Auf dem Grouse Mountain |
13. August 2003
Heute ist der Dreizehnte und das bedeutet, dass wir nun seit vier Monaten unterwegs sind. Reisemuedigkeit ist kein Thema, im Gegenteil, wir bekommen langsam Routine. Hier in dieser Stadt reisemuede zu werden, ist auch eher unwahrscheinlich. Dazu gibt es viel zu viele Dinge zu sehen.
Als wir heute Morgen aufstanden, schien schon die Sonne und wir beschlossen: Das ist der richtige Tag fuer den Grouse Mountain. Der Berg erhebt sich hinter Nord-Vancouver auf immerhin 1000 Meter und ist als Aussichtpunkt wie geschaffen. Zwar fuehrt eine Seilbahn hinauf (Von Schweizern konstruiert, wie immer erwaehnt wird, wohl weil das irgendwie vertrauenerweckend klingt.), aber die ist sauteuer und ausserdem wollten wir uns mal wieder ernsthaft bewegen. So sind wir mit dem Bus zur Waterfront gefahren und dort in den Seabus, eine flache, quadratische Faehre, umgestiegen. Auf dem Nordufer fuhr dann ein Bus bis zur Talstation der Seilbahn. Die Busfahrerin kuendigte schon beim Einstiegen in Kommandoton an, dass sie die wichtigsten Stationen ansagen wuerde und liess noch ein paar Sprueche ab, die verdeutlichten, dass ihr die staendige Fragerei der Touris auf den Keks ging und sie deshalb alle Antworten gleich am Anfang gab, um dem zuvorzukommen.
Nachdem wir den Anfang unseres Trails gefunden hatten, ging es los. Mir schwante ja schon, dass eine Strecke von 2,9 Kilometer, auf der knapp 800 Hoehenmeter ueberwunden werden, nichts Gutes verheisst, aber die Wirklichkeit war noch krasser. Der gesamte Weg fuehrte durch den Wald, was unser Glueck war, denn sonst haetten wir es niemals geschafft. Fast der gesamte Weg bestand aus Treppenstufen, die entweder von Steinen, Wurzeln oder kuenstlich angelegt worden waren. Es war moerderisch, aber wir haben es in grandiosen 81 Minuten geschafft! Danach konnten wir allerdings unsere T-Shirts auwringen. Die Aussicht war wie versprochen ausserordentlich, wenn auch sehr viel Dunst ueber der Stadt lag. Die Bergstation entpuppte sich als weitlaeufige Anlage. Im Winter dient der Berg als Skigebiet. Ein Hinweisschild zum Grizzly-Habitat machte uns neugierig. Und tatsaechlich hatten Ranger zwei Grizzly-Baeren in einem Gehege mit einem kleinen Teich untergebracht. Vernutlich haetten sie die Baeren aus irgendeinem Grund sonst erschiessen muessen und haben sich fuer diese Loesung entschieden. Erst plantschte nur ein Baer im Tecih und spielte mit einem Baumstumpf, den er unter Wasser halten wollte. Dann kam sein Kumpane aus dem Gebuesch und die beiden lieferten sich einen spielerischen Kampf. Wir waren aeusserst beeindruckt. So nah wollten wir Baeren in freier Wildbahn niemals kommen. Auf diese Weise endlich einmal diese grossartige Tiere zu sehen, war ein schoenes Erlebnis.
Die Talfahrt mit der Gondel kostete laengst nicht soviel wie die Bergfahrt und so liessen wir uns auf die bequeme Art wieder ins Tal bringen. Den Nachmittag verbrachten wir wieder am Strand der Englisch-Bay und haben uns sogar ins eisige Wasser des Pazifik getraut! Diese Erfrischung hatten wir auch bitter noetig.