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Versteinerte Surfer

24. November 2003

Heute haben wir wieder Kilometer geschrubbt. Albany hat uns gute gefallen, aber wir haben mal abgeschaetzt, was alles noch vor uns liegt und beschlossen, etwas Tempo zu machen. Von Albany aus fuhren wir Richtung Norden und durchquerten dabei die Stirling Range. Das ist ein Gebirge mit etwa 1000 Meter hohen Bergen, was nicht allzu hoch erscheint. Da aber das Land sonst flach wie win Brett ist, wirken sie hoeher. Wir hatten sehr lange keine Berge mehr gesehen und waren entzueckt ueber die spitzgipfligen und bizarr geformten Sillouetten.

Ansonsten ging die Fahrt teilweise durch Buschland, dann Weizenfelder und einmal kamen wir sogar an einer echten daenischen Windmuehle vorbei. Sah ziemlich verrueckt aus, wie sie da so deplatziert in der Landschaft stand.

Nach 350 Kilometern erreichten wir endlich den kleinen Ort Hyden und kehrten natuerlich gleich im ersten Cafe ein, das wir zu Gesicht bekamen. Nur ein paar Kilometer von Hyden entfernt befindet sich der Wave Rock. Das ist eine etwa 50 Meter lange und 15 Meter hohe Felsformation, die aussieht wie eine versteinerte Welle. Wenn man direkt davor steht, haengt die obere Kante ueber einem und die Illusion, dass die Welle gleich brechen und einen verschlingen wird ist perfekt. Dazu tragen auch Streifen auf dem Felsen bei, die herunterlaufendes Regenwasser gebildet hat. Wir waren aeusserst beeindruckt und posierten abwechselnd als versteinerte Surfer. An beiden Enden der Welle wird der Fels flacher und man kann auf den Wellenkamm hochsteigen. So kann man die Welle aus allen Winkel betrachten. Der Himmel bot dazu abwechselnd Licht und Schatten und lieferte so den passenden Hintergrund.

Die lange Fahrt hatte sich gelohnt. Eigentlich wollten wir in Hyden uebernachten, aber es gab dort so wenig Unterkuenfte und der Ort war so wenig anziehend, dass wir in Esperance anriefen, ein Zimmer reservierten und losfuhren. Knapp 400 Kilometer lagen vor uns. Da mussten wir durch. Allerdings wurde diese Tatsache dadurch erleichtert, dass die Landschaft, die wir durchquerten sehr abwechslungsreich war. Riesige Weizenfelder breiteten sich zu beiden Seiten der Strasse aus. Da das Land flach war, konnte man weit blicken. Der Himmel fuhr das volle Programm an Wolkenformationen auf und wir fuehlten uns an Saskatchewan erinnert. Auf den Feldern standen immer wieder Gruppen von Brokkoli-Baeumen. Ich nenne sie mal so, weil sie aussehen wie Brokkoli: Lange duenne Aeste, an deren Enden Bueschel von Blaettern wuchsen. Vermutlich wieder eine Eukalyptusart. Wir fuhren durch Regenschauer, und flohen vor einer weiteren Regenfront die Kueste entlang nach Osten.

Abends gegen 19:00 Uhr erreichten wir endlich Esperance und waren reichlich geschafft. Wir hatten uns schon darauf gefreut, uns eine Suppe zu machen, aber wieder nicht mit den unglaublich fruehen Ladenschlusszeiten gerechnet. Die Australier sind gnadenlos. Da macht auch der zentrale Supermarkt einfach um 17:00 Uhr zu. So hatten wir nur die Auswahl zwischen drei Frittenbuden, in denen es Burger, Burger oder Fish & Chips gab und die alle nach ranzigem Fett stanken. Bloederweise hatten wir auf genau diese Sachen ueberhaupt keine Lust. Aus lauter Frust und weil wir bei dem Hunger nicht noch lange rumsuchen wollten, haben wir uns dann doch Sandwiches geholt, aber richtig gut waren sie nicht. Morgen gibt es definitiv Suppe!