Inseln im Nieselregen |
26. Juli 2003
Die Nacht auf der Faehre war so lala. Zwischendurch traeumte ich zwar, ich sei eine Bratwurst und flehte darum, dass mich jemand vom Grill nehme, da ich laengst durchgebraten sei, aber sonst ging es. Wir haben immerhin ein paar Stunden schlafen koennen. Die Faehre legte schon um 5:30 Uhr, einer absolut unchristlichen Zeit, am Faehrenterminal in Sitka an. Ein Shuttle-Bus brachte uns zu unserem B&B. Wir trauten uns erst nicht, den Vermieter aufzuwecken und standen etwas unschluessig auf der Terrasse, die einen schoenen Blick auf das Meer und die vorgelagerten Inseln bietet. Ein Nachbar, der uns dort stehen sah, nahm uns das dann kurzentschlossen ab und klingelte einfach. Der etwas verstrubbelte Vermieter oeffnete schliesslich die Tuer und liess uns ein.
Leider liegt das B&B 5 km ausserhalb der Stadt und deshalb warteten wir mit dem Fruehstueck, bis der Vermieter selbst dorthin fuhr und uns mitnehmen konnte. Nach einer Dusche waren wir dann auch wieder soweit hergestellt, dass wir uns in der Oeffentlichkeit sehen lassen konnten.
Sitka ist ein ganz netter Ort. Viele schoene Holzhaeuser, eine russische Kirche, eine kleiner Hafen und schmale Strassen. Leider ist das Wetter ziemlich scheusslich. Es nieselt, ist aber nicht richtig kalt, deshalb schwitzt man mit Regenjacke und friert ohne. Ungemuetlich. Sitka liegt eigentlich an der Aussenseite der Inline-Passage auf einer grossen Insel und ist damit dem Pazifik direkt zugewandt. Allerdings hat man keinen Blick auf's offene Meer, weil auch hier noch unzaehlige kleine und groessere Inseln davor liegen, die man durch diesigen Nebel gerade noch erkennen kann. In Sitka hatten die Russen eine Siedlung und hier haben sie auch Alaska an die USA verkauft. Deshalb trifft man hier auf Schritt und Tritt auf Geschichtliches.
Die Entfernung des B&Bs von der Innenstadt erweist sich als echtes Hindernis. Hier gibt es naemlich nicht einmal einen Bus, jedenfalls nicht am Wochenende. Fahrraeder leihen verbietet sich bei dem Wetter von selbst und ist auch schweineteuer und Taxis sind es wahrscheinlich auch. Trotzdem wird uns heute Abend nichts anderes uebrig bleiben. Einmal am Tag diese Strecke bei Nieselregen laufen reicht vollkommen. Morgen werden wir in das Sitka-Hotel in der absoluten Stadtmitte umziehen und damit keine Probleme mehr haben.
Noch ein Wort zum amerikanischen Patriotismus. "Support our Troops"-, "United we stand"- und "Proud to be American"-Aufkleber sieht man an Autos staendig. Und in Anchorage hatte ungefaehr jedes dritte Haus eine Fahne draussen haengen. Hier sieht man sie auch und wir wohnen gerade in einem dieser Haeuser. Wir haben allerdings hier auch schon subversive, am Ende aber vergebliche "No war in Irak"-Aufkleber gesehen. Das Abgefahrendste allerdings war eine Reinigung, die Fahnen kostenlos reinigt! Na, wenn das nicht patriotisch ist...