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Massenparade

23. Dezember 2003

Heute Morgen sind wir nochmal ein Stueck am 90-Mile-Beach entlanggelaufen. Der Wind war zwar immer noch stark, aber nicht mehr ganz so kalt. Wind hat jedenfalls den angenehmen Nebeneffekt, dass er die Fliegen vertreibt und darueber ist man immer dankbar.

Die Fahrt nach Phillip Island fuherte dann durch wunderschoene, huegelige, gruene Farmlandschaft. An einigen Stellen bildeten die Felder richtige Schachbrettmuster. Zur eigentlichen Insel geht es ueber eine hohe Bruecke. An dieser Stelle hatten wir schon wieder 300 Kilometer zurueckgelegt und es reichte uns. Noch 100 Kilometer nach Melbourne und dann sind wir froh, das Auto auch mal wieder stehen lassen zu koennen.

Auf Phillip Island ist die Penguin-Parade die absolute Hauptattraktion. An einem bestimmten Strand kommen jeden Abend die Pinguine aus dem Wasser und watscheln den Strand hoch - zwischen zahlreichen Besuchern hindurch. Genaugenommen sind es so viele Besucher, dass uns die Frau an der Rezeption empfohlen hat, schon etwas frueher dort einzutreffen. Besonders bei Asiaten ist diese Attraktion beruehmt, und die werden ja immer in Busladungen angekarrt. Die Frau meinte dann noch, sie koennten etwas "pushy" sein, was eine nette Umschreibung von etwas ist, was uns auch schon aufgefallen ist. Vielleicht ein Vorurteil, aber Asiaten haben den Hang dazu, sich in fuer uns unverschaemter Weise in Menschenmengen Platz zu verschaffen. Wir wissen es seit Vietnam besser. Es ist nicht unhoeflich gemeint, sondern ganz normal, dem andern nicht den Vortritt zu lassen. Vielleicht bei den Menschenmassen, die in diesen Laendern herschen, die einzige Moeglichkeit ueberhaupt zum Zuge zu kommen. Wir werden die Ellenbogen einsetzen muessen.

Vor den Pinguins schauen wir uns noch die Nobbies an, eine Reihe von Felsinseln am aeussersten Westzipfel der Insel. Schon dort ware wieder die Asiaten unterwegs und knipsten sich gegenseitig. Wir wollten gerade eines unserer beliebten aus der freien Hand geschossenen Selbstbildnisse machen, als eine Asiatin auf uns zugeschossen kam und sich anbot, das Foto fuer uns zu machen. Wir konnten kaum ablehnen, obwohl wir unsere Selbstportraits eigentlich immer ganz lustig finden. Natuerlich musste ich im Gegenzug auch sie fotografieren, was sicherlich Sinn der ganzen Uebung war. An de Nobbies fuehlte man sich nach Schottland versetzt. Schon auf dem Weg dorthin versuchte das Gras an beiden Seiten der Strasse den Asphalt zu ueberwuchern. Die saftiggruenen Haenge, die als Nistplaetze fuer Moewen dienen, taten dann ihr uebriges.

Wir waren frueh bei der Penguin-Parade. Er Eintritt ist unverschaehmt hoch. Ein riesiges Besucherzentrum laesst auf die Massen schliessen, die hier durchgeschleust werden, ist aber mit netten Ausstellungen ausgeruestet. An einer Stelle kann man von oben in einen Pinguin-Bau reinschauen.

Gegen 20:00 Uhr begaben wir uns nach draussen. Am Strand waren zwei riesige Betontribuenen aufgebaut, die sich langsam mit Besuchern fuellten. Eigentlich eher eine Menschen-Parade. Den Strand selbst und die Duenen rundherum durfte man nicht betreten. Es wurde bitterkalt. Wir waren zwar mit Pullovern ausgeruestet, aber eine Daunenjacke waere uns willkommen gewesen. Unglaublich wie das hier abkuehlt. Um 21:00 Uhr sammelten sich dann in der Brandung endlich die ersten Pinguine, um ein Gruppen wie auf ein Kommando ueber den Strand in die Duenen zu watscheln. Auf den inzwischen gefuellten Tribuenen brach sich die Begeisterung Bahn. Es war wirklich sehr nett anzusehen, aber nach drei Gruppen, machten wir uns auf dem Rueckweg, um dem Stau beim Massenaufbruch zu entgehen. Zurueck in Cowes waren natuerlich alle Restaurantes bis auf die Hamburger-Buden geschlossen und wir verzichteten auf ein Abendessen. Fazit: Die Penguin-Parade kann man getrost vergessen. Die Insel ist dagegen sicher einen Besuch wert.