In der Geisterbahn |
29. November 2003
Gestern habe ich mit Jake noch ein paar Spiele auf seiner XBox auspobiert und wir haben uns koestlich ueber die Action-Stunts amuesiert, die wir mit den Motorraedern hinlegten. Danach fuehrte uns Richard zu DEM Pub Kalgoorlies aus. Wir landeten in einem typisch englischen Pub mit grossen Bildschirmen, auf denen Sport laeuft, einer riesigen Bar und seltsamen Figuren. Einige der Besucher hatten noch ihren Arbeits-Overall an. Die Barmaedchen waren auesserst spaerlich bekleidet. Richard klaerte uns darueber auf, dass sie frueher nur einen String-Tanga anhatten. Das sei aber jetzt verboten. Nach einer Weile begann eine dreikoepfige Band der Menge einzuheizen. Einige Arbeitsoveralls tanzten ungelenk aber enthusiastisch dazu. Die Band war richtig gut. Ich klatschte nach einigen besonders gelungenen Songs, machte aber die Erfahrung, dass der australische Pubbesucher nicht klatscht. Zum Glueck gibt es hier Bier mit nur halb so viel Alkohol. Sonst waere ich nach drei Bier zu Hause und einem im Pub voellig platt gewesen. Richard bietet mit quasi den ganzen Tag Bier an und spaetestens am Abend kann ich nicht mehr nein sagen.
Nach einer weiteren sehr angenehmen Nacht sind wir heute zu Richards Mine gefahren. Dort mussten wir uns am Empfang melden. Der nette Pfoertner fuehrte uns in einen Raum mit einem Computer und wir mussten uns eine Praesentation anschauen und auf einem Fragebogen die richtigen Antworten ankreuzen. Zum Glueck war es einfach genug fuer uns.
Dann kam Richard und holte uns ab. Er zeigte und sein Buero und stattete uns dann mit den notwenigen Utensilien aus, die fuer einen Besuch der Mine erforderlich sind. So bekamen wir erstmal Gummistiefel und einen Overall. Dann wird eine Art Gasmaske und eine Batterie fuer die Helmlampe an dem Guertel befestigt, den man sich dann um die Huefte schwingt. Zum Schluss kommt noch ein Helm mit einer Lampe auf den Kopf und fertig. Der Guertel war so schwer, dass er mir fast ueber die Huefte rutschte. Wir stiegen in einen der Kleinlaster mit orangener Signallampe, die wir schon so oft gesehen hatten und starteten eine Rampe hinunter in den Super-Pit. Ganz in der Naehe fuhr einer der riesigen Laster vorbei und uns stockte der Atem.
Dann ging es durch einen relativ unspektakulaeren Eingang in den Zugangstunnel hinein und ploetzlich waren wir unter Tage. Im Tunnel selbst gab es kein Licht. Nur die Scheinwerfer und die Signallampe beleuchteten rohe Tunnelwaende. Der Tunnel war nur eine Spur breit, deshalb mussten wir ausweichen, als uns der erste Laster mit Steinen entgegen kam. Die Laster unter Tage sind nicht ganz so gigantisch wie die an der Oberflaeche, aber immer noch monstroes. Weil die Tunneldecke nicht so hoch ist, sind sie eher flach und langestreckt. Wir zogen uns rueckwaerts in eine Nische zurueck und warteten. Das Brummen des Lastermotors wurde immer lauter und steigerte sich zu einem Bruellen. Man konnte sich eines klaustrophobischen Gefuehls nicht erwehren. Richard schaltete die Scheinwerfer aus, um den Fahrer nicht so blenden. Die Signallampe blieb an und warf organgefarbene Blitze an die Tunnelwand. Dann donnerte das Ungetuem an uns vorbei. Es war wie in einer Geisterbahn. Uns stand der Schweiss auf der Stirn.
Tiefer und tiefer ging es in einem sich spiralfoermig windenden Tunnel, bis wir uns 750 Meter unter der Erde befanden. Richard hielt immer wieder an, um uns die Pausenraeume der Minenarbeiter (grauslig), abgestellte alte Raeummaschinen (archaisch) und Kisten mit Sprengstoff (explosiv). An einer Stelle dachten wir schon, wir haetten Gold gefunden. Kleine, glaenzende Einsprengsel funkelten uns aus einer Quarzader entgegen. Aber Richard meinte, es waere nur Katzengold. Schade eigentlich.
Nach ueber einer Stunde kehrten wir ans Tageslicht zurueck, nachdem noch einige Laster an uns vorbeigezogen waren. Wir kamen uns vor wie Ueberlebende und haetten eigentlich jubelde Massen erwartet. Aber keine begruesste uns ausser der brennenden Mittagssonne.