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Wunderbar kitschig

24. August 2003

Die Tage sind hier ungewohnt kurz. Seit Alaska sind wir spaete Sonnenuntergaenge gewohnt und auch in Vancouver oder San Francisco war es um 20:00 Uhr noch hell. Hier ist um 19:00 Uhr Schluss und schon eine halbe Stunde vorher geht der Tag langsam zu Ende. Das laesst einen machmal etwas in Hektik verfallen. Schnell, schnell, oder wir verpassen den Sonnenuntergang! Und dass man hier keinen Sonnenuntergang verpassen sollte, haben wir wieder heute gesehen. Immer wenn man denkt, es ginge nicht noch schoener, wird es...noch schoener. Heute waren so viele Wolken im Spiel, dass der Himmel nach Untergang der Sonne blutrot wurde. Schrecklich kitschig, schrecklich schoen. Dann hat man dieses Bild, das man automatisch im Kopf hat, wenn man an Hawaii denkt, direkt vor Augen: Palmen vor blutrotem Sonnenuntergang. Hawaii ist ein Klischee, das Realitaet geworden ist, oder die Realitaet hier ist andernorts zum Klischee geworden.

Heute war auf den Strassen und am Strand irgendwie noch mehr los als sonst schon. Wir waren zwischenzeitlich ziemlich genervt von den ungeheuren Menschenmassen. Bevor wir zum Strand aufgebrochen sind, haben wir uns zwei neonfarbene Plastik-Rettungsringe gekauft. Damit haben wir uns dann als entpannte Schiffbruechige auf den Wellen treiben lassen. Herrlich. Die Sonne schien die ganze Zeit durch einen Wolkenschleier, aber selbst so war es kaum auszuhalten. Am Strand gibt es kaum Schatten und so bleibt einem nur die Flucht zurueck ins Zimmer.

Heute Nachmittag sind wir dann ins groesste Shopping-Center von Waikiki gegangen. Das war ein Fehler. Noch mehr Menschenmassen, ein Food-Court (Eine Ansammlung von Fast-Food-Restaurantes, die in jedem Shopping-Center unvermeidlich scheint.), der so gross war, dass man ihn nicht ueberblicken konnte und genauso teure Bikinis wie in den kleinen Shops in Waikiki. Kyte war frustriert und ich hatte Hunger und musste schlimme Spaghetti mit grauslichen Meatballs essen. Der Sonnenuntergang hat uns wieder mit dem Tag versoehnt.

Morgen werden wir versuchen, den Rueckflug von Big Island nach Honolulu einen Tag vorzuziehen, damit wir hier in dem Hotel wieder das "Drei Tage zahlen, den vierten Tag umsonst"-Angebot wahrnehmen koennen. Selbst wenn die Umbuchung etwas kostet, sollte sich das lohnen.

Im Moment sitzen wir Wein schluerfend auf unserem Balkon; fast wie zu Hause. Fast. Die anderen Hotelhochhaeuser haben sich in Weihnachtsbaeume verwandelt, ein angenehm frischer Wind laesst unsere vom Hotel geliehenen Handtuecher am Balkongelaender wehen. Auch im vierten Stock hoert man noch Stimmengewirr auf der Strasse unten. Irgendwo spielt Musik, wie hier immer irgendwo Musik zu spielen scheint. Die bis in den fuenften Stock wachsenden Palmen wiegen sich im Wind und ihre Palmwedel rascheln. Man kann es aushalten auf Hawaii.