Trauermarsch |
04. Juli 2003
Das war ja eine traurige Parade. Wir hatten uns einiges an Unterhaltung erhofft, als wir uns mit vielen Einheimischen zusammen an der Paradenstrasse eingefunden hatten. Was dann kam war mehr als peinlich. Die Amis scheinen unheimliche Freude an Kindern in Uniform zu haben. Einige Formationen marschierten mit ernsten Gesichtern und stolz getragenen Fahnen vorbei. Nebenher verteilten Angehoerige des Corps Flugblaetter an die Zuschauer, vermutlich um noch mehr Kinder als Kanonenfutter fuer den naechsten Krieg zu rekrutieren. Und der kommt ja ganz bestimmt. Danach kamen noch ein paar duerftig geschmueckte Wagen mit Leuten darauf, die sich wohl nur am 4. Juli raustrauen duerfen und ein paar protzige Autos mit vergreisten Karnevalsprinzen. Seltsamerweise spielte sich das fast alles ohne Musik ab. Es war fast ein Schweigemarsch und auch das Publikum schien nicht sehr begeistert zu sein. Das hatten wir uns ganz anders vorgestellt. Wo waren die Marching Bands? Wo war die Stimmung?
Nach 20 Minuten hatten wir genug von diesem Trauerspiel und trollten uns zu einem Spaziergang an der Kueste. Anchorage liegt nicht wirklich am Meer. Der Pazifik streckt aber einen Meeresarm, das sogenannte Cook-Inlet, so weit ins Land, dass doch so etwas wie eine verschlammte Kuestenlinie etsteht. Viel aufgeregter waren wir aber ueber die schneeweissen Berge, die sich dahinter zeigten und die wohl schon zur Kenai-Halbinsel gehoeren muessen. Wahnsinn wieviel Schnee da liegt, aber die Gletscher dort muessen ja auch irgendwo herkommen. Zaehneknirschend konnten wir sogar den Mt. McKinley sehen. Er muss hier mehr als 200 Meilen weit weg sein und ich haette es eigentlich nicht fuer moeglich gehalten, dass man ihn von hier aus sehen kann. Natuerlich war er voellig wolkenlos. So eine Sauerei.
Wir haben jetzt auch einen Zettel an unserem Wagen angebracht und verkuenden auf diese Weise, dass er zu verkaufen ist. Wir haben einen erheblich hoeheren Betrag als den Kaufpreis draufgeschrieben, weil die Preise hier alle etwas hoeher sind. Drueckt uns die Daumen, dass wir mindestens unsere Ausgaben wieder reinholen.
Das Fest in einem Park der Innenstadt war dann wirklich sehr nett. Ueberall spielten endlich auch Livebands, die Leute strollten ueber die Wiese oder lagerten im Gras und es gab leckere Sachen zu Essen. So liessen wir den 4. Juli versoehnlich ausklingen.