick-Spezialisten

03. Januar 2004

Nachdem sich auch am Morgen niemand fuer das Auto gemeldet hatte, sind wir wieder zu Ronald und Judith gefahren. Vielleicht sollte ich an dieser Stelle erklaeren, wie ich eigentlich mit Ronald verwandt bin. Da er der Cousin meiner Mutter ist, muss er wohl mein Grosscousin sein, falls es so etwas gibt. Vielleicht auch ein Cousin 2. Grades? Keine Ahnung. Auf jeden Fall ist er vor ueber 20 Jahren nach Australien ausgewandert und lebt seitdem in Frankston, was gerade noch zu Melbourne gehoert.

Oliver, der alte Hund, empfing uns ganz begeistert und wir mussten gleich den Tennisball fuehr ihn durch den Garten werfen. Da er fast nichts mehr sieht, ist es allerdings besser, ihn mit dem Fuss wegzuschiessen. Wenn er dann ueber das Gras raschelt, hat Oliver eine echte Chance, ihn noch im Rollen zu fangen. Ansonsten schaut er sich etwas ratlos um und faengt dann an, systematisch den Garten zu durchsuchen. Letzten Endes findet er ihn immer, es dauert dann nur etwas laenger.

Wir hatten einen koestlichen Lunch im Garten und danach hatte ich wieder Gelegenheit, auf dem Klavier von Judiths Grossvater rumzuklimpern. Bald darauf fuhren wir zu einer Art Galerie im Freien. In einem Park hatten Kuenstler verschiedenen Skulpturen oder sonstige Installation aufgebaut. Wir wanderten von einer zur anderen und versuchten uns ein Bild zu machen. Einige Sachen machten sich wirklich interessant in dieser Umgebung, andere waren ziemlich nichtssagend. Fast alle liessen einen etwas ahnungslos zurueck, wie das bei moderner Kunst leider so oft der Fall ist.

Wieder zu Hause, packten Ronald und Judith ein professionelles Picknick zusammen und es ging zu einem Jazz-Konzert unter freiem Himmel. Wir stellten unser Auto auf einem provisorischen Parkplatz ab. Von der Buehne schallte uns schon entspannt klingende Jazzmusik entgegen. Vor der Buehen offenbarte sich dann die ganze Leidenschaft der Australier fuer das Picknick. Die meisten Leute hatten Stuehle, viele sogar Tische mitgebracht. Ein ganzer Wald von Kuehltruhen stand dazwischen, darauf Sektglaeser, Sandwichs oder andere Koestlichkeiten. Wir fanden noch ein Plaetzchen und es stellte sich schnell heraus, dass auch Ronald und Judith mit dem Inhalt der Kuehltruhe nicht hinter dem Berg halten mussten. Es gab Cracker mit delizioesem Dip und selbstgedrehte Reispapierrollen, Bretzeln(!) dazu Wein und Bier. Lecker! Wir schmausten, wippten dabei mit den Fussspitzen und liessen uns von der entspannten Atmosphaere gerne anstecken. Bei Einbruch der Dunkelheit war Schluss und eine Karawane von Autos setzte sich in Bewegung. Muede fielen wir in die Betten nach diesem ereignisreichen Tag.