Zauberstrand |
21. Oktober 2003
Heute Morgen haben wir unseren Magna zum Doktor gebracht. Die Diagnose stimmte uns nicht besonders froh. Zwar war entschieden zuviel Oel im Getriebe, aber eigentlich kann das nicht die Ursache gewesen sein. Der Fehler trat auch prompt nach Einstellung auf die richtige Oelmenge wieder auf. Da auch mit der Elektronik alles in Ordnung ist, liegt der Fehler tiefer und das bedeutet, dass wir im schlimmsten Fall wir die Automatische Schaltung austauschen lassen muessen. Ich habe keine Ahnung wie teuer das werden wird, aber billig klingt das nicht, und so werden wir mit unserem Magna wohl einen deftigen Verlust einfahren. Nach kurzen Frust ueber die Ungerechtigkeit der Welt, mussten wir uns aber eingestehen, dass man soviel Glueck wie mit dem Jeep eben nicht zweimal haben kann. Wir fahren jetzt erstmal weiter bis Perth oder lassen es vielleicht sogar erst in Melbourne machen. Wenn wir den Wagen behalten wuerden, koennte man mit dem Fehler ja sogar leben. Aber da wir ihn wieder verkaufen wollen, muessen wir das Geld wohl investieren.
Um uns abzulenken, sind wir an den Strand gefahren. Dort herrschte schon ein munteres Treiben. Wellenreiter testeten die ueberraschend hohen Wellen und auch sonst tummelten sich viele Leute im tuerkisfarbenen Wasser. Die Wellen waren in der Tat so beeindruckend, dass ich respektvollen Abstand hielt. Kirsten, die Wasserfestere von uns Beiden, warf sich mit Freude in die Fluten. Es war 9:00 Uhr und schon so heiss, dass man auf dem Weg vom Wasser bis zu den Duenen fast getrocknet war! Ok, der Strand ist breit, aber trotzdem! Um 10:00 Uhr waren wir dem Hitzetod nahe und flohen zurueck in unser Zimmer. Der Abwanderungswelle nach zu urteilen ging es den anderen Leuten nicht anders. Wir wissen zwar immer noch nicht, wie warm es tatsaechlich ist, aber selbst im Wetterbericht geben sie Temperaturen von 40 Grad fuer Broome an und wir wissen, dass da immer sehr konservativ gemessen wird. In der Sonne sind es sicher noch ein paar Grad mehr.
Da wir einen Tag ausser Gefecht gesetzt waren haben wir unseren Aufenthalt einen Tag verlaengert. Es gibt zwei Dinge, neben morgens am Strand vergluehen und Abends den Sonnenuntergang anschauen, die wir hier unbedingt noch machen wollen. Das Erste ist einer Besuch der Krokodilfarm, in der taeglich zur Fuetterung Fuehrungen veranstaltet werden. Das Zeite ist ein Besuch des aeltesten Open-Air-Kinos der Welt (Eroeffnet 1916!).
Gegen 16:00 Uhr haben wir uns wieder an den Strand getraut. Es ist schon interessant, dass sich die Leute trotz des riesenhaften Platzes fast nur an einer Stelle ins Meer trauen. Wir haben es sicherheitshalber auch so gemacht, denn wir wissen nicht genau, wie hoch das Risiko ist, einer der gefaehrlichen Quallen zu begegnen. Leider sind die hier auch und die Saison faengt gerade an.
Noch ein paar Eindruecke vom Zauberstrand gefaellig? Der Boden ist so eben und hart gebacken, dass man viele Familien sieht, die ganz locker ihren Kinderwagen vor sich her schieben. Man koennte wohl auch mit dem Fahrrad darauf fahren. An anderer Stelle kombinieren Golf-Verrueckte einen Strandspaziergang mit Golf-Uebungen, indem sie einen Ball vor sich hertreiben. Ab uns zu sieht man angeschwemmte Krebse, die versuchen, sich einzubuddeln. Dann sind da noch die absichtvoll aufgereihten millimetergrossen Sandkuegelchen, die fleissige Tierchen aus ihren Loechern raeumen und dabei kunstvoll verschlungene Muster schaffen, die verblueffend an die Punktmalerei der Aborigines erinnern. Der Sand ist so pappig, dass man wie mit Schnee Sandbaelle daraus formen kann. Ich baue eine kleine Pyramide aus Sandbaellen. Sie haelt. Erstaunlich. Man kann die oberste festgebackene Schicht von Sand abheben, wie ein Stueck Eis. Ich spiele damit rum und habe ploetzlich ein Stueck mit dem Umriss Australiens in der Hand. Verrueckt. Da ist ausserdem der kleine Gecko, der sich auf Kirstens Fuss ganz wohlfuehlte und sich sonnte, wobei es so kitzelte, dass sie kaum ruhig halten kann, bis ich ein Foto davon gemacht habe. Ein paar hundert Meter weiter fahren sie mit den Autos bis auf den Strand, was irgendwie toll sein muss. Wir laufen eine halbe Stunde in eine Richtung und stellen beim Umdrehen fest, dass wir scheinbar gar nicht vom Fleck gekommen sind. Der Strand erstreckt sich so weit, dass man das Gefuehl fuer Entfernungen verliert. Der Sonnenuntergang ist phantastisch und der Horizont leuchtet auch ohne Wolken herrlich rot nach. Das reicht wohl, denke ich, oder? Die gruene Farbe im Gesicht laesst uebrigens nach einer Weile wieder nach... ;-)