zurück

 

Weinprobe

19. November 2003

Also hier ist es wirklich wunderschoen! Am Morgen buchten wir im Touristenbuero eine Weinproben-Tour. Um die Mittagszeit wurden wir dann dort von einem kleinen Bus abgeholt, in dem schon 10 andere Leute sassen. Unsere Mitweintester waren vorwiegend junge Leute aus Australien und den USA. Die Reiseleiterin Kathy erwies sich als erfrischend schnodderig aber in der Sache kompetend.

Bei der ersten Winzerei durften wir dann selbst Cabernet mit Merlot mischen und lernten, dass hier Weinpanschen nichts Unanstaendiges ist, sondern ganz professionell betrieben wird. "Blending" heisst das hier. Aber das war nur die erste Ueberraschung. Nachdem sich jeder seine eigene Mischung hergestellt hatte, durfte er sie zum Essen mitnehmen. Zum Lunch gab es Salat und Bratwuerste. Ich schaufelte mir fleissig auf, denn natuerlich spuerte ich schon den Alkohol. Dabei standen uns noch fuenf Weinproben bevor!

Das Wetter war wechselhaft. Die Sonne wechselte sich mit Schauern ab. Die Luft war so frisch, dass wir jedesmal tief durchatmeten, wenn wir aus dem Bus kamen. Die Winzereien waren meist wunderschoen gelegen, oft an einem See, ueber die Felder mit Weinreben blickend, von Blumen umgeben, die Gebaeude selbst geschmackvoll gestaltet.

Die Stimmung wurde von Winzerei zu Winzerei ausgelassener. Manchmal war es uns fast schon zu viel Wein und wir konnte gar nicht mehr zwischen all den Sorten unterscheiden. Dazwischen erklaerte uns Kathy wie Wein hergestellt wird und welche Faktoren Einfluss auf den Geschmack haben.

Wir lernten, dass man aus roten Trauben ohne weiteres weissen Wein herstellen kann. Vor dem eigentlichen Pressen werden die Trauben geschreddert, und wenn man diese Masse nicht ein paar Stunden stehen laesst, sondern gleich presst, dann hat der Traubensaft keine Chance die Farbe von der Schale aufzunehmen und bleibt weiss. Je laenger man sie ziehen laesst, desto roter wird der Wein. Rose ist dann folgerichtigerweise ein Kompromiss zwischen beidem.

Ausserdem wird hier der Wein nicht verkorkt! Stattdessen ziert ein Drehverschluss auch die eldelsten Weine! Scheinbar ist es ein absolutes Vorurteil, dass guter Wein verkorkt werden muss und hat mit der Realitaet nichts zu tun. Das Vorurteil ist allerdings so stark, dass die Australier Wein, den sie exportieren wollen, extra verkorken muessen. Die Amerikaner denken dabei erstaunlicherweise genauso wie die Europaer. Ich haette jedenfalls vorher niemals einen Wein mit Drehverschluss gekauft. Darauf steht einwandfrei die Hoechststrafe!

Eine weitere Neuigkeit fuer uns war, dass man aus jeder Traube suessen Wein machen kann. Man muss nur den Fermentierungsprozess, bei dem die Hefe den Zucker in Alkohol verwandelt frueher stoppen. Dann hat man weniger Alkohol und mehr Zucker. So einfach ist das.

Mit Muehe entschieden wir uns fuer ein paar Weinsorten und kauften ein paar Flaschen. Gegen Abend wurden wir dann wieder in Margaret River abgesetzt. Wir hatten uns schon vor Start der Tour eine andere Unterkunft gesucht, die ein paar Kilometer von Margaret River direkt am Meer liegt. So bleiben wir also noch einen Tag hier und fahren Morgen erst weiter.

Eben waren wir nochmal am Meer. Der Sonnenuntergang war von dunklen Wolken verdeckt und wir hatten Pullover und Jacken an. Die Brandung ist gewaltig. Hier werden regelmaessig professionelle Surferwettbewerbe ausgetragen. Die Stimmung in dem daemmrigen Zwielicht in den Duenen war ausserordentlich friedlich. Wir fuehlten uns pudelwohl.