Schiefe Ebenen und schnitzende Chinesen |
11. September 2003
Wenn man den heutigen Tag betrachtet werden wir den Lazy-Man bzw. -Woman ganz bestimmt gewinnen. Eigentlich haben wir nichts gemacht. Ich entlocke der Ukulele mittlerweile ein paar Toene, die sich nicht vollstaendig dissonant klingen. Kyte war alleine Schwimmen, weil ich so ein wasserscheuer Geselle bin und weil man sich nach fast fuenf Monaten (Schluck, so lange schon?) auch mal aus dem Weg gehen muss.
So verging der gewohnt sonnige Tag. In den Bergen hinter uns haengen oft dicke Wolken, aber die Kueste ist scheinbar immer sonnig. Mittags muss man die Klimaanlage anwerfen, weil man sonst zerfliesst. Allerdings kann man den Hang hinter uns kaum einen Berg nennen. Die Berge steigen hier so gemaechlich an, dass man sie eigentlich immer nur als maessig steile schiefe Ebene wahrnimmt. Kaum zu glauben, dass die hoechsten Punkte der Insel ueber 4000 Meter hoch sind. Naja, wenn eine schiefe Ebene nur lange genug steigt, wird sie am Ende doch noch ein richtiger Berg. Der Besuch des Mauna Kea ist auf morgen verschoben.
Natuerlich haben wir uns auch den heutigen Sonnenuntergang nicht entgehen lassen. Wir haben es zu Fuss nur drei Minuten ans Wasser. Diesmal haben wir uns auf scharfkantigen, schwarzen Lavagestein platziert und den etwas ins Violette spielenden Sonnenuntergang bewundert. Es ist immer wieder ein majestaetischer Anblick.
Beim Schlendern durch die Souverniershopmeile, schauten wir kurz einer Senioren-Hula-Gruppe zu, die reichlich unprofessionell aber mit Begeisterung ein paar Lieder und Taenze zum Besten gaben. Dann goennten wir uns ein quietschbuntes Shave-Ice. Zwar gibt es die mit Sirup in einer Million Geschmacksrichtungen, aber es schmeckt eigentlich immer nur suess. Die Souvenirs hier scheinen uebrigens ausschliesslich in China hergestellt zu werden. Ja, auch meine Ukulele! Man muss sich das mal vorstellen: Da sitzen in China tausende kleine Chinesen, werkeln an Souvenirs fuer die ganze Welt und haben keine Ahnung, was sie da eigentlich abbilden. Da gibt es die Alaska-Abteilung, in der massenhaft schwarze Holzbaeren geschnitzt werden, daneben feilt ein anderer in der Deutschland-Abteilung an einem Modell des Frankfurter Roemer und wieder woanders werden Ukulelen zusammengeklebt, Eiffeltuerme sortiert, schiefe Pisa-Tuerme gestapelt und Ayers-Rocks gemeiselt. Das muss ein interessanter Anblick sein...