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Fuenf Fluesse auf einen Blick

17. Oktober 2003

Da wir wegen der Zeitumstellung von kuriosen 1 1/2 Stunden immer noch sehr frueh aufwachen, sind wir heute Morgen nach dem uebrigens ausgezeichneten im Zimmerpreis enthaltenen Fruehstueck erstmal in den nahegelegenen Mini-Nationalpark gefahren. Dort haben uns zwei sehr kurze Walks von insgesamt nicht mehr als einer Stunde in brennender Sonne so ins Schwitzen gebracht, dass es fuer den heutigen Tag genug war...und das morgens um 7:15 Uhr! Spaeter am Tag kann kein normaler Mensch hier koerperlich taetig sein. Der Pfad schlaengelte sich durch rote Felstuerme und Vieles erinnerte an den Kings Canyon in der Naehe des Ayers Rock. Die Felstuerme sollten eine Art Sparausgabe derer im Bungle-Bungle-Nationalpark sein, von denen wir immer noch nicht genau wissen, ob wir sie zu sehen bekommen.

Der Abstecher nach Wyndham erwies sich als herbe Enttaeuschung. Der Ort liegt an einem Meeresarm der Tibor-See, die vielleicht schon ein Teil des Indischen Ozeans ist, vielleicht auch nicht. Jedenfalls verprachen wir uns eine interessante Kueste und es sollte auch einen Hafen geben. Das Kaff war dann sowas von traurig anzusehen, dass wir nicht mal gehalten haben. Der Hafen war als solcher nicht zu erkennen. Ein paar Blechhuetten, ein paar duempelnde Boote in brackiger Bruehe, das war's. Kueste gibt es hier in dem Sinne nicht. Das Land geht irgendwie ins Meer ueber. Weite Flaechen von Schwemmland von der Hitze fetgebacken und bar jeglicher Vegetation zogen sich auf beiden Seiten der Strasse hin. Vermutlich wird hier alles waehrend der Regenzeit ueberschwemmt und keine Pflanzen koennen sich da halte.

Der Five-Rivers-Outlook erwies sich dann wenigstens als recht imposant. Aus grosser Hoehe konnte man den Meeresarm ueberblicken und mit viel Muehe tatsaechlich fuenf Fluesse identifizieren, die sich darin ergiessen. In der Mittagshitze war allerdings so viel Staub oder Dunst in der Luft, dass man alles wie durch eine milchige Substanz sah. Morgens oder abends muss der Ausblick wahrlich gigantisch sein. Das eigentliche Meer konnte man nicht sehen. Wir machten erstmal Picnic unter dem Schatten spendenden Dach, das jemand in weiser Voraussicht ueber den Picnic-Tischen errichtet hatte.

Da wir auf keinen Fall im trostlosen Wyndham bleiben wollten, fuhren wir nach Halls Creek weiter und haben so auch heute wieder 500 Kilometer zurueckgelegt. Die Fahrt fuehrte durch huegeliges, kochentrockenes Land und das Auge hatte wenigstens etwas, an dem es sich festhalten konnte. Ab und zu sieht man hier verbrannte Flaechen. Den Baeumen scheinen diese Braende aber meistens nicht viel auszumachen und wir vermuten, dass die Braende sogar mit Absicht gelegt werden, weil das hier ein ganz normaler Prozess ist, dem ein wenig nachgeholfen wird, um richtig grosse Braende zu vermeiden.

Da wir uns zwei Tage Luxus gegoennt haben, war jetzt wieder die Sparvariante angesagt. In Halls Creek, einer farblose Wuestensiedlung, gab es kein preiswertes Motel und das bedeutete: Campen. Wir bauten unser Zelt auf und liessen das Ueberzelt weg. Vielleicht koennen wir so heute Nacht etwas durchatmen. Im Auto wird es definitiv zu warm sein.

Wir wissen noch nicht, ob wir morgen einen Rundflug machen werden. Die Preise sind sehr hoch und wenn sich keine dritte Person findet, sind sie uns definitiv zu hoch. Einen Jeep wollen wir uns nicht mehr leihen. Wir muessten erst 100 Kilometer bis zum Parkeingang zurueckfahren. Morgen wissen wir mehr.

Auf der Suche nach etwas zu Essen, sind wir bei der Shell-Tankstelle fuendig geworden. Die hat naemlich eine kleine Kueche, die genau das anbot, was wir brauchten: Burger, Burger, oder Burger. So haben wir das erste Mal in unserem Leben bei der Shell gegessen. Es war nicht einmal schlecht.

Da die Oertlichkeit an Gemuetlichkeit zu wuenschen uebrig liess, sind wir ins nahegelegene Motel gegangen und haben in gepflegter Umgebung am Pool jeder ein Bierchen geschluerft. Von irgendwoher kam der Klang von Livemusik. Als wir auf die Strasse traten, fuehlten wir uns allerdings unmittelbar in einen afrikanischen Slum versetzt und kehrten auf dem Absatz wieder um. Ueberall hingen Aborigines rum, tranken, torkelten und bruellten. Kann ja sein, dass das hier voellig normal und harmlos ist, uns war es jedenfalls nicht ganz geheuer und so sind wir in unser Zelt gekrochen.