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It's good to be full

31. August 2003

Gestern haben wir beim Zappen zufaellig in eine Rede des ehemaligen Gouverneurs von Illinois reingeschaltet. Das ist der, der kurz vor Ende seiner Amtszeit, alle Anwaerter auf die Todesstrafe in seinem Staat pauschal begnadigt hat. In der Rede hat er diese Aktion verteidigt und auf die Missstaende hingewiesen. Wieder hat uns ueberrascht, was hier alles in voller Breite im TV gezeigt wird. Die berichten hier schon ueber alles. Nur nimmt es wahrscheinlich keiner wahr. Die Aufmerksamkeitsspanne der Amerikaner fuer Nachrichten ist bestimmt noch viel kuerzer als unsere. Die Rede war eindrucksvoll, aber wohl leider vergeblich. Wir haben im Time-Magazin gelesen, dass zwar die Mehrheit der Amerikaner das Justizsystem fuer fehleranfaellig haelt, aber trotzdem eine Mehrheit fuer die Todesstrafe ist. Davon einmal abgesehen wie man ernsthaft daran glauben kann, dass keine Fehler gemacht werden, schliesslich gibt es immer wieder Berichte darueber. Man muss sich das vorstellen: Da gibt es einen gewissen Prozentsatz von Leuten, die wissen, dass Unschuldige hingerichtet werden und die trotzdem fuer die Todesstrafe sind. So ein Ausmass von Zynismus ist mir absolut unbegreiflich. Und so wird auch die Aktion des mutigen Gouverneurs vergeblich bleiben. In so einem Land wollte ich nicht leben.

Noch ein Beispiel: Zu einem anderen Zeitpunkt haben wir in die Rede eines Senators reingehoert, der sich ueber Energiepolitik verbreitet hat. Bis zur Haelfte seiner Rede konnte man seinen Aussagen voll zustimmen. Da ging es darum, dass die Amerikaner viel Energie verbrauchen. Alles richtig beobachtet, aber anstatt die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen, war seine einzige Forderung, man muesse halt mehr Kraftwerke bauen, um sich so vom Oel der Araber unabhaengig zu machen. Naja, inzwischen haben sie sich ja auf andere Weise davon unabhaengig gemacht. Aber Energie sparen war keine Option. Das Wort kam in keinem Satz der Rede vor und ich zweifle nicht, dass der gute Mann ueberhaupt nicht daran gedacht hat. Sparen ist keine Option in Amerika. Das sieht man ja ueberall. Je groesser desto besser, Autos, Eisbaellchen, Baeuche. Hier gibt es eine Werbung, da fragt ein gestandener Mann den anderen, was er denn gegessen habe und der antwortet mit einer Aufzaehlung der fettingsten Sachen, die man sich vorstellen kann. Danach fragt er zurueck und der andere meint, er haette ein Stueck Quiche gegessen. (Interessant dass es ausgerechnet Quiche ist, oder? Wahrscheinlich soll der Abscheu noch dadurch vergroessert werden, dass es franzoesisch klingt.) Daraufhin wir er ausgelacht und von einem Kind, das seine Geburtstagskerzen ausblaest, davongeweht. Der Slogan am Ende des Spots setzt dem ganzen dann noch die Krone auf: "Hungry Man (Das ist die Marke fuer dieses fettige Zeug) - It's good to be full!" Es ist gut vollgestopft zu sein, das koennte der Slogan der ganzen Nation sein.

Genug gelaestert. Heute haben wir uns wieder am Strand vergnuegt. Der Wellengang war wieder ausreichend stark, um sich umwerfen und herumwirbeln zu lassen. Auch die Wasser-Familie tummelte sich wieder im Wasser. Manchmal moechte man den Wellen Absicht unterstellen, wenn sie einen erst einsaugen, um einem dann so richtig eine ueberbraten zu koennen. Kyte hat mit ihrer Taucherbrille schon eine Menge Fische entdeckt. Erstaunlich, die so nahe am Strand zu finden.

Unsere nachmittageliche Suche nach einem Stueck Zitronenkuchen war leider ein Schlag ins Wasser. Stattdessen haben wir uns ein Eis geteilt. Selbst so war es uns zu viel, weil wir schon vor Ende des Eises am Ende, also "full", waren. Es ist jedesmal wieder eine Gruselshow, die Gebaeckabteilung im Supermarkt naeher zu inspizieren. Was es da an Nuss-Creme-Zucker-Schokoladen-Frucht-Zucker-Erdnussbutter-Marzipan-Ei-Zucker-Torten gibt uebertrifft jede Vorstellung.

Unglaublich aber war: Heute stellen wir uns den Wecker, um morgen frueh zu unserer Tour zu starten. Morgen ist Labour-Day und vielleicht entgehen, wir so dem groessten Trubel auf dem Wanderweg.