Zwischen Kueste und Canyon |
30. August 2003
Heute Morgen haben wir verschlafen und sind erst um 7:30 Uhr wach geworden. Im Ernst, wenn man hier eine laengere Wanderung machen will, muss man frueh raus. Mittags wird die Hitze einfach so gross. Also sind wir etwas in Hektik geraten. Auf der Fahrt in den Sueden der Insel haben wir uns dann wieder etwas locker gemacht und uns vorgenommen erst vor Ort zu entscheiden, ob wir den Trail gehen oder es lassen.
Nach 45 Minuten hatten wir Waimea erreicht, der Ort, an dem die Strasse in den Waimea-Canyon beginnt. Wieder einmal mussten wir feststellen, dass die Insel doch gar nicht so klein ist. Von Waimea aus fuehrt die Strasse 19 Meilen bis fast an die Westkueste Kauais. Mit ein paar Kurven schwingt sie sich gleich den Hang hinauf und man hat einen wunderbaren Blick ueber Waimea, es sollten nicht die einzigen bleiben. Die Erde scheint hier im Sueden noch roter zu sein, dunkelrot, wenn sie feucht ist, fast orange, wenn sie trocken ist.
Danach fuehrt die Strasse immer hoeher an der Westseite des Canyons entlang. An der Strasse sind immer wieder Ausbuchtungen wo man halten und schauen kann. Dann auf 1000 Meter hat man den ganzen Canyon vor sich und kann verstehen, warum er als Grand Canyon des Pazifik bezeichnet wird. Zwar ist er nicht ganz so gewaltig wie sein Vorbild, aber beeindruckend genug. Wir standen und staunten darueber, dass es so einen riesigen Canyon auf so einer kleinen Insel geben kann.
Weiter ging die Strasse in den Kokee-State-Park, der sich an den Canyon anschliesst. Nach ein paar Meilen endet die Strasse an einer steile Klippe, von der aus man ein Stueck der beruehmten Na Pali Kueste auf der Westseite der Insel sehen kann. Dieser Anblick war nun wahrlich unvergleichlich. Man steht am Abschluss eines langezogenen gruenen Tals, das sich vom Meer landeinwaerts zieht und immer hoeher schwingt. Rechts und links ist es eingefasst von Bergflanken. Es sieht so aus, als haette jemand eine talgrosse Kerbe in eine senkrechte Klippe geschlagen. Die Bergflanken sind mit dichter Vegetation ueberwachsen und werfen elegante Falten wie ein Vorhang. Das Ganze ist wieder ein Fest der Farben: rote Erde, gruene Vegetation und weit unten das gruen-blaue Meer, von dem die weisse Gischt der Wellen bis zu uns hochblinkt.
Die Strasse ging noch eine Meile an der Klippe entlang, war aber gesperrt. Wir machten uns zu Fuss auf dem Weg und erreichten einen weiteren Aussichtpunkt auf dieses grandiose Naturschauspiel. Zum Glueck sorgten viele Wolken immer wieder fuer Schatten, waehrend die Sonnenflecken unten im Tal ganz besonders hell leuchteten. Zu unserer Ueberraschung schloss sich an den Aussichtpunkt noch ein Pfad an, der sich noch weiter an der Klippe entlangzog. Wir gingen noch eine Meile und kehrten dann um, weil wir das Wasser im Auto gelassen hatten. Zurueck am Auto schuetteten wir beide einen Liter Wasser in uns rein und mampften die Kaese-Bagel, die wir mitgenommen hatten.
Die Fahrt zurueck dauerte 1 1/2 Stunden und damit hatten wir fuer heute genug. Morgen nehmen wir uns wieder einen Tag frei und am Montag stellen wir uns den Wecker fuer eine Wanderung entlang der Na Pali Kueste, die wir diesmal von Norden her angehen.