Der schlaue Seeadler |
11. Juli 2003
Mittlerweile bin ich davon ueberzeugt, das es hier in Homer bei schlechtem Wetter viel interessanter ist als bei sonnigem. Wir sind heute den sanft ansteigenden gruenen Hang, an dem sich Homer ins Landesinnere erstreckt hochgefahren und haben das Panorama auf uns wirken lassen. Gegenueber die Bergkette mit schroffen spitzen Gipfeln, dem ein oder anderen Gletscher dazwischen und teilweise in Wolken, davor das Meer, die Katchemak-Bay, mit dem langestreckten Homer Spit darin und unter uns Homer selbst. Das kann sich bei jedem Wetter sehen lassen.
Als wir dort standen und schauten, kam ein grosser, alter Hund ueber die Strasse zu und heruebergeschlendert und schnupperte kurz an jedem von uns. Er hatte schon richtige Triefaugen und wirkte so friedlich, dass wir ihn spontan taescheln mussten. Die Amis sind total hundeverreuckt. Ich glaube hier hat jeder Haushalt mindestens einen Hund und nicht alle sind so friedlich wie der alte Kamerad. Er klaubte dann noch muehsam einen Stein auf und liess ihn in eindeutiger Absicht vor unsere Fuesse fallen. Auf meinen Wurf hin, rannte er tatsaechlich davon und holte ihn, atmete danach aber so asthmatisch, dass wir uns schnell verabschiedeten, bevor er uns noch unter den Haenden dort verendete und wir dafuer verantwortlich gemacht worden waeren.
Den Rest des Tages verbringen Rollie und Kyte mit der Planung den naechsten grossen Coups: Sie werden morgen den Homer Spit klauen. So eine Landzunge ist schon praktisch. Man hat auf ihr das Gefuehl, auf einer Insel zu sein, kann aber bequem mit dem Auto rueberfahren. Auf ihrer vom Meer abgewandten Seite kann man einen kleinen Hafen anlegen und mit den tausend Souveniershops richtig Geld machen. Rollie und Kyte werden die Landzunge dann in Hawaii wieder verchecken. Die koennen sowas bestimmt prima gebrauchen. Endlich reich! Von wegen Goldrausch, Landrausch muesste es heissen!
Beim abendlichen Strandspaziergang landet dann ein Seeadler 100 Meter vor uns uns setzt sich auf einen Stein. Wir gehen vorsichtig naeher und er bleibt gelassen sitzen und beaeugt uns. Er ist riesig. Ein weisser Kopf ruckt auf einem mit braunem Gefieder bedeckten Rumpf hin und her. Wir koennen die gelben Krallen sehen, mit denen er sich an den Felsen klammert. Als wir ihm schliesslich zu nahe kommen, schwingt er sich majestaetisch in die Luft. Die Spannweite seiner Schwingen ist beeindruckend. 100 Meter weiter landet er wieder. Da wir in seiner Richtung weiter gehen wollen, kommen wir ihm wieder zu nahe. Er erhebt sich wieder, umkreist uns elegant und setzt sich wieder auf seinen alten Stein. Schlau, der Kerl. Wir lassen ihn in Ruhe und setzen unseren Spaziergang fort.
Im Restaurant erkennt uns die Bedienung wieder, die uns schon der Bibliothek mit den Computern geholfen hat. Ein Beispiel fuer die vielen Leute, die hier zwei Jobs haben. In der Bibliothek hat sie uns schon gesagt, dass sie erst kurz zuvor in Neu Isenburg gewesen sei. Jetzt erfahren wir, dass ihre Mutter sogar aus Frankfurt stammt. Wieder schuetteln wir die Koepfe ueber die ueberall vorhandenen Verbindungen nach Deutschland. Kommen denn alle Amerikaner aus Deutschland? Sind wir nicht alle ein bisschen...deutsch?