Wer beobachtet hier eigentlich wen? |
02. November 2003
Da uns die Frau an der Rezeption empfohlen hatte, frueh nach Monkey Mia zu fahren, waren wir heute schon um 8:30 Uhr dort. Wir konnten gerade noch das Ende der ersten Fuetterung sehen. Die Delphine werden dreimal zwischen 8:00 Uhr und 13:00 Uhr gefuettert. Sie bekommen aber nie so viel, dass sie wirklich satt werden. Es soll wohl eher eine Art Imbiss sein und hat die Delphine so wild gehalten, dass sie scheinbar keine Schwierigkeiten haben, sich den Rest des Futters in der freien Natur zu besorgen. Nebenbei wird hier eine Menge Forschung betrieben, was das Sozialverhalten der Dephine angeht und man hat schon viele Erkenntnisse gewonnen. Es gibt wohl sonst keinen Ort auf der Welt, an dem wilde Delphine so oft mit Menschen interagieren und sich so wenig von ihnen stoeren lasse. Deshalb ist Monkey Mia auch zur World Heritage Area erklaert worden. Heute Abend werden wir etwas fuer unsere Bildung tun und uns einen Vortrag anhoeren.
Die zweite Fuetterung konnten wir dann von Anfang an sehen. Das spielt sich so ab, dass die Delphine langsam in der "Interaktionszone" eintreffen. Erstmal waren es nur zwei. Die Besucher duerfen bis zu den Knien ins Wasser gehen und sich in einer Reihe aufstellen. Zwei Ranger stehen davor und passen auf, dass keiner den Dephinen zu nahe kommt. Die zwei Delphine lagen dann neben den Beinen der Ranger im Wasser, halb auf der Seite und blickten die Besucher neugierig an. Unvermittelt fragte man sich, wer hier eigentlich wen besichtigte. Vielleicht ist dieser Ort bei den Delphinen genauso bekannt wie bei uns und sie sind ganz wild darauf, Menschen zu beobachten. Ab und zu tauchen sie den Kopf unter Wasser und heben ihn dann wieder, wobei sie durch das Atemloch ein schnaufendes Geraeusch machen. Dann umkreisen sie traege die Beine der Ranger und stupsen sie ab und zu an. An die Besucher gehen sie direkt nicht, aber man ist oft nur zwei Meter von einem dieser wundervollen Tiere entfernt. Das Wasser ist so klar, dass man einen Blick wie im Aquarium hat. Ich knipse natuerlich wie wild. Weiter draussen tauchen immer mal wieder Flossen und Delphinruecken auf. Als dann die Eimer mit den Fischen geholt werden, muessen alle Besucher aus dem Wasser auf den Strand zuruecktreten. Dann picken die drei Ranger einzelne Personen, oft Kinder, heraus und sie duerfen vortreten und dem Delphin einen Fisch geben. Nach fuenf Fischen pro Eimer ist Schluss und die Delphine schwimmen davon.
Monkey Mia selbst ist eigentlich nur ein Resort, keine eigentliche Stadt. Woher der Name kommt, wuessten wir auch gern, haben wir aber noch nicht herausbekommen.
Den Nachmittag und Abend verbringen wir dort am Strand. Das Wasser ist auch hier sehr kalt, aber nach einer Weile ist man so aufgeheizt, dass man ein Bad als willkommene Erfrischung betrachtet. Wenn der Wind mal nachlaesst, nerven die Muecken so entsetzlich, dass ich zeitweise das Fliegennetz ueber den Kopf stuelpe. Wenn sie auf den Beinen oder Armen sitzen, habe ich ja nichts dagegen, aber die australischen Fliegen haben die unangenehme Angewohnheit, einem an die Ohren, Nase, Augen und Mund zu wollen und das ist unertraeglich. Manchmal kann einem das den Aufenthalt an den schoensten Orten verderben. Aber wir haben noch Glueck. Im Sommer ist es sicher noch schlimmer.
Ein deutscher Reisebus muss in Monkey Mia eingetroffen sein. Man uebt sich in Wassertreten und lauter Unterhaltung. Wir hoeren gezwungenermassen zu. Eine aeltere Damen hat doch wirklich eine Duschhaube auf dem Kopf! Mit der Duschhaube im Indischen Ozean, es ist nicht zu fassen. Zu allem Ueberfluss faengt sie dann auch noch an, hessisch zu babbeln: "Ei guckema, da sin ja sogar noch zune Muschel!". Wir brechen zusammen.
Der Sonnenuntergang war wegen der interessanten Wolkenforationen imposant und wir stellten fest, dass wir uns immer noch nicht satt gesehen haben. Um 19:00 Uhr gingen wir noch zum Vortrag. Ein junger Amerikaner zeigte ein paar Dias und berichtete ueber die Forschungsarbeiten. Wir lernten, dass maennliche Delphine Allianzen bilden und Weibchen einfangen, und dass es Allianzen aus Allianzen gibt. Sozialstrukturen, die es sonst nur beim Menschen gibt. Es war sehr interessant. Nach etwa einer Stunde fuhren wir zurueck nach Denham und versuchten, im Dunkeln keine Tiere totzufahren, was sich auf echte Herausforderung herausstellte.