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Norwegisch-Alaska

30. Juli 2003

Die Fahrt mit der Faehre war gestern noch sehr interessant. Gegen Mitternach leerte sich die Lounge, in der wir uns niedergelassen hatten und die Leute zogen sich in ihre Kabinen zurueck. Das Licht wurde ausgeschaltet und damit Lesen fast unmoeglich gemacht. Ich hatte mir vorgenommen, nicht zu schlafen, sondern bis Petersburg auszuhalten. Also tigerte ich auf de Schiff herum. In der Abenddaemmerung hatte man noch einige Male Wale beobachten koennen. Einer war naeher als alle, die wir bisher gesehen hatten! Aber jetzt war es auch draussen sehr dunkel. Ich stellte mich an die Frontfenster und versuchte mir vorzustellen, wie der Kapitaen das Schiff auf Kurs hielt. Aber die Strecke zwischen den vielen Inseln ist mit so vielen Lichtern markiert, dass das wohl kein Problem ist. Ab und zu flammte ein Flakscheinwerfer auf, schickte einen eng gebuendelten, grellweissen Strahl in die Nacht und suchte nach Wegmarkierungen, um kurz darauf sofort wieder ausgeschaltet zu werden. Klaenge hinter mir irritierten mich, aber dann sah ich, dass sich der Barmann der mittlerweile geschlossenen Bar, in die ich mich vorher kurz zum Lesen gesetzt hatte, eine Gitarre gegriffen hatte und leidenschaftlich spielte und sang - ganz fuer sich allein. Die Bar war so gut gedaempft, dass man es nur ganz leise hoeren konnte. Seltsame Atmosphaere: Vor mir ein Meer von Positionslichtern und Inseln, die als dunkle Schatten gerade noch zu erkennen waren und hinter mir der einsame, singende Barmann. Ich konnte beobachten, wie der Kapitaen mit dem Scheinwerfer ein Positionslicht anstrahlte, das daraufhin erlosch. Scheinbar reagieren die auf Licht, und wenn sie ausgedient haben, schaltet man sie auf diese Weise aus, damit das naechste Positionlicht nicht ueberstrahlt wird. Dann kam langsam Petersburg in Sicht und es sah aus, als laege ein bunter Weihnachtsbaum quer auf dem Wasser. Langsam tastete sich die Faehre an die Anlegestelle. Ich weckte Kirsten auf und wir stolperten muede von Bord. Ausser uns verliessen nicht viele Leute das Schiff und wir fragten uns schon, in welcher gottverlassenen Gegend wir nun schon wieder gelandet seien. Es war kein Shuttlebus in Sicht, wir mussten den Terminal-Manager bitten, uns ein Taxi zu rufen. Im Hotel angekommen, wurden wir von einem ebenso mueden Menschen empfangen und schliesslich in ein Zimmer gefuehrt, das zwar sehr gross war und einen Fernseher von der Groesse einer Kinoleinwand hatte, aber genausogut im Keller haette liegen koennen. Etwas frustriert legten wir uns endlich schlafen.

Heute Morgen nach leidlichem Schlaf, kamen wir zu spaet zum Fruehstueck und bekamen nur auf Nachfrage noch ein paar klebrige Muffins. Zum Glueck war es moeglich, unser Zimmer gegen ein kleineres im ersten Stock und mit Blick ueber die Strasse zu tauschen. Jetzt wissen wir wenigstens ob es Tag oder Nacht ist. Verblueffenderweise scheint sogar die Sonne und wir gingen gleich auf Entdeckunstour.

Petersburg ist ein Ort, der von Kopf bis Fuss auf das Fischen eingestellt ist. Hier gibt es keine Anlegestelle, die tief genug fuer die grossen Kreuzfahrtschiffe ist und so ist der Tourismus hier noch nicht so ausgepraegt wie anderswo. Das laesst sich allein schon daran festmachen, dass die Hauptstrasse nicht ausschliesslich aus Souveniershops besteht, sondern Laeden, die Dinge verkaufen, die man hier tatsaechlich braucht. Der Ort wurde vor fast hundert Jahren von einem Norweger gegruendet und man kann noch heute ueberall Bezuege darauf sehen: norwegische Fahnen, Haeuser in norwegischem Stil und eine Versammlungshalle fuer den Norweger-Club, wo heute Bingo-Abend ist. Wenn man die Landschaft um Petersburg betrachtet ist leicht zu verstehen, dass sich Norweger hier fast wie zu Hause fuehlen muessen.

Wir fuehlen uns in unserem neuen Zimmer auch ganz wohl und werden erst Samstag Mittag weiterfahren.