146 Kilometer geradeaus |
30. November 2003
Am gestrigen Nachmittag quaelten wir Kim und Richard mit unseren Fotos und sie schlugen mit Fotos ihrer Europa-Tour zurueck. Am Abend fuhren wir mit Richard und der kleinen Ruby auf den Golfplatz um Kaenguruhs zu beobachten, die sich dort Abends immer einfinden. Kim musste leider arbeiten. Dann fuetterten wir die Hunde eines abwesenden Nachbarn, wobei erst einer der aufgeregten Beagle auf die Strasse stuermte und Richard erst Jake zu Hilfe holen musste, der die Hunde besser kennt. Schliesslich hatten sie den Fluechtigen wieder eingefangen. Wir hatten inzwischen Ruby auf dem Trampolin springen lassen, das dort im Garten stand. Danach fuhren wir nochmal zum Aussichtspunkt auf den Super-Pit und blickten in die riesige beleuchtete Grube. Die Arbeiten dort gehen die ganze Nacht hindurch.
Richard und Kim boten uns an, noch einen weiteren Tag zu bleiben. Ein Blick auf die vor uns liegende Strecke und die Zeit, die wir voraussichtlich brauchen werden, ueberzeugte uns jedoch davon, schon heute morgen aufzubrechen. Das fiel uns wirklich schwer, denn wir haben uns bei den Brownbills richtig wohl gefuehlt. Mit der Minenfuehrung hatten wir die Gelegenheit, etwas zu sehen, was Touristen normalerweise nicht zu Gesicht bekommen und haben auch von Kalgoorlie und dessen Geschichte viel gesehen. Selbst Sofie, der Wachhund hatte sich am Ende an uns gewoehnt. Claire-Elizabeth lies sich ohnehin durch unserere Gegenwart nicht vom Schnarchen abhalten. Richard und Kim waren so entspannte Gastgeber, dass man sich einfach zu Hause fuehlen musste.
Trotzdem starteten wir heute Morgen relativ frueh, denn eine Rekorddistanz lag vor uns. Wegen der gewaltigen Ausdehnung ist es nicht moeglich, die Nullabor-Wueste in einem Tag zu durchqueren. Wir wollten aber versuchen, so weit wie moeglich zu kommen und sind nun in Eucla an der Grenze von West- und Sued-Australien gelandet. Damit haben wir heute in ueber 10 Stunden 950 Kilometer zurueckgelegt! Es war lang, aber nicht ganz so langweilig wie befuerchtet. Auf halbem Wege fuehrte die Strasse ploetzlich an einer Klippe entlang. Man hatte einen weiten Blick in eine schier endlose Ebene. Das Meer war trotzdem nicht zu sehen, weil die Strasse mal wieder viel zu weit im Landesinnern verlaeuft. Wir fuhren in die Ebene hinunter und immer an der Klippe entlang die sicher einstmals die Kuestenlinie gebildet hat. Die Sonne stand uns angenehmerweise ab dem Mittag im Ruecken und wir warfen immer laengere Schatten. Der Name der Nullabor kommt aus dem Latein und bedeutet "keine Baeume". Meistens haben wir zwar Baeume gesehen, aber es gab wirklich Abschnitte, an denen ausser Bueschen bis zum Horizont nichts zu sehen war. Und der Ausblick wurde nur von der Erdkruemmung beschraenkt. Dort war es dann auch, dass ein Schild das laengste Stueck gerader Strasse in Australien ankuendigte. Wir sind wahrlich schon viel geradeaus gefahren, aber 146 Kilometer am Stueck sind sicher ein Rekord. Wir sind ueberzeugt, die erste Kurve nach 146 Kilometern haben die Strassenarbeiter aus purer Langeweile eingebaut, denn es gibt eigentlich keinen Grund fuer sie.
Jetzt sind wir also in Eucla, was nicht mehr als eine Raststaette mit angeschlossenem Motel ist. Morgen werden wir dann Western Australia engueltig verlassen.