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Klimazonenrekord

08. September 2003

Heute sind wir...Nein, so geht das nicht. Ich kann diese Redewendung nicht mehr hoeren. Ist es denn nicht moeglich, mal einen Reisebericht, ohne das Woertchen "heute" zu schreiben? Also nochmal:

Obwohl kein Wecker gestellt ist, wachen wir vor 7:00 Uhr auf. Das muss mit der Hitze zusammenhaengen, kommt uns aber ganz entgegen, weil die Tage hier doch sehr kurz sind. Ausserdem haelt man es mittags am Strand einfach nicht aus. Da lohnt es sich, frueh aufzustehen.

Wir beschliessen eine etwas unkonventionelle Reihefolge fuer unserer Unternehmungen an diesem Tag. Erst fahren wir an einen Stand weiter noerdlich von Kailua, ein weiteres Strandjuwel, wie uns der Reisefuehrer versprochen hat. Wie sich herausstellt ist der Strand fast schon zu breit und ebenmaessig. Der Sand ist allerdings feinstes, weisses Pulver und er setzt sich unter Wasser auf diese Weise fort. So laeuft man in die harmlosen Wellen wie auf einem Samtteppich. Das Wasser ist klar wo kein Sand aufgewirbelt wird und unsere Fuesse herum schwimmen kleine Fische, die so neugierig sind, dass sie sich nicht von unserem Getrampel erschrecken lassen.

Um die Mittagszeit fahren wir wieder "nach Hause" und essen etwas. Dann starten wir Richtung "Volcano National Park", der sich im Sueden der Insel befindet. Auf dieser Fahrt wird uns erst wirklich klar wie big diese Big Island tatsaechlich ist. Es sind fast 160 Kilometer bis zum Parkeingang und von dort aus nochmal 30 km bis zu der Stelle, von der aus man gluehende Lava sehen soll. Im Auto ist es anfangs ohne auf aeusserste Froststufe gestellte Klimaanlage nicht auszuhalten. Die Strasse kurvt tropisch gruene Haenge hinauf und wieder hinab, dann wieder fuehrt sie schnurgerade durch schwarze Lavastroeme. Wir brauchen zwei Stunden bis zum Parkeingang.

Der Park liegt ueber 1500 Meter hoch, es nieselt bestaendig und als wir aus dem Auto steigen, faehrt uns ein kalter Wind in die Glieder. Willkommen in einer anderen Klimazone. Von 15 Klimazonen, die es geben soll, kann man auf der Insel 11 antreffen. Das ist natuerlich wieder ein Rekord. Ich versuche nachzurechnen, wieviele davon wir heute durchquert haben.

Der Rundweg, den wir uns ausgesucht haben, fuehrt erst durch dichten Farnwald am Rand eines Kraters entlang. Dann steigen wir in den Krater hinab und betreten schwaerzenstes Lavagestein. Der Krater ist vor etwa 40 Jahren mit Lava vollgelaufen, die dann erkaltet ist. Der Weg fuehrt uns direkt ueber diese eben Flaeche, die wie aus einzelnen metergrossen Platten zu bestehen scheint, die eine Kruste bilden, die hie und da aufgebrochen ist. Aus den Rissen steigt warmer Dampf und dort haben sich weisse Ablagerungen niedergeschlagen. Uns blaest ein fieser, kalter Wind entgegen. Es nieselt uns waagrecht ins Gesicht und wir frieren. Wir frieren! Das Gefuehl kennen wir schon gar nicht mehr, stellen aber fest, dass wir es nicht wirklich vermisst haben. Ich muss staendig die Brille abwischen, weil ich nichts mehr sehen kann. Danach ist sie verschmiert und ich sehe nicht viel mehr. Es ist wahrlich ungemuetlich. Hinter uns wird die Sonne von duennen Nebelschwanden verdeckt und mit dem aufteigenden Dampf zusammen, koennte die Kulisse aus einem gruseligen Godzilla-Filmstammen. Wir warten unwillkuerlich auf eine gewaltige Pranke, die neben uns auf dem Boden donnert. Nach einem Anstieg durch Farnwald zurueck zum Parkplatz sind wir gut durchgefeuchtet.

Ich haette Kirsten fast ausgelacht, als sie ihren duennen Pullover einpackte. Jetzt lache ich nicht mehr. Das feuchte Hemd muss ich ausziehen und als Tarzan Auto fahren. Wir drehen die Heizung auf. Ehrlich! Endlich wird uns wieder warm.

Es daemmert langsam und genau das hatten wir beabsichtigt. Wir fahren noch die letzten 30 Kilometer bis zu dem Punkt, an dem die Strasse gesperrt ist, weil sie wenig spaeter von der Lava verschuettet wurde. Es wird schnell dunkel und am Hag vor uns koennen wir einzelne rotguehende Punkte ausmachen. Wie wir erfahren kann man von hier aus auch noch naeher an die Lava laufen, aber es ist nochmal ein Marsch von 2-3 Stunden und wir sind einfach zu fertig. So setzen wir uns auf erhoehtes Lavagestein und schauen auf die in der Ferne gluehende Lava und den Vollmond, der auf das Meer scheint.

Die Rueckfahrt ist lang und quaelend. In der Dunkelheit ist die Fahrerei natuerlich viel anstrengender und auf einigen Abschnitten regnet es zusaetzlich noch. Wir sind jedoch trotzdem nach weiteren 2 1/2 Stunden zu Hause. Die Heizung konnten wir schon bald wieder abstellen und zurueck in unserer Wohnung schwitzten wir schon wieder und mussten erstmal die Kuehlanlage wieder anwerfern. Eins steht fest. Bei der bevorstehenden Fahrt zum Mauna Kea werden wir alle Klamotten einpacken, die wir greifen koennen.