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Ein feierlicher Moment

09. Juli 2003

Heute Morgen um 6:00 Uhr wurden wir von unsere Zeltplatznachbarn geweckt. Wir hatten Pech und hatten wieder die hirnlose Sorte Menschen erwischt, die zu Ruecksicht von Geburt an unfaehig sind. So unterhielten sie sich laut uns raeumten geraeschvoll ihrer Siebensachen zusammen. Nachdem sie abgezogen waren, konnten wir zum Glueck noch zwei Stunden doesen.

Als wir das Zelt verliessen, strahlte schon wieder die Sonne und versuchte eifrig, den Morgennebel zu vertreiben, der im Fjord hing. Da wir diesmal nicht irgendwo im dunklen Wald versteckt zelteten, konnten wir diesen Anblick ausgiebig geniessen.

Wir fruehstueckten in einer Baeckerei, die es in kleinere Orten immer noch gibt. In einer grossen Stadt sind solche Laeden sehr schwer zu finden, oder von den grossen Maerkten verdraengt worden. Hier findet man sie noch. Natuerlich darf man dort kein Brot wie zu Hause erwarten. Aber manchmal gibt es koestliche suesse Stueckchen und Croissants. In Kanada haben wir oft auch deutsches Brot in Supermaerkten bekommen. Da gab es dann doppelt eingeschweisste Schnittbrot-Packungen mit Schinkenbrot und Pumpernickel, was auch in teilweise deutscher Schrift auf dem Ettiket stand. Komischerweise fanden wir das Brot aber immer in der Naehe der Frischwursttheke nicht beim sonstigen Knautschbrot.

Nach einer nicht allzu langen Fahrt sind wir in Homer eingetroffen. Kurz vor Homer haben wir noch in einer Drive-In-Esspressobude angehalten und dort einen erstklassigen Esspresso und einen Plausch mit der Besitzerin genossen. Wir erregen schon immer mal aufsehen mit unserem Nummernschild und sie Leute sind immer ganz begeistert, dass wir den ganzen Weg von Massatchusetts bis hierher gefahren sind.

Auf der Fahrt haben wir fast keine Berge mehr zu Gesicht bekommen und auf der Nordseite der Kenai-Halbinsel scheint es auch keine mehr zu geben. Auf einem kurzen Stueck kann man ueber das Cook-Inlet auf das Festland schauen und sieht dort schneebedeckte Vukane, von denen einer vor nicht allzu langer Zeit aktiv gewesen sein soll. Kurz bevor man dann Homer erreicht, oeffnet sich der Blick ueber das Meer auf eine lange Bergkette, die sich gegenueber der Stadt weit hinaus ins Meer zieht. Der Ort selbst liegt hingewuerfelt auf sanft ansteigenden gruenen Haengen und hat auf diese Weise ein Postkartenpanorama von Meer und Bergen vor sich liegen.

Wir haben gleich eine kleine, nette Pension gefunden und sogar von unserem Zimmer aus einen Blick auf das Meer. Das Zimmer liegt im ersten Stock am Ende eines Gangs und dort befindet sich der Notausgang und eine Veranda mit Holztreppe, die eigentlich als Notausgang gedacht ist. Da aber auf ihr auch zwei Stuehle stehen, die zum Verweilen einladen, haben wir diese Einladung gern angenommen und uns ausgiebig gesonnt.

Homer hat sogar einen breiten, feinsandigen Strand zu bieten. Wir haben tatsaechlich ein paar besonders hartgesottene Leute baden sehen. Uns hat ein kurzer Fusskontakt wieder einmal gereicht. Da kann es noch so warm sein, das Wasser ist und bleibt zu kalt.

Am Abend haben wir natuerlich wieder Fisch gegessen und uns die 5 Meilen lange schmale Landzunge, den Homer Spit, angeschaut, die an ihrem Ende im wesentlichen aus einer Aneinanderreihung von Souveniershops besteht. Trotzem ist es nett dort, weil sich der Ausblick natuerlich noch einmal weitet. Als wir das Ende der Landzunge erreicht hatten, die passenderweise Land's End heisst, wurde uns klar, das genau dies der aeusserte westliche Punkt unserer Autofahrt durch Nordamerika ist. Von hier aus, fahren wir nur noch zurueck. Wir schauten unglaeubig auf's Meer und die Berge hinaus und versuchten uns an moeglichst viele Etappen des Weges zu erinnern. Ein irgendwie feierlicher Moment...