Leerlauf |
11. Oktober 2003
Die Nacht in unserem Magna war relativ angenehm. Das Auto ist wirklich riesig. Die Rueckbank wird hier nicht hochgeklappt, sondern einfach die Rueckenlehnen umgeklappt. Dabei wird das Polster zusammengequetscht, wenn sie in dieser Stellung einrasten. Trotzdem lassen sie sich nicht ganz eben stellen, was aber dazu fuehrt, dass das Kopfende unseres Lager leicht angeschraegt war, und das war uns sehr willkommen. Den hinteren Fussraum versuchten wir mit unseren Rucksaecken zu fuellen, um die Liegeflaeche noch zu verlaengern. Aber die Rucksaecke versanken einfach in den unergruendlichen Tiefen. Trotzdem war die Liegeflaeche gerade lange genug fuer mich und Kirsten hatte sogar noch etwas Luft. Von der Breite her haetten auch locker drei Leute darin schlafen koennen. Der Wagen ist so hoch, dass man fast aufrecht auf der Liegeflaeche sitzen kann. Alles in Allem eine viel bessere Alternative als jedes Zelt.
Heute Morgen weckte uns die Sonne und die unvermeidlichen Schreihaelse, die meinen sie waeren alleine auf der Welt. Die Sonne sieht hier im Gegensatz zu anderen Orten schon richtig ausgeschlafen aus, wenn sie aufgeht. Keine milde Faerbung, die sie erste intensiver werden laesst, wenn sie hoeher steigt, nein, gleich volle Granate. Es war trotzdem kalt. Im Auto ist der Gegensatz besonders krass: Man verbrennt hinter den Scheiben und bekommt draussen eine Gaensehaut vom kalten Wind.
Nach Alice Springs waren es "nur" 450 Kilometer. Wir wurden vom Backpackers Hostel, in dem wir eigentlich uebernachten wollten an ein Motel weitergereicht und haben jetzt fuer den selben Preis ein bestimmt viel groesseres Zimmer.
Weil die automatische Gangschaltung in unserem Magna etwas Mucken macht, haben wir heute vergeblich nach einem Mechaniker gesucht. Es ist Samstag und alle Werkstaetten waren geschlossen. Wir wundern und schon seit einiger Zeit ueber das Phaenomen, dass nach dem Starten des Motors sei er kalt oder warm immer das erste Mal statt in den dritten Gang, in den Leerlauf geschaltet wird. Nach ein paar Sekunden schnappt dann die Gangschaltung wieder zu und den Rest der Fahrt ist alles bester Ordnung. Bis wir das Auto ausmachen und neu starten. Dann beginnt das Spiel von vorne. Wer eine Idee hat, an was das liegen kann, bitte melden. Wir fahren jetzt erstmal weiter, bis wir einen Ort erreichen, an dem wir ein paar Tage bleiben wollen. Ansonsten schnurrt unser Magna naemlich wie ein Kaetzchen ueber den Highway. Bitte Daumen druecken, dass es nichts Ernstes ist.
In Alice Springs ruhen wir uns einfach nur von der Fahrerei aus. Wir sind noch kurz durch die extraordinaere Fussgaengerzone von Alice Springs gegangen. Natuerlich waren alle Geschaefte schon geschlossen. Auch den Todd-River haben wir uns angeschaut. Einen schoenen Fussweg haben sie hier am Fluss entlang angelegt. Daran kann sich manche Stadt eine Scheibe abschneiden, vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass es hier eigentlich gar keinen Fluss gibt, sondern nur eine staubiges Flussbett. Man sagt, wer dreimal im Todd River Wasser fliessen sieht, ist schon ein Einheimischer. Im September wird sogar eine Regatta abgehalten mit allen Bootsarten, die man sich denken kann - alle ohne Boden und die "Ruderer" den staubigen Creek entlang rennend. Die spinnen, die Outbackies! Toc, toc toc.
Morgen geht's weiter und vielleicht sind wir ja schon uebermorgen da wo wir eigentlich hinwollen, naemlich am Abzweig nach Western Australien.