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Von Sonnenuntergaengen nie genug

05. Dezember 2003

Heute wurden wir in aller Herrgottsfruehe von den Kakadus geweckt. Es war, soweit ich aus vom Schlaf noch verklebten Augen erkennen konnte, gegen 4:00 Uhr, als ein Schwar dieser Quaelgeister ueber unserem Motel kreiste. Da die Kakadus dabei ununterbrochen laermten, konnte man den Flug des Schwarms quasi mit dem Ohr verfolgen. Einmal hoerte es sich so an, als wuerden sie gleich durch das splitternde Fenster in unser Zimmer fliegen. Viel Schlaf fanden wir nicht mehr.

Trotzdem haetten wir fast unsere Checkout-Zeit verdoest. Hier in Australien muss das Zimmer bis um 10:00 Uhr geraeumt werden. Diesmal hing sogar eine Liste mit Strafgebuehren im Zimmer, fuer den Fall, dass man die unerbittliche Zeitschranke ueberschreitet. Gegen 10:00 Uhr fuhren wir von Strafgebuehren knapp verschont los.

Eine angenehme Fahrt fuehrte uns aus den Grampians heraus durch Farm- und Weideland nach Sueden bis an die Kueste. Der Himmel war erst bedeckt, aber lockerte dann auf, was zur Folge hatte, dass das Auto sich wieder gnadenlos aufheizte, waehrend es draussen empfindlich kalt war. Ehrlich, wir haben uns heute fast den Arsch abgefroren.

Schon bald erreichten wir den Anfang der zu Recht beruehmten Great Ocean Road und blickten auf die Bay of Islands hinaus. Ein paar Kilometer weiter liegt Peterborough, eine kleine Ortschaft hinter den Kuestenklippen. Dort fanden wir schnell eine Unterkunft und werden auch morgen noch hier bleiben. Endlich haben wir mal Zeit an der Great Ocean Road. ich bin sogar schon zum dritten Mal hier, war aber immer in Hektik. Wir begannen unsere Erkundung am Nachmittag gleich mit einer kleinen Wanderung durch die dichtbewachsenen Duenen am Golfplatz entlang. Ein Golfplatz, auf dem ich ganz sicher jeden zeiten Ball ueber die Klippen spielen wuerde.

Am Abend fuhren wir dann nochmal an die Bay of Islands, in der die Inseln aus zahllosen von der ehemaligen Kueste uebriggebliebenen und vom Wasser angefressenen Stuecken bestehen. Solche Formationen sind fuer die Great Ocean Road ja charakteristisch. Einige sind so schmal, dass sie wir Tuerme aussehen. Einer davon stand ziemlich nahe an der Klippe und wir warteten unwillkuehrlich, ob sich unser Erlebnis mit dem Gletscher in Alaska wiederholen und er vor unseren Augen umkippen wuerde. Aber dieses Erlebnis bleibt einmalig. Andere Insel stehen auf zwei Beinen im Wasser und bilden so Boegen und Bruecken.

Erst dachten wir, wegen der vielen Wolken wuerden wir gar nichts vom Sonnenuntergang sehen. Aber die Wolkendecke am Horizont erwies sich als bruechig und die Sonne streckte ihre Strahlen wie Scheinwerfer durch jede Luecke und in alle Richtungen. Unglaublich. Dann brachte sie das Kunststueck fertig dreimal unterzugehen. So oft jedenfalls versank sie in den verschiedenen Wolkenschichten. Es war wieder einmal ueberwaeltigend und wir sind einhellig der Meinung, dass wir von Sonnenuntergaengen nie genug kriegen koennen.