Seemansgarn |
31. Juli 2003
Gestern waren wir in einem kleinen Fisch verarbeitenden Betrieb und haben uns von der Besitzerin erklaeren lassen, mit welchen Schwierigkeiten so ein kleiner Betrieb zu kaempfen hat, um gegen die grossen zu bestehen. Ausserdem haben wir natuerlich viel ueber Lachsverarbeitung gelernt und gesehen. In dem Betrieb werden Fische geraeuchert und eingedost. Am Ende durften wir ein paar Proben naschen. Koestlich!
Da wir hier sehr nahe am Hafen wohnen, habe ich heute morgen beim Kaffee holen schon einen leichten Fischgeruch in die Nase bekommen. Aber das passt hier eben auch hin und stoert eigentlich nicht weiter. Als Einheimischer riecht man das vermutlich gar nicht mehr. Einheimische kann man uebrigens an den braunen Gummistiefeln erkennen, die sie nie auszuziehen scheinen. In Alaska werden zur Zeit Rekordmengen an Fisch gefangen und sie muessen hier schon Arbeiter aus anderen Teilen der USA einfliegen, um alles verarbeiten zu koennen. Von der Oelkatastrophe der Exxon Valdez ist dabei nicht mehr die Rede. Keine Ahnung, ob sich wirklich alles wieder erholt hat.
Wir haben wieder einen laengeren Spaziergang unternommen. Kurz nach der letzten Haeuserzeile beginnt abrupt ein sumpfiges Marschland. Um es gangbar zu machen, hat man Schotter augeschuettet und einen Pfad angelegt. Teilweise geht man ueber Stege. An der Kueste angekommen, sind wir auf der Strasse weitergegangen und haben die Haeuser bewundert. Man ist hier immer wieder ueber vereinzelte sehr gelungene Gebaeude erstaunt. Denn wie haben wiir irgendwo gelesen "In Alaska gibt es zwar viele Archtekten, aber keine Architektur.". Umso erfreuter ist man ueber die Ausnahmen. Die Haeuser sitzen zum Teil nur wenige Meter vom Ufer entfernt und schauen ueber einen Kanal der Inside-Passage auf schneebedeckte Berge auf der anderen Seite. Hier ist das Meer wahrscheinlich wegen der vielen schuetzenden Inseln so ruhig, dass man sich einen so knappen Abstand leisten kann.
Wir haben uns eine Dose geraeucherten Lach gekauft, die wir heute noch verspeisen werden. Vielleicht gehen wir noch in den Pub um die Ecke und trinken ein lokales Bier. Dann koennen wir mit den Fischern Seemansgarn spinnen: "...und als ich ihn dann aus dem Wasser zog, sah ich, dass er soooooo gross war!".