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Am Indischen Ozean

18. Oktober 2003

Die Sonne kitzelte uns schon um 5:30 Uhr wach. Wir hatten leidlich geschlafen. Gegen Morgen habe ich mich sogar mit einer Ecke des Schlafsacks zudecken muessen. Es dauerte aber nicht lange und das Schwitzen begann wieder von vorne.

Da sich kein anderer Fluggast gefunden hatte, faellt der Rundflug aus und wir werden die Bungle-Bungles eben nicht sehen. Inzwischen finden wir das aber gar nicht mehr so tragisch. Wir tankten und fruehstueckten bei der Shell und brachen Richtung Westen auf.

Leider wurde das huegelige Landschaftsbild bald durch oede Ebenen ersetzt. Da wir kein Auto mit Vierradantrieb haben, koennen wir die direktere Outbackstrecke nach Broome nicht fahren. Die fuehrt mitten durch die Kimberleys und ist sicher spannender als der Highway, ein einziger landschaftlicher Totalausfall.

Nach knapp 300 Kilometern erreichen wir Fitzroy Crossing. Eine weitere trostlose Siedlung, die in der Mittagshitze vor sich hinbackt. Hier und da sieht man Aborigines in Gruppen im Schatten von Baumen sitzen oder stehen, wie sie das wahrscheinlich seit 40.000 Jahren so machen. Man sieht ihnen foermlich an, wie fehl am Platz sie sich fuehlen, oder andersherum gesehen, wie fehl am Platz diese Siedlung mit ihrem Supermarkt, der Vistors-Information und der Tankstelle in ihrer geheuchelten Normalitaet eigentlich ist.

Von dort aus fuehrte eine asphaltierte Strasse in den Geikie-Gorge Nationalpark. Als wir den Parkplatz erreichten, lief die Sonne wieder zu Hoechstform auf. Man muss sich das vorstellen: Nicht einmal, wenn man die Hand aus dem fahrenden Auto haelt, ist der Fahrtwind auch nur annaehernd kuehl. Es ist als wuerde man in einen Foen greifen. Wir gingen ein paar Meter bis zu einem Aussichtpunkt ueber den Fluss, der am Ende der Trockenzeit nur ein jaemmerliches Baechlein ist. Noch einen anderen Weg haetten wir gehen koennen, aber wir schauten uns an und stellten ploetzlich fest, dass wir von trocker Landschaft einfach die Schnauze voll hatten. Man muss sich das halt auch mal eingestehen koennen und so beschlossen wir, auch Derby links liegen zu lassen, weil das bestimmt so ein trostloser Ort wie Wyndham ist, und direkt nach Broome zu fahren.

Nach ueber 600 Kilometern zermuerbender Fahrt ereichten wir Broome und das Blatt wendete sich. Schon bei der Einfahrt sahen wir: Broome ist eine richtige, kleine Stadt, die sich Muehe gibt, nett auszuschauen. Ueberall stehen Palmen und wir fuehlten uns schon nach Hawaii zurueckversetzt. Ohne Schwierigkeiten fanden wir ein schoenes Appartement mit Kueche.

Danach ging's an den Cable Beach und spaetestens der ueberzeugte uns dann davon, dass wir unser Ziel erreicht hatten. Von einer hohen Duene schaut man auf einen Strand herunter, der sich auf beiden Seiten unendlich weit fortzusetzen scheint. Da die Kuestenlinie leicht gekruemmt ist, kann man ihn auf fast seiner ganzen Laenge von 22 Kilometer ueberblicken und in der Ferne ameisengrosse Menschen ausmachen. Es herrschte Ebbe und so mussten wir ein Stueck laufen, um das Meer zu erreichen. Der Tidenhub ist hier sehr gross, aber der freigelegte Strand hat nichts mit einem Watt gemein. Dazu ist es hier viel zu heiss. Stattdessen laeuft man ueber festen, glatten Sand, der uns dazu verfuehrte, Hand in Hand in die Fluten zu rennen. Das Wasser war warm und die Wellen stark aber gutmuetig. Wir badeten im Indischen Ozean. Wieder ist ein Kopfschuetteln ueber diese Tatsache angebracht und man muss sich Zwicken, um sich zu versichern, dass man nicht traeumt. Oder einfach ins Meer springen!

Da wir direkt nach Westen blickten, ging die Sonne im Meer unter. Welche ein Finale, nach so viel trostloser Wueste.