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Der marsianische Friedhof

08. November 2003

Da es mir heute etwas besser sind, konnten wir weiterfahren. Kurz haben wir uns noch die Kathedrale von Geraldton angeschaut, dann sind wir Richtung Sueden aufgebrochen. Den australischen Busch haben wir jetzt wohl endgueltig hinter uns gelassen. Es hat auch gereicht. Stattdessen ging es durch weites Farmland mit ausufernden Getreidefeldern, auf denen zu Rollen oder zu Rechtecken gepackte Heuballen verstreut lagen. Seltsamerweise machen die hier im Fruehling Heu, aber vermutlich ist der Sommer einfach zu trocken und das Zeug waechst nur im Winter. Wieder mal alles verkehrt herum in Down Under. An den Heuballen konnte man uebrigens auf einen Blick erkennen, ob sie mit Liebe gepackt worden waren. Da gab es auf der einen Seite ganz lieblos-ausgefranste Vertreter, die fasst wieder auseinanderfielen und auf der anderen Seite sorgfaeltig und regelmaessig gerollte Ballen. Ich bin mir auch sicher, dass ein Glaubenskampf zwischen den Vertretern der Reckeck-Ballen und der Roll-Ballen ausgetragen wird. Es kann nur eine Methode die Richtige sein. Fast wie daheim.

Danach fuehrte der Highway, der eigentlich nicht mehr als eine Landstrasse war, durch dicht bewachsene Duenenlandschaft. Schliesslich erreichten wir Cervantes, was zwar spanisch klingt, aber doch in Australien liegt. Dort legte ich mich in unserer schnell gefundenen Unterkunft erstmal wieder hin.

Nach einem Mittagsschlaf fuhren wir zum Strand. Dort herrschte gerade Sturm. Der feine, weisse Sand wurde vom Wind zu kleinen Sandverwehungen aufgetuermt und in geschuetzten Ecken klammerte sich hier und da ein gruener Busch fest. Das Wasser war ueberrschenderweise gruen. Nicht tuerkis, nicht blau, nein, gruen. Mal etwas anderes.

Nur 17 Kilometer von Cervantes entfernt befindet sich die beruehmte Pinnacle Desert, ein Wuestenabschnitt, in dem hunderte von Felsnadeln herumstehen. Am Nachmittag sollte es am schoensten dort sein und so fuhren wir kurzerhand hin. Eine 3 km lange Staubpiste windet sich vom Parkeingang durch die ockerfarbenen Sandduenen und durch ganze Waelder von Felsnadeln. Es ist wirklich ganz unglaublich! Die unregelmaessig geformten Felsnadeln sind meistens etwa so dick wie ein Baum und ihre Hoehe reicht von einem halben bis 3 oder 4 Meter. Sie stehen teilweise so dicht, dass es wirklich wie ein Wald aussieht. Alle paar hundert Meter sind Parkbuchten angelegt, und wir halten fast ueberall an und machen Fotos. Ausser uns sind einige Leute mit ihren Autos unterwegs und allen steht der Mund offen bei diesem Anblick. Es sieht aus wie ein riesiger Friedhof mit den Pinnacles als Grabsteinen. Es sieht aus wie ein Wald aus Felsen. Es sieht aus wie eine Kunst-Installation. Es sieht aus, als sei es nicht von dieser Welt...