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Rollie und Kyte als Faehren-Entfuehrer

02. August 2003

Der Pub gestern war ein echter Knaller. Er war, sagen wir mal, hoechst authentisch. So viele Typen mit Gummistiefeln, schlabberigen Klamotten, langen ungepflegten Haaren und zauseligen Vollbaerten habe ich noch nie auf einem Haufen gesehen. Die Band spielte, was halt so eine Band in einem Pub im hintersten Winkel Alaskas so spielt und die Harmonien waren so vorhersehbar, dass wir glatt haetten mitsingen koennen. Kurz dachten wir noch daran, hier unseren Yukon-Song zum Besten zu geben, aber hielten uns dann doch zurueck.

Wieder sind wir mit der Faehre unterwegs, diesmal Richtung Wrangell, wo vermutlich die Jeans herkommt. Wir haben die Wrangell-Narrows schon durchfahren, eine hoellisch enge Passage zwischen zwei grossen Inseln. Die Faehre kurvte zum Teil so eng um die Signalbojen, das glatt etwas Seegang aufkam. Sonst ist das Meer hier ja ruhig wie ein See. Die Inseln schuetzen einen Grossteil der Inside-Passage so effektiv, dass man gar nicht das Gefuehl hat, wirklich ueber das Meer zu fahren.

Rollie und Kyte haben ihren naechsten Coup gut vorbereitet und werden die Faehre entfuehren. Auf die Idee ist bestimmt noch keiner gekommen.

*

Wrangell ist ein kleines Kaff, dessen Haeuser den Hang um eine kleine Bucht herum sprenkeln. Hier ist nicht alles komplett auf Fischerei eingestellt wie in Petersburg und es stinkt auch nicht dauernd nach Fisch. Aber hier liegen eben auch Krabbenscheren auf dem Parkplatz herum und der Supermarkt bietet eine bessere Aussicht auf's Meer als unser Hotel, das ausserdem gleichzeitig eine Waescherei ist. Was soll's, so ist das halt hier. Wir haben etwas fuer unsere Bildung getan und uns die Spuren indianischer Ureinwohner an den Felsen am Strand angeschaut. Dort haben die naemlich sogenannte Petroglyphen in die Felsen gekratzt. Das meiste sind Spiralen, die genausogut auch in Australien an einem Felsen gemalt sein koennten. Sehr schoen, sich diese uralten Zeichen anzuschauen und dabei auf's Meer zu blicken, und die bewaldeten Inseln, in deren Berge die ueblichen dramatischen Wolken haengen.

Man kann gar nicht zaehlen wie oft es heute geregnet hat, nicht in einem durch, sondern immer durch leidlich trockene Phasen unterbrochen. In der Faehre hatten wir uns zuerst in den Raum mit den grossen Flugzeugsesseln gesetzt, weil das der einzige ist, in den man offiziell sein Gepaeck mitnehmen kann. Dann aber fing ein Film an, der auf zwei grossen Fernsehern gezeigt wurde. Der Ton plaerrte dabei aus Lautsprechern, die in die Decke integriert waren und an Lesen oder gar ein Nickerchen war nicht mehr zu denken. Wir sind dann wieder ins Solarium gefluechtet, in dem wir diesmal nicht gebraten wurden und unsere Ruhe hatten.

Rollie und Kytes Faehrentfuehrung war nicht von Erfolg gekroent. Als sie die Faehre in ihrer Gewalt hatten, fragte der Kapitaen, welchen Kurs er setzen sollte. Rollie und Kyte forderten, die Faehre nach Hawaii umzuleiten. Der Kapitaen beteuerte, das sei unmoeglich. Als Kyte ihn zum Schweigen gebracht hatte, nahmen sie das Steuer selbst in die Hand, mit dem Ergebniss, dass sie sich zwischen den zahllosen Inseln der Inside-Passage hoffnungslos verirrten. Schliesslich gaben Rollie und Kyte auf und mischten sich wieder verstohlen unter die Faehrengaeste.