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Eim nood se Meenedscher

03. Juli 2003

Die letzten Meilen nach Anchorage sind zurueckgelegt. Damit haben wir das Ziel und den Ort erreicht, an dem wir unser Auto wieder verkaufen wollen. Die Fahrt war nicht besonders aufregend. Mt. McKinley hat sich uns auch heute nicht gezeigt, obwohl einige Aussichtspunkte dafuer an der Strasse eingerichtet waren. Nachdem Kirsten gestern sicherheitshalber unsere Versicherung angerufen hat und diese mangels weiterer Zahlungen von unserer Seite kurz vor der Aufloesung gestanden hat, haben wir heute mit Express Mail einen Scheck geschickt. Da haben unsere Bostoner Autoverkaeufer wohl zwei Zahlungsaufforderungen nicht an uns weitergemeldet. Wieder einmal haben wir uns zu sehr auf jemanden verlassen. Wir haetten nach unseren Erfahrungen mit den Fahrzeugpapieren doch wissen muessen, das wir uns am besten auf niemanden mehr verlassen und so weit es geht alles selbst in die Hand nehmen. Naja, hoffen wir mal, dass das jetzt geklaert ist. Wir wollen ja nicht auf den letzten Metern ohne Versicherungsschutz noch einen Unfall bauen.

Anchorage ist jetzt endlich wieder eine Stadt. Allerdings hat uns der wahnsinnige Verkehr in den Servicewuesten der Aussenbezirke schon wieder genervt. Dazu kommt noch, dass hier morgen der Unabhaengigkeitstag gefeiert wird und alle wie panisch einkaufen. Das ist in Amerika nicht anders als zu Hause. Mit Muehe haben wir ein Motel gefunden, das zwar viel zu teuer ist, aber nicht absolut astronomische Summen fordert. Unterhalb von viel zu teuer gibt es in der Stadt nichts. Die Privatzimmer der Hostels sind natuerlich alle wieder ausgebucht und alternative Backpackerunterkuenfte gibt es nicht. Wenn man einen angemessenen Preis zahlen moechte muss man entweder auf das Zimmer verzichten und schlaeft getrennt im Gemeinschaftsraeumen oder man verzichtet auf die Stadt und faehrt jeden Tag eine Stunde nach Anchorage rein. Da das Motel direkt am Flughafen liegt, kann man sich vorstellen, was hier abgeht. Wir haben uns eben Ohrstoepsel besorgt. Damit sollte es eigentlich gehen. Es ist ja nicht nur der Fluglaerm. Die Amis lieben Autos und Motorraeder, die viel Laerm machen. Manchmal fummeln sie irgendwas am Auspuff, damit ihre Kiste schon bei 50 km/h so klingt wie ein Porsche bei 210 km/h. Wie ausserordentlich daemlich.

Um gleich von der Stadt zu profitieren, sind wir nach einem kurzen Schlendern durch die Stadtmitte, ins Kino gegangen und haben uns Terminator 3 angeschaut. Da kann man wieder genau die doppelte Moral der Amis erkenne. Zu pruede, um einen nackten Hintern zu zeigen, aber bei den Aktionszenen dann richtig brutal werden. Auch scheinen sie keinerlei Hemmungen zu haben, ihre kleinen Kinder in diesen Film zu schleppen. Da waren kleine Maedchen drin, die noch ihre Puppen dabei hatten! Im Film gab es Szenen, von denen selbst ich Alptraeume bekommen koennte. Was denken sich die Eltern dabei? Warscheinlich nichts...

Eine kleine Zwischenepisode: Schon im Yukon sind uns auffallend viele schlecht englisch sprechende Oesterreicher ueber den Weg gelaufen. So kam es in einem Hostel, bei dem wir nach einem Zimmer fragten, dazu, dass ein Gast oeffnete. Wir sagten unser Spruechlein auf und zu unserer Verblueffung hob der vermeintliche Hostelbesitzer die Schultern und sagte im breitestem oesterreichisch "Eim nood se Meenedscher!", was wohl heissen sollte, dass er nicht der Manager sei. Wir verkniffen uns so gut es ging das Lachen und zogen, da wie immer nichts frei war, von dannen. Immer wieder auf unserer Fahrt kichert einer von uns ploetzlich vor sich hin und sagt "Eim nood se Meenedscher!" und wir lachen uns schlapp. Und jetzt Arnie als Terminator. Ok, er hatte eh nicht viel zu sagen, aber selbst dabei hoerte man immer noch deutlich den Oesterreicher heraus. Wir fragten uns unwillkuerlich, ob das fuer die Amis vielleicht gar nicht so laecherlich klingt wie fuer uns. Wir fanden einen oesterreichischen Terminator jedenfalls ziemlich lustig. Und jeden Moment erwarteten wir, das Arnie sagt: "Eim nood se Meenedscher!" Hat er nicht gesagt. Schade eigentlich.

Anchorage gefaellt uns auf Anhieb ziemlich gut. Es ist von mehreren Seiten von Bergen eingeschlossen und so tritt man um 22:30 Uhr auf den Kinoparkplatz und sieht die Sonne ihre letzten Strahlen auf die Berge rundherum werfen, waehrend rosa gefaerbte Wolken dazwischen haengen. Nett. Die Strassen in der Innenstadt sind mit Blumen geschmueckt und es gibt doch tatsaechlich Strassencafes. Die Alaskaner sind sowieso Espresso- suechtig, Hier gibt es wie schon in Fairbanks ueberall kleine Drive-In-Espresso-Buedchen. Wir haben noch keinen probiert, aber wollen das auf jeden Fall noch nachholen.

Jetzt muessen wir nur die Nacht gut ueberstehen und dann werden wir uns morgen die Feierlichkeiten anschauen.