Erdbeer-Guaven auf dem schlafenden Riesen |
28. August 2003
Wir haben die Tour auf den Sleeping Giant ueberlebt. Auf halbem Weg musste ich jedoch anhalten, weil mein Kreislauf nicht mehr ganz rund lief. Erst als ich das T-Shirt auszog, konnten wir weiter. Schon um 8:00 Uhr sind wir los. Der Anfang des Weges war wieder schwer zu finden. Die Hawaiianer haben es nicht so mit Schildern. Aber diesmal hatten wir mehr Glueck als am Diamond Head.
Der Pfad fuehrte erst ueber eine Wiese und dann in den Wald hinein. Unvermittelt wurde es wieder dunkel, als wir durch einen Tunnel wild wuchernder Vegetation gingen. Ein Schauer erwischte uns dann unter hohen Pinien, aber bis dahin waren wir sowieso schon nass geschwitzt und der Regen war uns als Erfrischung willkommen. Der dunkle, lehmige Pfad wurde etwas glitschig auch durch die vielen roten Fruechte, die sich auf ihm in Matsch verwandelten. Ein suesser Duft hing in der Luft, fast schon alkoholisch und die Luftfeuchtigkeit erreichte Rekordwerte. Wir schwammen weiter bergauf. Bei den Fruechten handelte es sich um Erdbeer-Guaven, wie uns der Reisefuehrer mitteilte. Sie sehen wie kirschgrosse Granataepfel aus und schmecken wie eine Mischung aus Erd- und Brombeere. Koestlich! Wir stopften uns damit voll und kamen uns vor wie im Schlaraffenland. Aus einem T-Shirt machten wir einen Beutel, den wir auch noch fuellten.
Da der Weg im wesentlichen durch den Wald fuehrte, waren wir der Sonne nicht direkt ausgesetzt, die nach dem Schauern wieder schien, wenn sie nicht von Wolken verdeckt wurde. Auf dem etwa 300 Meter hohem Gipfel hatten wir einen sagenhaft schoenen Blick auf die Ostkueste von Kauai, wo wir sogar unser Hotel ausmachen konnten. Auf der anderen Seite blickten wir ueber Felder und Wiesen auf die Berge des Inlandes, von denen einer wie immer in Wolken war. Laut Reisefuehrer handelt es sich dabei um den nassesten Ort der Welt, an dem es 350 Tage im Jahr regnen soll. Wahnsinn. So viele Gruenschattierungen, wie wir da vor Augen hatten lassen sich ueberhaupt nicht aufzaehlen.
Der Abstieg entwickelte sich zu einer Lektion in Botanik. Wir haben unzaehlige Fruechte gesehen, die wir oft gar nicht kennen. Identifiziert haben wir Papaya, Avocado, Kokosnuesse, Erdbeer-Guaven, andere Guaven und Limonen, wobei bei einigen interessant ist, mal zu sehen wie sie eigentlich wachsen. Oder weiss jeder ausser uns Banausen, dass Papaya an einer Art Palme wie Kokosnuesse wachsen? Diese Insel quillt scheinbar foermlich ueber vor Fruechten.
Die Tour war genaugenommen nur ein Spaziergang. Ein Mann kam uns mit seinem Hund, einem Husky (!) entgegen und fuehrte den scheinbar einfach auf diesem Weg aus. Der Hund keuchte ganz entsetzlich, aber scheinbar haben die Hawaiianer eine Schwaeche fuer Huskies, denn gestern haben wir am Supermarkt auf einem Zettel gesehen, dass ein solcher Hund entlaufen sei. Kein Wunder, der hat sich doch bei der Hitze im Meer ertraenkt! Es grenzt ja an Tierquaelerei, die hier zu halten. Wie wir eine laenger Tour ueberstehen sollen, wissen wir noch nicht, aber es ist die Anstrengung eben auch Wert.
Den Rest des Tages liegen wir wieder faul am Strand rum. Wenn es uns zu warm wird gehen wir auf's Zimmer. Im TV laeuft eine alter Schwarzweiss-Schinken mit Spencer Tracy und Katherine Hepburne. Wir lesen wie die Weltmeister und sind in Englisch fast schon so schnell wie in Deutsch. (Allerdings ist Kyte zuletzt an einem Roman von Annie Proulx gescheitert. Richtige Literatur ist wohl doch etwas anderes als der Science Fiction Kram und die Krimis, die wir bisher gelesen haben. Hier wird man uebrigens mit SF und Fantasy in den Buchhandlung foermlich ueberschwemmt. Das findet hier ein viel groesseres Publikum als in Deutschland. Ich muss mich mit schon bremsen, damit ich nicht zu viel davon kaufe.) Heute machen wir uns Schnitzel, die haben wir uns verdient. Ansonsten lauschen wir der Stille hier und kommen langsam runter von dem Tempo, auf das uns die vielen Staedte wie Vancouver, Seattle und speziell San Francisco und Waikiki beschleunigt haben. Ganz schoen dekadent, was?